Heinzmanns satte Steigerung im Sandkasten

Leichtathletik  Die Eppinger Dreispringerin Aliena Juliette Heinzmann zählt bei den deutschen U20-Leichtathletik-Meisterschaften zu den Medaillenkandidatinnen. Titelambitionen hat natürlich auch die Öhringerin Laura-Raquel Müller.

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Dreispringerin Aliena Juliette Heinzmann vom TV Eppingen hat sich gegenüber dem Vorjahr um satte 56 Zentimeter gesteigert. Foto: imago-images/Beautiful Sports

Ganz in Schwarz gekleidet steht Aliena Juliette Heinzmann an ihrer Anlaufmarke. Den Kontrast liefert ihr langer blonder Pferdeschwanz. Vorwitzig wippt er, während sie sich auf die Oberschenkel und ins Gesicht klatscht. Hellwach sein für drei Sprünge. Hop - step - jump, so lautet der melodische Dreiklang ihrer Disziplin. "So richtig macht sie das jetzt erst im dritten Jahr", sagt Peter Bergdolt. Dreisprung ist eine komplexe Angelegenheit, das weiß der Trainer von Aliena Juliette Heinzmann nur zu gut: "Da kann man viel falsch machen, und wenn, ist es gleich schmerzhaft."

Heinzmann ist die Drittbeste in Deutschland

Doch die 19-Jährige vom TV Eppingen lernt schnell, Mitte des Monats verbessert Aliena Juliette Heinzmann ihre Bestleistung in Karlsbad auf 12,92 Meter. Damit liegt sie auf Rang drei der nationalen Bestenliste in ihrer Altersklasse und zählt bei den deutschen Meisterschaften der U 20 an diesem Samstag in Rostock zu jenen, deren Blick auf die Podestplätze geht. "Ich möchte eine Medaille holen, das ist auch nicht utopisch", sagt Aliena Juliette Heinzmann.

Sie kennt ihre Gegnerinnen. Beim Einladungs-Meeting in Mannheim, der Junioren-Gala Anfang Juli, trifft sie auch auf die national derzeit Beste, Anna Gräfin Keyserlingk. Die Dormagenerin steigert dort ihre Bestleistung auf 13,20 Meter. Auch Sarah Kudla (13,08) liegt im Ranking vor der Frau aus dem Kraichgau, doch die sagt: "Ich springe für mich, das macht mich lockerer." Ihr Selbstbewusstsein steigert sich mit jedem Zentimeter - und binnen eines Jahres sind zwischen Anlauf und Landung satte 56 Zentimeter hinzugekommen. "Im Winter habe ich ein extrem gutes Gefühl aufgebaut", meint Aliena Juliette Heinzmann.

Alternatives und innovatives Trainingsprogramm

Ausgerechnet im Winter. Inmitten der Corona-Pandemie. Von Oktober bis März trainiert die Leichtathletin viel auf der Straße, wo es auch am Abend dank der Beleuchtung noch hell ist. Doch die Sache hat einen Haken: Mit zunehmender Dauer spüren die Gelenke die Belastung des Asphalts. Achtsam sein ist wichtig, eine prima Alternative: der Waldboden. Dazu fehlen die Kontakte, die Aufbauphase in der Gruppe fällt weg. Selbstdisziplin ist nicht nur in dieser Zeit ein hohes Gut.

Doch die ehemalige Fußballerin profitiert von den Einzeltrainings, Aliena Juliette Heinzmann holt auf, was ihr andere noch voraus haben. Das Gelernte umzusetzen, gelingt noch nicht immer. Auch vor ihren ersten Sprüngen unter Wettkampfbedingungen vom Elf-Meter-Brett hat Aliena Juliette etwas Bammel gehabt. "Das ist Kopfsache. Sie kann es, man muss sie nur zwingen", sagt Peter Bergdolt und lacht herzlich. Das würde er nie tun, denn "sie ist eine willige Athletin". Auch, wenn sie ab und an ihren eigenen Kopf hat.

Ausbildung im familieneigenen Betrieb

Mit seinem Trainerkollegen Martin Löwer ist Peter Bergdolt während Corona immer wieder gezwungen, sich neu zu erfinden. Die Rahmenbedingungen wechseln permanent. "Ich habe noch nie so viele Pläne umgeschrieben", sagt der Mann aus Muggensturm. Auch Heinzmann ist gefordert, ihren Alltag zu managen. Im Betrieb des Papa macht sie eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin, doch einen Sonderstatus mag seine Tochter nicht erhalten. Daher fährt die Landeskaderathletin eher selten nach Stuttgart ins Training - zu viel Zeit bleibt auf der Straße.

Also stabilisiert sie mit ihren Coaches die Technik, baut ihre physischen Fähigkeiten aus und arbeitet an den Zubringerleistungen. Dazu gehört im Dreisprung das Sprintvermögen. Auch hier verbessert sich Aliena Juliette Heinzmann auf 12,32 Sekunden über die 100 Meter. Schnell anlaufen ist wichtig, damit Hop, Step und Jump Weite bringen. Letzterer bietet noch das größte Steigerungspotenzial.

 

Weitere Starterinnen und Starter aus der Region

Mit neun Frauen und drei Männern sind die regionalen Athleten bei den deutschen Jugendmeisterschaften der U 18 und U 20 von Freitag an bis Sonntag in Rostock vertreten. Titelverteidigerin Laura Raquel Müller (ULG/TSG Öhringen) hat in der U 18 zwei Titelchancen, über 100 Meter und im Weitsprung. Dazu, dass der DLV wegen der hohen Inzidenzzahlen seine Teilnahme bei der U 20-WM in Nairobi absagte, sagt Trainer Wolfgang Müller: "Das ist mehr als vernünftig, die Gesundheit der jungen Sportler geht vor". Weitere Topathleten mit Medaillen- oder Endlaufchancen: Noah Ruedel (ULG/TV Flein) U 18 100/200 m, Marian Wieland (Neckarsulmer Sport-Union) 200 m, Marie Kraft (TSG Heilbronn) 3000 m und Amelie Essig (ULG/TV Flein) im Hochsprung, beide U 18, Tabea Herzberg 1500 m und Clara Vermeiden (beide Neckarsulm) 400 m Hürden.

Weiter starten in der U 20: Alisia Freitag (TSG Heilbronn) 800 m, Emma Dörr (TV Eppingen) 100 m. U 18: Ole Federolf (ULG/TSG Öhringen) 3000 m, Tara Aykit (Neckarsulmer Sport-Union) 100 und 200 m. 


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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