Kimmich wartet, Neckarsulmer Handballerinnen und Falken sind schon geimpft

Sport  Wie der Sport mit dem Impfen umgeht: Die Neckarsulmer Handball-Frauen und die Heilbronner Falken haben bereits vollständigen Schutz.

Von Dominik Knobloch und dpa

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Tennisstar Novak Djokovic gibt bei seinem Impfstatus Rätsel auf.

Foto: dpa

Für hitzige Debatten rund um die Corona-Impfung im Sport hätte es die Aussagen von Joshua Kimmich nicht gebraucht. Welche Sportler scheinen beim Thema Impfen zögerlich? Welche Folgen drohen Ungeimpften? Über wen wird diskutiert?

Für fast alle gilt - Vieles bleibt im Unklaren. Eine solche Klarheit wie jetzt bei Fußball-Nationalspieler Kimmich, der am Samstag einräumte, bislang nicht gegen Corona geimpft zu sein, würde sich beim Topstar Novak Djokovic mancher wünschen. Der Weltranglistenerste, genesen von einer Corona-Erkrankung im vergangenen Jahr, will seinen Impfstatus nicht offenbaren. "Das ist eine Privatsache", erklärte der 34 Jahre alte Serbe. Die Frage danach sei unangemessen.

Impffrage rückt beim Tennis in den Fokus

Dass man über Ungeimpfte nichts erfährt, ist nicht ungewöhnlich. So ist es beispielsweise auch in der Formel 1 oder bei Clubs der Fußball-Bundesliga. Kimmich redete erst nach einem Medienbericht.

Im Tennis rückt diese Frage immer stärker in den Fokus je weiter das Jahr voranschreitet, weil die Reise zu den Australian Open näher kommt. Ob Djokovic seinen Titel ohne Corona-Piks verteidigen kann, ist fraglich. Ob Ungeimpfte am Grand-Slam-Turnier, das am 17. Januar beginnt, überhaupt teilnehmen dürfen, ist möglich, aber noch nicht offiziell entschieden. Die Auflagen wären wohl streng: Eine strikte zweiwöchige Hotel-Quarantäne wäre ein gewaltiger Nachteil.

 

Zverev lässt Geimpften-Status durchblicken

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Spezielle Maßnahmen im Sport: Mitglieder des Organisationsteams desinfizieren in Schutzanzügen und mit Mund-Nasen-Schutz die Geräte während der Turn-WM, nachdem ein Athlet positiv auf Corona getestet wurde.

Foto: dpa

"Ich habe das Problem nicht", bekräftigte Olympiasieger Alexander Zverev und ließ seinen Geimpften-Status durchblicken. Die Geheimniskrämerei über Djokovic nimmt womöglich erst nach dem Flug nach Australien ein Ende. Wenn er fliegt. Seine Teilnahme ist offen. Auch Zverev hält die Impfung aber für ein privates Thema. Formel-1-Pilot Sebastian Vettel sagte: "Na ja, wer bin ich, dass ich das beurteilen kann?", meinte er: "Ich meine, ich habe mich impfen lassen. Offensichtlich reise ich viel." Entscheiden müsse das jeder selbst, es betreffe den eigenen Körper. "Aber ich denke auch, dass es teilweise nicht nur eine Entscheidung ist, die man für sich selbst treffen muss, sondern auch für andere Menschen, und aus Solidarität sollte man sich vielleicht impfen lassen."

Der Druck zur Impfung ist hoch. Auch für die Olympia-Teilnehmer. Denn für die Winterspiele in Peking, die am 4. Februar eröffnet werden sollen, sehen die Regeln für Ungeimpfte eine dreiwöchige Quarantäne nach der Ankunft vor. Wie im Tennis wäre die unmittelbare Vorbereitung auf die Wettkämpfe empfindlich gestört. Ein Großteil der deutschen Olympioniken sei bereits vollständig geimpft, sagte der Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbunds, Dirk Schimmelpfennig.

Neckarsulmer Trainerin lässt sich umstimmen

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Daumen hoch für die Immunisierung: Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin hat sich trotzt Skepsis impfen lassen − wie das gesamte Handball-Team.

Foto: Veigel

Seit Anfang Oktober vollständig geimpft sind auch die Bundesliga-Handballerinnen der Sport-Union. Als die Liga-Verantwortlichen sich Ende September zuletzt nach dem Impfstatus bei den 14 Erstliga-Clubs erkundigt hatten, zählten die Neckarsulmerinnen genau wie sechs weitere Mannschaften noch nicht zum Kreis der vollständig geimpften Teams. "Es geht aber oft nur um wenige Einzelfälle, insgesamt ist die Quote sehr hoch", berichtet der Neckarsulmer Pressesprecher Sascha Göttler. Ein solcher Einzelfall war anfangs auch Trainerin Tanja Logvin. Im Juni hatte sie noch öffentlich erklärt, sich nicht impfen zu lassen "wenn es keine Pflicht wird".

Geschäftsführer Kai Stettner freut sich über den Sinneswandel: "Wir waren schon hinterher, aber man kann trotzdem niemanden zwingen. Es geht auch um den Solidargedanken, den sportlichen Erfolg und was eine mögliche Quarantäne für alle bedeutet. Es lassen sich gute Argumente finden."

Falken haben Geimpften-Status schon im August verkündet

Im Tennis ist die Quote trotzdem (noch) gering. Top-Spieler wie der letztjährige US-Open-Gewinner Dominic Thiem aus Österreich haben angekündigt, sich impfen zu lassen. Insgesamt sind bisher rund ein Drittel der Herren auf der ATP-Tour und um die knapp 40 Prozent der WTA-Tour der Damen ungeimpft.

 

In anderen Sportarten lief es deutlich besser. Der DEL-2-Club Heilbronner Falken verkündete schon im August, dass das gesamte Eishockey-Team durchgeimpft ist. In der Fußball-Bundesliga ist Kimmich natürlich nicht der einzige ungeimpfte Profi, gehört aber bei einer Quote von mehr als 90 Prozent unter Spielern und Trainern der 1. und 2. Liga zu Ausnahmen. In der Basketball-Bundesliga war nur ein Spieler vor Saisonbeginn bekannt, der nicht den 2G-Status hatte (99 Prozent). In der Deutschen Eishockey Liga erhöhte sich der Anteil auf 93 Prozent. Mit vielen positiven Fällen und Spiel-Absagen gab es gerade massive Probleme. 


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Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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