Herpes-Virus bedroht den Reitsport - Auch in der Region könnte es zu Einschränkungen kommen

Reitsport  Der Reitsport-Weltverband reagiert mit einem vorläufigen Turnierverbot auf eine im spanischen Valencia ausgebrochene Virus-Infektion bei Pferden. Profi-Springreiter Jürgen Kurz sieht auch Auswirkungen für kleinere Vereine.

Von Nils Buchmann und dpa

Email

Hilmar Meyer, hier auf Coverlady beim Deutschen Spring-Derby in Hamburg, hat durch den Herpes-Ausbruch bisher zwei seiner Pferde verloren.

Foto: dpa

Mitten in der Corona-Krise trifft den Reitsport ein weiteres Virus. Von Spanien aus verbreitet sich eine Herpes-Variante, die nach Angaben des Weltverbandes FEI besonders aggressiv ist und bereits mehrere Pferde getötet hat. "Ein Alptraum, den niemand erleben sollte", kommentierte die Springreit-Weltmeisterin Simone Blum den Tod von vier Pferden aus deutschen Turnierställen. Der Weltverband hat zunächst mit der Absage aller internationalen Turniere in Deutschland und neun weiteren Ländern reagiert.

Turnierteilnehmer äußert Kritik am Weltverband

Teilnehmer einer Turnierserie in Valencia berichten von dramatischen Szenen und der Trauer nach dem Verlust der vertrauten Vierbeiner. "Wir kämpfen hier Schulter an Schulter um unsere Pferde", sagt Hilmar Meyer, der in Niedersachsen einen Handels- und Ausbildungsstall betreibt und bisher zwei Pferde verloren hat. "Das Virus ist sehr aggressiv", berichtet auch Mike Patrick Leichle, der wie Meyer und ein knappes Dutzend deutscher Reiter Anfang Februar zur mehrwöchigen Spring Tour nach Valencia gefahren ist. Von den örtlichen Behörden, Tierärzten und vom Weltverband fühlt er sich im Stich gelassen. Die Informationen aus Valencia, wo bereits am Sonntag vor einer Woche mehrere Pferde starke Symptome gezeigt hatten, seien "viel zu spät weitergegeben worden".

Inwieweit sich das Virus bereits ausgebreitet hat, ist nicht sicher. Der Weltverband geht derzeit von drei weiteren europäischen Ländern aus, in denen es Fälle gibt. Wie die Situation in Deutschland ist, blieb zunächst unklar. "Das Virus hat sehr erhebliche Auswirkungen auf die Tiere", erklärt Jürgen Kurz. Eine Kausalitätskette aus Lähmungserscheinungen, die es den Tieren nicht mehr erlauben, auf den Füßen stehen zu bleiben und sich anschließend wieder aufzurichten, würden letztlich zu schweren Schäden an den inneren Organen führen. Der Profi-Springreiter und baden-württembergische Landestrainer aus Leingarten sieht in einem Reiseverbot für Pferde die probateste Möglichkeit, um weitere Ansteckungen zu verhindern: "Trainigsturniere und -lehrgänge sind die größten Gefahrenherde bei der Verbreitung."

Ansteckungswelle bremst wohl auch Vereine in der Region aus

Herpes-Virus bedroht den Reitsport - Auch in der Region könnte es zu Einschränkungen kommen

Jürgen Kurz

Foto: lm

Herpes-Virus-Infektionen sind nach Angaben des nationalen Dachverbandes FN "nicht anzeige- oder meldepflichtig" und verursachen "keine auf Menschen übertragbaren Krankheiten". Woher die neue Ansteckungswelle komme, sei unklar, sagt Jürgen Kurz. "Das Virus ist bekannt, viele Pferde tragen es in sich." Ob der Ausbruch - ähnlich wie bei Covid-19 - nun das Resultat einer neuen Mutation sei, darüber lasse sich nur spekulieren.

Um die weitere Verbreitung zu stoppen, hat die FEI bis zum 28. März in zehn Ländern Turnierverbote verhängt. "Die ganze Situation wird auf jeden Fall auch Auswirkungen auf die Vereine in der Region haben", prognostiziert Kurz. "Viele Vereine, die trotz Covid gewillt waren, etwas zu veranstalten, werden das wohl ziemlich sicher absagen. Ich glaube nicht, dass in den nächsten zwei Monaten Turniere stattfinden werden."

 

Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen