Katharina Althaus wartet weiter auf die Heilung des Weitenwehs

Ski nordisch  In Ramsau legen die Skispringerinnen mit Verspätung im Weltcup los. Althaus und Co. haben einen starken Verbündeten im Kampf um die Gleichberechtigung und die letzten beiden Bastionen.

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Katharina Althaus hat bei den Weltmeisterschaften in Seefeld 2019 drei Medaillen geholt: Gold im Team, Gold im Mixed und Silber im Einzel (von der Normalschanze).

In ihrer Stimme schwingt Sehnsucht mit. Man könnte auch sagen Fernweh, ja Weitenweh: "Ich würde unheimlich gerne Skifliegen", hat Katharina Althaus Ende Oktober gesagt. Das Weitenweh von Deutschlands bester Skispringerin ist am Wochenende während der Skiflug-WM in Planica noch größer geworden: "Wenn man die Männer fliegen sieht - das ist der Wahnsinn, was die ganze Mannschaft da gezaubert hat", sagt sie am Dienstagmittag in einer Online-Pressekonferenz mit einem sehnsüchtigen Strahlen. Das nun auch sie und ihre Kolleginnen wieder im Fernsehen zeigen können: Am Donnerstag beginnt mit der Qualifikation in Ramsau der Weltcup der Skispringerinnen. Auf einer Normalschanze. Und mit Verspätung - die Wettkämpfe vor zwei Wochen in Lillehammer wurden wegen der Pandemie abgesagt.

Die Skispringerinnen und Bundestrainer Andreas Bauer wünschen sich eine grundsätzliche Veränderung ihres Weltcup-Kalenders. Weil sie Skifliegen möchten (Althaus: "Die besten Zehn, 15 von uns können da runterfliegen, ohne Probleme"). Weil sie weiter für eine Vierschanzentournee der Frauen kämpfen. Die kommt, ist sich Andreas Bauer sicher. Aber auch er habe lernen müssen, dass man bei der Lobbyarbeit im Ski-Weltverband Fis viel "thematisieren, diskutieren und vor allem Geduld aufbringen muss, bis Dinge umgesetzt werden". Der Oberstdorfer sei voller Hoffnung, dass es in ein, zwei Jahren mit der Tournee für Frauen klappt.

Bei der Heim-WM gibt es erstmals gleich viele Medaillen

Andreas Bauers große Stärke ist nicht seine Geduld, sondern seine Beharrlichkeit - im Kampf um die Gleichberechtigung der Skispringerinnen, im Kampf um "die letzten beiden Bastionen". Ein Erfolg vorab: Die Heim-WM in Oberstdorf sind die ersten Titelkämpfe, bei denen auch die Frauen Medaillen von der Großschanze holen können, erstmals gleich viele Entscheidungen bei Männlein und Weiblein anstehen: "Unser Kampf hat sich gelohnt."

Zudem kündigt Andreas Bauer an, dass es wohl schon für nächste Saison im Rahmenkalender Veränderungen gibt. Damit Lücken wie diesen Winter ausbleiben. Und die Frauen endlich Skifliegen können.

Russland-Springen rücken vom März in den Dezember

Katharina Althaus wartet weiter auf die Heilung des Weitenwehs

Hat im Frühjahr zu Hause Schutzmasken genäht: Katharina Althaus.

Fotos: dpa

Die Bluebird-Tour in Nischni Tagil und Tschaikowski (Russland) "wird man vom März in den Dezember nach vorne setzen", sagt Bauer. Damit sei künftig die Lücke zwischen dem Auftakt in Lillehammer und Weihnachten geschlossen, wo es in Mitteleuropa wenig Schneesicherheit und somit wenig entschlossene Veranstalter gebe. "So hätten wir die Möglichkeit, die zehn oder 15 besten Frauen beim Finale der Raw Air beim Skifliegen in Vikersund an den Start zu bringen." Schöne Aussichten. Aber Zukunftsmusik.

Das Heute und Jetzt braucht wegen Corona viel Flexibilität. Die geplanten Weltcup-Springen in Japan (Anfang und Mitte Januar) und China (Mitte Februar) sind abgesagt, so dass nach dem Auftakt mit dem Springen am Freitag in Ramsau erst einmal Wettkampf-Pause bis Ende Januar sein wird. "Wir versuchen die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen", sagt Andreas Bauer. Juliane Seyfarth ist "positiv überrascht, dass wir vor Weihnachten doch noch springen können". Die 30-Jährige von der TSG Ruhla springt auf Augenhöhe mit der deutschen Meisterin Katharina Althaus, die sagt: "Ich bin dankbar, dass wir diesen Vergleich im Team haben." Denn internationale Vergleiche waren seit Mitte März nicht möglich.

Vogts erste Schnee-Sprünge nach einem Jahr und neun Monaten

Andreas Bauer ist zuversichtlich: "Wir haben das Jahr über gut trainiert." Am Start sind am Dachstein neben den Routiniers Althaus (24) und Seyfarth (30) noch Selina Freitag (19), Luisa Görlich (21), Anna Rupprecht (23) und Agnes Reisch (21). Die Team-Weltmeisterinnen Ramona Straub (27) und Carina Vogt (29) sind nach ihren Kreuzbandrissen noch nicht soweit. "Carina hat heute Morgen nach einem Jahr und neun Monaten die ersten vier Trainingssprünge auf Schnee gehabt", sagt Andreas Bauer.

Jetzt geht es endlich wieder los. Katharina Althaus sagt: "Ich bin zuversichtlich." Auch, dass es irgendwann mit dem Skifliegen klappt.

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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