Ludwigsburg steht mit riesigem Teamgeist im Finale

Basketball  Bei den Riesen Ludwigsburg passen individuelle Klasse und Mannschaftsdienlichkeit perfekt zusammen. Auch in den beiden Finalspielen um die deutsche Meisterschaft ist ihnen eine Überraschung zuzutrauen.

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Gemeinsam geschafft: Die Ludwigsburger Profis jubeln im Münchner Audi-Dome über ihren Finaleinzug.

Foto: imago images/BBL

Der Blick auf die eigene Statistik ist wichtig. Im Basketball besonders, schließlich gibt es bei den meisten Teams nach jeder Saison größere Rochaden. Da sind gute Werte bei Punkten und Rebounds ein großes Pfund für gute Verträge.

Doch wie das Beispiel der MHP Riesen Ludwigsburg zeigt, schließen sich der Blick auf die eigene Bilanz und Teamgeist nicht aus. Ihr Einzug ins Finale um die deutsche Meisterschaft beim Abschluss-Turnier in München, ist das Ergebnis von harter (Zusammen-)Arbeit auf dem Feld.

Siegeswille der Mannschaft ist deutlich zu sehen

Eines fiel besonders auf. Und zwar nicht erst im Halbfinale gegen Ulm, das die Riesen nach einem 71:71-Unentschieden im Rückspiel am Dienstagabend mit 94:85 für sich entschieden: der unbändige Kampfgeist, der Siegeswille in der Mannschaft.

Der bisher größte Erfolg in der Vereinsgeschichte ist unter anderem auch im hohen Fitness-Level der Spieler begründet. Schon im Viertelfinale gegen den FC Bayern München drehten die Ludwigsburger nach teils hohen Rückständen die beiden Partien in der Schlussphase. Gegen Ulm war es ähnlich.

"Wir haben eine starke Teamarbeit", sagte Guard Marcos Knight am Dienstag nach dem Sieg gegen Ulm. Dabei spielt Ludwigsburg nicht den besten Teambasketball im Turnier.

Durch schöne Pass-Stafetten glänzten andere Mannschaften. Die Riesen kreieren sich ihre Würfe in der Regel selbst. Durch individuelle Klasse, durch Geschwindigkeit und Athletik, aber auch, weil die Teamkameraden die Aufmerksamkeit der gegnerischen Verteidigung auf sich ziehen und dadurch Lücken entstehen. Auf der anderen Seite zermürben sie selbst durch eine konsequente Defense den Gegner.

Marcos Knight verbindet individuelle Klasse und Teamgeist

Knight bringt beim Abschlussturnier wie kaum ein anderer individuelle Klasse und Mannschaftsdienlichkeit aufs Parkett. 26 Punkte holte er im Halbfinal-Rückspiel, dazu 13 Rebounds. Zusätzlich gab er drei Assists und riss seine Teamkameraden mit. Und das, obwohl das 1,88 Meter große Kraftpaket mehrmals am Knöchel getaped werden musste, weil er früh im Spiel umknickte. Aber aufgeben gibt es bei ihm nicht.

"Er gibt immer 100 Prozent, nimmt die schwersten Würfe und geht voran", sagte Nick Weiler-Babb über seinen Teamkameraden. In der Plus-Minus-Statistik kam der US-Amerikaner auf einen Wert von plus 20. "Wir wollen auch im Finale mit viel Teamgeist spielen", sagte Knight und lobte noch seine Mitspieler: "Ich bin stolz auf jeden." Am Freitag (20.30 Uhr) und Sonntag (15 Uhr) geht es nun voraussichtlich in Hin- und Rückspiel gegen Alba Berlin.

Stolz war auch Trainer John Patrick. "Marcos hatte alles unter Kontrolle. Ein Wahnsinn", lobte er seinen Co-Kapitän. Knight hat erst seit dem Turnier diese Rolle inne, da Kapitän Konstantin Konga wegen einer Operation nicht mit nach München fahren konnte. Nun führen der Guard sowie Center Jonas Wohlfarth-Bottermann das Team.

"Die Atmosphäre auf der Bank und im gesamten Team ist super", sagt Patrick. Denn er sieht, dass seine Spieler auch gönnen können. Selbst diejenigen mit wenig Einsatzzeit stellen sich in den Dienst der Mannschaft und feuern die Kameraden an.

Nur Knight beim Finaleinzug herauszuheben, wäre unfair. "Unsere Big Four haben alle geliefert", sagte Patrick. Damit meinte er Marcos Knight (26 Punkte/13 Rebounds), Jaleen Smith (14), Nick Weiler-Babb (20), und Thomas Wimbush (22/12). Nicht zu vergessen ist noch das Trainerteam um Patrick, der mit seiner ruhigen Art meist die richtigen Worte findet und sich selbst nie in den Vordergrund spielt.

Co-Trainer David McCray mit wichtiger Ansprache

Wichtig war gegen Ulm aber auch David MacCray, bis vergangene Saison selbst noch Führungsspieler bei den Riesen und jetzt Co-Trainer: "Er hat die Mannschaft in der Pause zusammengenommen und erzählte, dass er selbst schon mal in so einer Situation war und sagte, was er tun würde."

Es half, die Riesen drehten das Spiel und stehen im Finale. Zwar wird der vor dem Turnier als Geheimfavorit gehandelte Tabellenzweite der Hauptrunde in den beiden Endspielen der Außenseiter sein, doch Ludwigsburg ist jederzeit eine Überraschung zuzutrauen.

"Es sind zwei neue Spiele, um uns zu beweisen", meinte Weiler-Babb. Thomas Wimbush hatte schon vor dem Halbfinale gesagt: "Es ist die Chance, einen Titel zu holen." Das wäre perfekt für die Statistik - auch für die des Clubs.

 

Vertrauen in die Nachwuchskräfte

Für das Meisterturnier hatte Ludwigsburgs Trainer John Patrick aufgrund mehrerer Ausfälle seinen 16 Jahre jungen Sohn Jacob und den zwei Jahre älteren Johannes in den Kader berufen. Insgesamt sind sogar fünf deutsche U20-Talente dabei - die nun vor ihrer größten Bewährungsprobe stehen.

Die jungen Akteure treten bislang mit viel Selbstbewusstsein auf, weil sie das Vertrauen des Trainers und der erfahrenen Akteure spüren. So reiste Ariel Hukporti (18) zwar zwischenzeitlich nach Ludwigsburg zurück, um seine Hauptschulabschluss-Prüfungen zu absolvieren. Am Montag kam der 18-jährige Center wieder in München an - coronafrei getestet freilich - und zeigte am Dienstag gegen Ulm eine starke Leistung, als er Mitte des Spiels für den verletzten Kapitän Wohlfarth-Bottermann in die Bresche springen musste. Zu erwähnen sind aber auch Radii Caisin (19) und Lukas Herzog (18), die Beweis dafür sind, wie wichtig eine gute Jugendarbeit sein kann.

Der Trend zu Einsatzzeit für junge Spieler oder solche, die bisher eher in der zweiten Reihe standen, war auch bei anderen Mannschaften zu erkennen. Bedingt durch den engen Terminplan, aber auch wegen Ausfällen. Ulms Sportdirektor Thorsten Leibenath sieht noch einen anderen Grund: "Ich denke, es spielt ein Stück weit eine Rolle, dass die Plätze in Euroleague und Eurocup vergeben sind", sagte der langjährige Coach. "Man macht sich als Trainer vielleicht nicht mehr ganz so viele Gedanken über die Konsequenzen einer Niederlage."

 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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