Kreativ in der Krise

Leichtathletik  Auch die Leichtathleten des TV Eppingen haben ein spezielles Jahr hinter sich: Ständig haben sich allein für das Training die Rahmenbedingungen geändert, Athleten und Trainer mussten sich immer wieder neu erfinden.

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Ohne Handy geht es nicht. Aliena Juliette Heinzmann wischt sich mit Schwung durch die Galerie mit den vielen Fotos und Videos. Wann ging es im Frühjahr doch wieder raus ins Stadion? Wann durfte nach dem ersten Lockdown trainiert werden? Das Sportjahr 2020 war ein bewegtes, da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. "Es war ja ein ständiges Hin und Her", sagt die Leichtathletin des TV Eppingen, die Anfang des Jahres noch mit einer Verletzung kämpfte.

Als Individualsportler durften die Leichtathleten im Frühjahr als erste wieder in die Stadien. "Im Mai haben wir wieder losgelegt", bestätigt Aliena Heinzmann mit Blick auf ihre Fotos. Natürlich war das Training nicht mehr dasselbe wie zuvor, Abstands- und Hygieneregeln mussten beachtet werden, trainiert wurde in Kleingruppen. Die Trainer Martin Löwer und Peter Bergdolt waren zwar auch im Stadion, sie hielten aber 30 Meter Abstand, da sie sonst zur Gruppe gezählt hätten und einem Athleten den Platz genommen hätten. "Wir haben über den ganzen Platz gerufen", berichtet Löwer.

Die Motivation bei allen was riesengroß

Kreativ in der Krise

Aber irgendwie funktionierte es, "die Motivation bei allen war riesengroß", findet Löwer. Auch bei Heinzmann: "Die Aussicht auf Wettkämpfe war ein Hoffnungsschimmer", sagt die 18-Jährige. Später als sonst begann die Saison, aber sie begann. Nicht nur das: Sie wurde auch durchgezogen. Auf sechs Wettkämpfe kommt Dreispringerin Heinzmann, darunter auch deutsche und baden-württembergische Meisterschaften sowie das Sprungmeeting in Eppingen. Die Ergebnisse stimmen.

Nicht nur bei ihr. "Wir hatten eine sehr erfolgreiche Late-Season", sagt Löwer, der Leistungssprünge bei allen Athleten festhalten kann. "Trotz der sehr schweren Bedingungen haben sich alle richtig gesteigert." Von einem verloren Jahr kann er deswegen nicht sprechen. Der Rahmen indes hat sich freilich in der Zeit verändert: Immer wieder mussten Gruppenstärken verändert, Trainingspläne angepasst werden, logistisch ein riesiger Aufwand.

Die Eppinger mussten sich immer wieder neu erfinden

Noch einmal an Fahrt aufgenommen hat diese Entwicklung ab Oktober, irgendwann durften noch maximal zwei Personen zeitgleich im Stadion sein. Damit alle ihre Trainingszeiten bekamen, lagerten die Eppinger ihre Athleten auf ihre jeweiligen Wohnorte aus. Ein Trainer war nicht mehr im Stadion. "Wir mussten uns immer wieder neu erfinden", berichtet Martin Löwer.

Um trotzdem eine Rückmeldung zu bekommen, machten die jungen Athleten Filme von ihren Läufen und Sprüngen, schickten sie anschließend an Löwer. Der sichtete die Versuche und sprach jedem eine Kurzanalyse auf das Video. Das kam bei der jungen Generation ganz gut an. "Ich fand das ganz cool", sagt Aliena Juliette Heinzmann über den technischen Fortschritt. Der aber birgt zumindest in der Form Nachteile, gibt Löwer zu bedenken.

Die lange Saison ist nicht ohne Folgen geblieben

Kreativ in der Krise

Mit einer direkten Rückmeldung hat eine solche Analyse nichts mehr zu tun. "Eine Veränderung anleiten, dauert jetzt länger", sagt Löwer, der gar von einer gefährlichen Situation spricht. "Es könnten sich Fehler einschleichen, die man nur schwer wieder rausbekommt." Ein anderes Problem, dass das Jahr 2020 mit sich gebracht hat: Die Saison war länger als sonst, zu lang bald. Einige Athleten haben Überlastungsschäden davongetragen. Zum Beispiel Clara Antritter, die nach der Dauerbelastung ein Knochenödem bekam, sagt Löwer.

Für Heinzmann war die Saison etwas kürzer, weil sie wegen ihrer Verletzung später gestartet ist. Weil die Stadien inzwischen aber ganz dicht sind, hat sie ihr Training auf die Straße vor dem Haus verlegt, wo sie am Abend nach der Arbeit Sprünge und Läufe macht. "Es geht darum, so gut es geht, die Leistung zu halten", sagt sie. Löwer weiß: Allein und im Dunklen wird es schwieriger, sich zu motivieren. "Ich bin sehr gespannt, wie wir da durchkommen", sagt er.

 

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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