RUDERN
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Henley-Regatta: Olympiasiegerin Carina Bär mit Julia Richter im Doppelzweier

Olympiasiegerin Carina Bär startet bei der legendären Henley-Regatta mit Julia Richter im Doppelzweier. Bei dem royalen Sportereignis gilt ein besonderer Dresscode.

Von unserer Redakteurin Stefanie Wahl
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Carina Bär: Im rückenfreien Kleid zur Anmeldung
Carina Bär von den Heilbronner Ruderschwaben (rechts) und Julia Richter sind bereit für die älteste Regatta der Welt. Richter ist eine alte Bekannte, 2012 haben sie im Doppelvierer Olympia-Silber gewonnen und 2013 den WM-Titel gefeiert. Foto: privat

Am Abend ist Carina Bär in die Dorfkirche aus dem Jahr 1205 gegangen. "Aus Dankbarkeit, dass ich hier sein kann", sagt die Olympiasiegerin von Rio. Im Februar setzt sich die 29-Jährige von den Heilbronner Ruderschwaben das Ziel, einmal in Henley dabei zu sein - bei der ältesten Regatta der Welt. Diese außergewöhnliche Veranstaltung in der schnuckeligen englischen Kleinstadt mit ihren etwa 15 000 Einwohnern und den zahlreichen Backsteinhäusern eine Stunde westlich von London.

Henley ist das Ersatz-Highlight der Saison

Henley ist Carina Bärs Ersatz-Highlight, nachdem sie den Entschluss gefasst hat, nicht um einen Platz in der Ruder-Nationalmannschaft zu kämpfen und damit auf die WM Ende August im österreichischen Ottensheim zu verzichten. In letzter Konsequenz heißt das wohl auch, bei den möglichen dritten Olympischen Spielen 2020 in Tokio nicht dabei zu sein.

Und doch ist Henley so viel mehr als ein Ersatz. Es ist Kult, nicht nur, weil es - wie das parallel laufende Grand-Slam-Tennisturnier in Wimbledon - zu den vier royalen Sportereignissen im Vereinten Königreich zählt. Am Dienstag hat Carina Bär ihre Eintrittskarten abgeholt. In Henley gibt es nämlich nicht nur explizit ausgewiesene Bereiche, sondern auch einen Dress-Code: Frauen müssen dort ein Kleid anhaben, das bis über die Knie reicht und nach Möglichkeit einen Hut. Für Männer gelten Anzug und Krawatte oder Fliege. "Henley ist die einzige Regatta, wo es so etwas gibt", sagt Carina Bär. Das macht Laune. Mit Spaß hat sie schon einmal ihr langes, rückenfreies Kleid anprobiert und sich für Fotos in Pose gestellt.

Eine alte Bekannte teilt das Boot mit Carina Bär

Und doch meint die junge Frau aus Bad Rappenau-Babstadt: "Ich war mir nicht ganz sicher, dass ich es wirklich schaffe, hierher zu kommen." Als Assistenzärztin im Dortmunder St. Johannes-Hospital schiebt Carina Bär viele Dienste. Zudem braucht es auch eine geeignete Partnerin für Henley. Diese hat die mehrmalige Unterländer Sportlerin des Jahres in Julia Richter gefunden. Vor vier Wochen, nachdem es die 30-Jährige nicht mehr in die Nationalmannschaft geschafft hat. Julia Richter ist eine alte Bekannte, bei Olympia in London 2012 haben sie im Doppelvierer Silber gewonnen und 2013 im selben Boot den WM-Titel gefeiert.

"Das passt ganz gut", sagt Carina Bär. Allerdings hat das Duo nur zweimal zweieinhalb Tage gemeinsam trainiert. Das ist wenig im Vergleich zu den Konkurrentinnen. Die sind nämlich mächtig stark. Immerhin haben die Veranstalter mit ihrer Einladung den erfolgreichen Deutschen die Qualifikation erspart. "Doch wir sind froh, wenn wir unser erstes Rennen am Freitag überleben und damit am Samstag im Halbfinale stünden", sagt Carina Bär.

Bei der Premiere geht es gegen ein Boot des Leander Clubs aus Henley-on-Thames. "Das ist ein Nachteil, weil die genau wissen, wie man hier auf diesem speziellen Kurs rudert", meint Carina Bär.

Gefahren wird im K.o.-System. Gegeneinander. Nur zwei Boote. Auf der sehr schmalen Strecke auf der Themse. 2112 Meter.

Sehr starke Konkurrenz, eine Finalteilnahme ist unwarscheinlich

Zwar gibt es rechts und links eine Begrenzung, nicht aber zwischen den Booten, so dass im Vorteil ist, wer einen schnellen Start hinlegt, um nicht in der Welle des anderen Bootes zu rudern.

"Dass wir ins Finale am Sonntag kommen, ist sehr unwahrscheinlich", sagt Carina Bär ganz ohne Koketterie. Denn mit den Neuseeländerinnen Brooke Donoghue und Olivia Loe sind nicht nur die Siegerinnen des Weltcups vor einer Woche in Posen und allen Weltcups 2018 dabei, sondern auch die schnellen Chinesinnen Lu Shiyu und Wang Yuwei.

"Da wird die Luft dann schon recht dünn", sagt Bär, "aber wir sind hier, um Spaß zu haben. Ich war noch nie in Henley, daher wollte ich das unbedingt mal sehen."

Das gilt auch für ihre Eltern. Doris und Otmar Bär reisen zum Wochenende mit dem Auto an. Die Eintrittskarten samt Dress-Code hat ihre Tochter bereits besorgt.

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