Ludwigsburg will auch Alba im BBL-Finale wieder riesig nerven

Basketball  Gegen Final-Favorit Alba Berlin braucht Ludwigsburg heute Abend und am Sonntag einmal mehr ganz viel Mentalität. Das erste Aufeinandertreffen beim Turnier in München hat Mut gemacht. Die Riesen können am Sonntag erstmals in ihrer Vereinsgeschichte die BBL-Krone holen.

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Jonas Wohlfarth-Bottermann (oben) und seine Riesen wollen Albas Offensiv-Power nicht groß aufkommen lassen.

Foto: imago images/BBL-Foto

Galant glitt der spanische Grandseigneur zur Seite, als die unvermeidliche Frage auf ihn zukam. Der Favorit in den beiden Duellen an diesem Freitag (20.30 Uhr/Magentasport) und Sonntag (15.00 Uhr/Sport1 und Magentasport) um die deutsche Meisterschaft? Alba Berlin oder die Ludwigsburger Riesen? Aito Garcia Reneses lachte laut. Dann grinste der erfahrene Coach des Hauptstadt-Clubs spitzbübisch. "Die Schiedsrichter - sie gewinnen auf jeden Fall", umdribbelte der 73-Jährige allzu großen verbalen Druck im Vorfeld ähnlich kreativ wie seine Spieler die Gegner auf dem Bundesliga-Parkett.

Für den Ludwigsburger Käpt'n Jonas Wohlfarth-Bottermann stellt sich die Favoritenfrage aber ohnehin gar nicht groß: "Für mich ist Alba dieses Jahr das beste Team gewesen, das Maß der Dinge. Vom Talent und vom Coaching wird es natürlich sehr schwierig für uns." Und doch ist sie da, die Riesen-Hoffnung auf eine weitere Überraschung im Münchner Audi-Dome beim Turnier um die BBL-Krone.

Riesen mit "sehr viel Selbstbewusstsein"

"Wir haben sehr viel Selbstbewusstsein, sind weit gekommen. Ich erwarte zumindest ein sehr enges Ding", betonte Wohlfarth-Bottermann mit Blick auf das spezielle Debüt seiner Ludwigsburger im finalen Kräftemessen.

Die Riesen haben sich längst großen Respekt bei den Konkurrenten erarbeitet. Auch wenn die Komplimente oftmals nicht gerade schmeichelhaft klingen. "Sie haben zu ihrem Markenkern erklärt, dass sie allen auf die Nerven gehen mit ihrer speziellen Art zu spielen. Kein Team europaweit, das schon mal die Erfahrung mit Ludwigsburg gemacht hat, wünscht sich, gegen Ludwigsburg zu spielen", sagte unlängst Alba-Geschäftsführer Marco Baldi.

Wohlfarth-Bottermann selbst, vor seinem Engagement bei den Riesen unter anderem für die Berliner und Frankfurt am Ball, gestand schmunzelnd: "Ich kenne auch die andere Perspektive. Ich habe auch oft genug gegen Ludwigsburg gespielt und verloren. Das war nie schön. Wir sind natürlich froh, dass wir diese Philosophie in diesem Jahr mal wieder so gut aufs Parkett bringen. Es sind zwei sehr unterschiedliche Mannschaften, die sich jetzt messen."

Zerstörer gegen Schöngeister

Ludwigsburger Zerstörer gegen Berliner Schöngeister - "es sind schon zwei Stile, die da aufeinander krachen", sagt Alba-Kapitän Niels Giffey: "Beide Teams haben eine gute Chance, über 80 Minuten zu batteln." Riesen Trainer John Patrick macht keinen Hehl daraus, wie die grundsätzliche Herangehensweise seiner Mannschaft im Finale aussehen wird: "Wir sind natürlich defensiv-orientiert."

Bereits im letzten Spiel der Gruppenphase waren Berlin und Ludwigsburg während der Vorrunde im Duell um Platz eins aufeinander getroffen. Beim 97:89 mit dem besseren Ende für Alba. Für Patrick war es dennoch ein Teilerfolg: "Wir waren auf Augenhöhe und haben mitgehalten. In der Endphase hat Berlin einen offenen Dreier gekriegt und man kann Berlin keinen offenen Dreier geben. Sie hatten letztlich 17 Dreier gegen uns getroffen."

Alba hat viele Waffen in der Offensive

Nicht nur deshalb weiß der Ludwigsburger Trainer natürlich um die individuelle Gefahr des stark bestückten Kontrahenten in der Offensive: "Alba hat so viele Waffen, die haben zehn bis zwölf Spieler, die 20 Punkte machen können. Wir brauchen einen guten Game-Plan." John Patrick glaubt, dass die Mannschaft gewinnt, "die ihre Pace spielen kann, die mehr Rebounds holt - und wenn es wir sind, brauchen wir auch ein wenig Glück".

Auf mehr Fortune als in den vergangenen Jahren hoffen allerdings auch die Berliner. Bei der dritten Finalteilnahme in Folge soll die Erfolgs-Ära von Trainer Aito Garcia Reneses endlich auch mit dem Meistertitel gekrönt werden. Ein erneutes Scheitern würde Alba ganz gewaltig nerven. Aber das ist schließlich Markenkern der Riesen.

Ist Marcos Knight einsatzbereit?

Ludwigsburg muss gegen Berlin um seinen Schlüsselspieler Marcos Knight bangen. Ob der bislang überragende Aufbauspieler einsatzfähig ist, wird sich wohl erst kurz vor dem Match gegen Alba entscheiden. Der US-Guard war im Halbfinal-Rückspiel gegen Ulm am Dienstag umgeknickt, er konnte aber aufs Parkett zurückkehren.

"Vielleicht ist es auch für Marcos eine Game-Time-Decision. Ich glaube, alle Spieler, die jeden zweiten Tag gespielt haben, haben Schmerzen. Die Frage ist, ist es zu viel, oder nicht", sagte Riesen-Trainer John Patrick. Auch Jonas Wohlfarth-Bottermann und Hans Brase sind angeschlagen.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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