Heute fällt die letzte Männer-Bastion

Ski nordisch  In Ramsau findet der erste Weltcup für Nordische Kombiniererinnen statt. Jenny Nowak ist bisher die Pionierin einer jungen Sportart, die Skispringerin Svenja Würth neu wiederentdeckt hat.

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Der Rekordweltmeister trifft die Nummer eins: Eric Frenzel gratuliert im März in Oberwiesenthal der zweifachen Junioren-Weltmeisterin Jenny Nowak, die seit Oktober erste deutsche Meisterin in der Nordischen Kombination ist.

Foto: Archiv/dpa

Frauen haben seit 1981 einen Weltcup im Langlaufen, seit 2011 einen Weltcup im Skispringen - und ab sofort einen Weltcup in der Nordischen Kombination: In Ramsau steht am Donnerstag um 10.30 Uhr der sogenannte Provisorische Wettkampfsprung für die letzte fehlende Weltcuppremiere an. Es ist der Sprung in eine neue Zeitrechnung. Denn damit fällt die letzte Männer-Bastion im äußerst breit gefächerten sommerlichen wie winterlichen olympischen Kanon.

Warum hat das eigentlich so lange gedauert, Horst Hüttel? "Das Ziel war, dass der erste Schuss sitzt. Wir wollten nicht mit nur sechs oder acht Nationen starten", sagt der Teammanager Nordische Kombination und Skisprung im Deutschen Skiverband (DSV), der zudem Kombinations-Chairman beim Ski-Weltverband ist. Man habe gut daran getan zu warten, erzählt Hüttel am Mittwochabend in einer Online-Pressekonferenz, es seien zwölf, 13 Nationen am Start. "Ich sage: Tür auf und Feuer frei für die Mädchen." Am Freitag fällt die Entscheidung von der Normalschanze und auf den fünf Kilometern in der Loipe.

Zäher Kampf der Zweikämpferinnen

Der Weltcup der Kombiniererinnen hat es nicht leicht und steht symbolisch für den zähen Kampf der Zweikämpferinnen. Von den ursprünglich fünf an der Seite der Männer geplanten Weltcups waren im Herbst wegen der Pandemie nur noch zwei übrig. Dann sagten Lillehammer, wo die Premiere Anfang Dezember hätte über die Bühne gehen sollen, und Otepää (Estland/Anfang Januar) wegen Corona ab.

"Wir waren alle sehr enttäuscht", sagt Svenja Würth, die frustriert auf dem Sofa saß, als im Fernsehen Bilder vom Weltcup-Start der Männer liefen. Aber es sei eine coole Sache, dass es nun doch noch vor Weihnachten losgehe. Ramsau ist der Ersatz für Otepää. Und macht mit einem nordischen Dreiklang auf sich aufmerksam: Die österreichische 3000-Einwohner-Gemeinde nahm zu den Männer-Wettbewerben am Samstag und Sonntag kurzentschlossen die Frauen dazu und gleich auch noch die Skispringerinnen, die ebenfalls verspätet in den Winter starten.

Verspäteter Weltcup-Auftakt als vorgezogenes Weltcup-Finale

Kurios: Der Weltcup-Auftakt der Kombiniererinnen ist vermutlich bereits das Weltcup-Finale. Denn nach dem Wettkampf am Freitag kommt Stand jetzt nur noch die Ski-WM in Oberstdorf. "Das ist Corona geschuldet", erklärt Horst Hüttel, "auch bei uns im Lande." Leider werde es beim im März in Schonach geplanten Weltcup der Männer keinen Frauen-Wettbewerb geben, was der DSV mit dem Organisationskomitee (OK) gemeinsam entschieden habe. "Das ist das Erste, was wegbricht, wo viele nationale Verbände und OKs ums Überleben kämpfen." Doch grundsätzlich, so Horst Hüttel, hat "die Sportart eine tolle Entwicklung genommen". Weshalb die Frauen auch bei der WM von 22. Februar bis 7. März erstmals um Medaillen kämpfen werden - olympisch sind sie nicht. Noch nicht.

"Ich mag Herausforderungen", sagt Svenja Würth. Deshalb ist sie vom Spezialspringen zur Kombination gewechselt. Zurück gewechselt: Die 27-jährige Schwarzwälderin fing mit sieben Jahren als Kombiniererin an. Weil die Perspektive, eine Wettkampfplattform fehlte, spezialisierte sie sich aufs Springen, wurde 2017 in Lahti Weltmeisterin im Mixed. Vor der Kombi-Premiere in Ramsau sagt sie: "Ich freue mich extrem drauf und bin gespannt, wie ich auf der Loipe durchkomme."

Zwei Mal Gold bei der Jugend-WM und erste deutsche Meisterin

Das Gesicht der deutschen Kombiniererinnen ist bisher Jenny Nowak. Die 18-jährige Sächsin holte im Januar bei den Olympischen Jugend-Spielen in Prémanon Bronze, im März bei der Junioren-WM in Oberwiesenthal zwei Mal Gold und wurde im Oktober erste deutsche Meisterin in der Kombination. Jenny Nowak kann Premieren, sei vor dem allerersten Weltcup nicht nervös: "Ich freue mich vor allem darauf und hoffe auf gute Ergebnisse."

Berührungspunkte mit den starken Männern wie in Ramsau gibt es selten, doch die Männer haben ein Auge auf die Kolleginnen: Der Frauen-Weltcup "tut der Nordischen Kombination im Gesamten gut, es geht voran", sagt Eric Frenzel, der mit sieben Goldmedaillen Rekordweltmeister ist. Gibt er Nowak, Würth und ihren Kolleginnen Tipps? "Grundsätzlich gerne - aber wir trainieren dann leider doch eher selten zusammen." Aber das ändert sich womöglich, wenn der Weltcup der Kombiniererinnen in einem Jahr dann so richtig loslegt.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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