Heinsheimer Gewichtheber: Mit Gänsehaut auf die Bühne

Gewichtheben  Gelungenes Comeback in der 2. Bundesliga: Der TSV Heinsheim feiert beim 3:0 gegen Weinheim sich und die Rückkehr des Publikums. Allerdings kommen weniger Zuschauer als vorher erhofft.

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Robin Künzel feierte die Rückkehr des Publikums und dankte dem Publikum mit seinen mitreißenden Auftritten und guten Leistungen.

Foto: Klaus Krüger

Robin Künzel war machtlos. Trotz aller Anspannung zogen sich seine Mundwinkel nach oben, formten beinahe unmerklich ein kleines Lächeln. Gewonnen war freilich noch nichts, genaugenommen war die Langhantel auf der Bühne noch von keinem Gewichtheber in die Höhe gehievt worden. Doch mit Blick nach unten in die Heinsheimer Josef-Müller-Halle, in der erstmals seit bald zwei Jahren wieder Zuschauer saßen, konnte der Zweitliga-Heber bei der Vorstellung der Athleten nicht anders: Er grinste. Erst nur in sich hinein, dann auch sichtbar. "Ich hatte Gänsehaut. Es hat sich angefühlt wie früher", sagte Künzel zu der Szene vor Beginn des Wettkampfs gegen Weinheim.

Hälfte der 150 Plätze bleibt leer

Gut Lachen hatten die Gastgeber dann auch eineinhalb Stunden später, als der 3:0-Sieg für den TSV perfekt war. Mit 555,6 zu 500,6 Relativpunkten fiel der zwar deutlicher aus als erwartet. Die Stimmung in der Halle - auf, vor und hinter der Bühne - aber war trotzdem richtig gut. Das wieder mal zu erleben, habe "Laune gemacht", sagte Künzel. Daran änderte auch nichts, dass die von Abteilungsleiterin Martina Dosquet erhofften 150 Zuschauern nicht gekommen waren.

Von den 140 Plätzen blieb die Hälfte leer, wofür die Heber selber jedoch Verständnis zeigten. "So wie sich die Lage entwickelt, muss man sich erstmal her trauen", sagte Maike Schneider. Zumal das Publikum in Heinsheim traditionell ein älteres ist. "Die Stimmung war trotzdem super", sagte Schneider. Diese nutzten die 22-Jährige, die als einzige ohne Fehlversuch blieb, und ihre Teamkollegen für gute Leistungen und dankten dem Publikum mit mitreißenden Auftritten. Bei seinem dritten Versuch, als er im Reißen 122 Kilo hochwuchtete, brachte Künzel das Publikum erstmals richtig zur Ekstase. Ein Aufschrei ging durch die Halle, das Publikum feierte den Lokalmatador frenetisch.

Erstaunliche Steigerungen sorgen für Jubel

Zurecht, wie Martina Dosquet angesichts des spektakulären Auftritts fand. "Was Rob hier ableistet neben seinem Job, als Teil des Vorstands und noch einem Hausbau, ist phänomenal", sagte die Abteilungsleiterin. Die Masse der Punkte machten freilich die beiden Bulgaren, die sich sogar zwei Fehlversuche (Petar Angelov) und ein Auslassen des allerletzten Versuchs (Nikolay Georgiev) erlauben konnten. Beide hatten ihren Teil zur Show aber beigetragen, indem sie mit Steigerungen zwischen den Versuchen von zehn und elf Kilo aufhorchen ließen - und unter dem Jubel des Publikums auch packten. Bei Georgiev, der nach seiner zweiten Corona-Impfung im Oktober eine Woche mit dem Training aussetzen musste, wollten die Verantwortlichen am Ende kein Risiko mehr gehen. "Wir hatten schon gewonnen. Und es kommen ja noch einige Wettkämpfe", sagte Dosquet.

Den zweiten Sieg und die Verteidigung der Tabellenführung in Staffel A hatten die Heinsheimer früh eingeleitet: Den anfänglichen Rückstand im Reißen hatte die zweite Gruppe um Künzel und die Bulgaren rasch auf- und den ersten Punkt beim 201,2:178,1 auch nach Hause geholt. Im Stoßen fiel der Vorsprung mit über 30 Punkten gegenüber den Gästen noch größer aus. Trotzdem war deren Trainer Gerhard Schmidt mit seinen Athleten zufrieden. "Corona hat uns den Wettkampf versaut", betonte er. Einer seiner Athleten war in Quarantäne, ein anderer musste arbeiten, weil mehrere Kollegen in Quarantäne sind. "Sonst wären wir heute auf Augenhöhe gewesen", sagte Schmidt. Bei seinen Berechnungen mit Bestbesetzung war er auf 562 Punkte gekommen.

Vorfreude auf den nächsten Gegner St. Ilgen

Bei Heinsheim fehlte Amelie Burkert, zudem war es nicht der Tag von Christian Martens. "Die Kraft war da, aber der Kopf nicht", sagte er. Mit Burkert und Martens auf Höhe rechnen sich die Heinsheimer in St. Ilgen im Dezember etwas aus. "Die putzen wir weg", sagte Künzel beim Abschied auf der Bühne grinsend. Die Worte freilich hatte ihm das Publikum souffliert.

TSV Heinsheim: Petar Angelov (Körpergewicht: 66,4 kg) 157 Relativpunkte (Reißen 120 kg/Stoßen 151 kg), Nikolay Georgiev (81,7 kg) 136,6 RP (130 kg/170 kg), Christian Martens (83,6 kg) 82,8 RP (112 kg /138 kg), Maike Schneider (68,9 kg) 78 KP (65 kg /83 kg), Robin Künzel (96,9 kg) 78 KP (122 kg/145 kg), Simon Schneider (71,1 kg) 36 KP (80 kg /95 kg).


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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