Katastrophaler Einbruch für Ilsfelder Springreiter Sven Schlüsselburg

Reiten  Die ausgefallenen Turniere sind nicht nur für Springreiter Sven Schlüsselburg aus Ilsfeld problematisch. Dennoch bereitet er sich und seinen Schimmelwallach Bud Spencer auf die DM in Riesenbeck vor.

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Banger Blick: Wie geht es für Sven Schlüsselburg und Bud Spencer (hier während der CSI3*-Springprüfung im September in Aachen) weiter?

Foto: imago images/Rene Schulz

Fünf Tage Reitsport der Extraklasse in einer rappelvollen Hanns-Martin-Schleyerhalle - so wäre es vergangene Woche im Normalfall beim Stuttgart German Masters gewesen. Aber wegen der Pandemie ist das Weltcup-Turnier wie elf weitere der insgesamt 13 Veranstaltungen abgesagt worden - nur noch ein einziges Fünf-Sterne-Turnier steht in den nächsten vier Monaten in Westeuropa im Kalender des Weltverbandes FEI. Stand heute. "Das ist ein katastrophaler Einbruch in ganzer Linie", sagt Sven Schlüsselburg, Springreiter mit Bundeskaderstatus aus Ilsfeld.

Wenig Preisgeld, hohe Kosten

Der Weltranglistenerste Steve Guerdat hat kürzlich der "Neuen Zürcher Zeitung" gesagt: "Dieses Jahr habe ich vielleicht ein Drittel des Preisgeldes verdient, das ich üblicherweise einnehme", bei "nahezu gleichbleibendem Aufwand", nahezu gleichbleibenden Kosten. Doch das Geld ist nur das eine. Das Sportliche ist das andere: Der Schweizer Steve Guerdat und der Unterländer Sven Schlüsselburg bereiten sich auf die Olympischen Spiele in Tokio vor, die nach wie vor von 23. Juli bis 8. August 2021 stattfinden sollen. "Die Pferde müssen auch Wettkampfmodus haben", sagt Bundestrainer Otto Becker. "Wir müssen ständig neu planen."

Bud Spencer ist bestens in Schuss

Wettkampfmodus hatten Sven Schlüsselburg und Bud Spencer 2020 nur selten. Was ja grundsätzlich nicht falsch ist - der 39-Jährige hat nur ein Weltklassepferd im Stall, den Schimmelwallach aus eigener Zucht. Da ist weniger mehr, wenn es tatsächlich mit der Qualifikation für die Spiele klappen soll. "Buddy ist tipptopp in Schuss, ist phänomenal gut gesprungen, hat richtig Lust aufs Springen", sagt Schlüsselburg und berichtet von starken Auftritten in Aachen, auf zwei, drei nationalen Turnieren und zuletzt in Riesenbeck - wo nun von 3. bis 6. Dezember die deutschen Meisterschaften nachgeholt werden sollen. Die seien wichtig, so Schlüsselburg: "Um zu sehen wie die Form ist, woran wir arbeiten müssen." Ein Ausschlusskriterium für die Olympia-Qualifikation seien sie aber nicht. "Das ist dieses Jahr alles nicht vergleichbar", sagt der DM-Fünfte des Vorjahres.

Ja, 2019 war ein fabelhaftes Jahr für das Duo vom Pferdeleistungszentrum Engelsberg mit drei Einsätzen bei Nationenpreisen und einem glanzvollen Auftritt beim CHIO in Aachen (Platz acht lediglich mit Zeitfehlern); Sven Schlüsselburg und Bud Spencer standen auf der Longlist für die EM in Rotterdam. Elektrisierende Erfolge, die das Ergebnis harter Arbeit des ganzen Stalls sind. So gesehen sei es gar nicht so schlecht gewesen, dass 2020 wegen Corona viel ruhiger ist: "So haben wir mehr Nachwuchspferde ausbilden können, mit denen wir Gott sei Dank auf kleinere Trainingsturniere fahren konnten." Doch gerade steht die Turnierszene wieder mehr oder weniger still. "Die Kollegen in Bayern dürfen derzeit nicht einmal mehr in der Halle trainieren", sagt Sven Schlüsselburg.

Harte Zeiten, schräge Zeiten

Der Hoffnungsträger aus Ilsfeld bleibt gelassen: "Um es mit Bundestrainer Otto Becker zu sagen: Wir müssen es so nehmen, wie es jetzt eben kommt und spontan planen." Und Sven Schlüsselburg bleibt hoffnungsvoll: "Das ist alles gerade heftig, für den großen Sport tragisch. Aber wir hoffen einfach, dass es bald wieder losgeht und dass wir uns wieder Preisgelder holen können." Man brauche Turniere, um seine Pferde besser und, ja, auch wertvoller machen zu können. So Turniere wie die Traditionsveranstaltung in der Schleyerhalle.

Weltcup in Leipzig?

Im Weltcup-Kalender steht offiziell immer noch das Turnier in Leipzig. Aber ob die einzige Station der wichtigsten Hallen-Serie in Westeuropa vom 14. bis 17. Januar tatsächlich stattfindet, ist angesichts der Corona-Entwicklung fraglich. Es gibt im Winter nur noch ganz wenige Möglichkeiten, ein bisschen Geld zu gewinnen. Einige deutsche Reiter sind mehrere Wochen bei einer Serie von Freiluft-Turnieren im portugiesischen Vilamoura und im spanischen Vejer de la Frontera am Start. "Otto Becker und ich haben aber entschieden, hier zu bleiben und die DM zu reiten", sagt Sven Schlüsselburg.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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