Heilbronner EC in Notlage

Eishockey  Vom Helfer zum Hilfsbedürftigen: Mit der Aktion "Rettet den HEC" soll die diesjährige Spendenaktion des Heilbronner EC dem durch die Pandemie in Not geratenen Verein selbst zugute kommen. Dem Verein fehlt ein sechsstelliger Betrag.

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OB Harry Mergel im Eishockeytrikot mit Helm und Schläger.

Foto: Stadt Heilbronn

Der Herzblut-Fußballer Harry Mergel streift sich ein HEC-Trikot über, greift zum Eishockeyschläger, übt sich in seinem Büro im Passspiel und riskiert dabei einen Puckeinschlag ins wertvolle Rathausmobiliar. In der Corona-Pandemie wird vieles Realität, was vorher undenkbar schien. Das Stadtoberhaupt unterstützt mit seinem Instagram-Auftritt die Spendenaktion #RettetdenHEC. "Die Stadt Heilbronn weiß sehr wohl, welchen Schatz sie mit dem HEC hat", sagt Mergel in seiner Videoansprache.

Am Sonntag startete der Verein seine diesjährige Spendenaktion. In den Vorjahren waren insgesamt 12.000 Euro für bedürftige Familien in der Region gesammelt worden. In diesem Jahr sollen die Spenden dem Heilbronner EC selbst zu Gute kommen. "Wir haben sonst keine Optionen mehr. Unverschuldet sind wir jetzt die geworden, die Hilfe brauchen", sagt Michael Rumrich.

Die Rechnungen häufen sich von Tag zu Tag

Dem HEC-Geschäftsführer fehlt aktuell ein sechsstelliger Betrag, um den Trainings- und Spielbetrieb zu sichern. Über die Spendenaktion erhofft der 55-Jährige, einen Betrag von 15.000 Euro zu generieren. Die Ursache für das Defizit ist offenkundig: keine Einnahmen bei weiter laufenden Ausgaben.

Hier sind in erster Linie die Gehaltszahlungen für die festangestellten Mitarbeiter zu nennen. Putzfrauen und Eismeister werden durch den Trainings- und Spielbetrieb der Falken weiterhin gebraucht, wenngleich alle in Kurzarbeit sind. Hinzu kommen die monatlichen Mietkosten für die Halle, die über die Saison einen hohen fünfstelligen Betrag ergeben. "Normalerweise werden diese Kosten durch Publikumslauf, Eisdisco und andere Events abgedeckt, aber so häufen sich nun von Tag zu Tag mehr Rechnungen an, die wir nicht begleichen können", sagt Rumrich.

Hier hat es aber bereits ein Entgegenkommen von Seiten der Stadtwerke als Vermieter gegeben. "Wir haben die monatlichen Raten für November und Dezember gestundet", sagt Geschäftsführer Erik Mai. Da die Stadtwerke ebenfalls ein Wirtschaftsbetrieb sind, der beispielsweise durch die Schließung der Bäder erhebliche Einbußen verschmerzen muss, ist es verständlich, dass die Pacht nicht einfach erlassen wird.

"Wir müssen abwarten, welche Corona-Hilfen die Vereine noch abrufen können und dann schauen, was wir noch beitragen müssen", erklärt Mai. Dem 39-Jährigen ist die Bedeutung des Eishockeysports auch mit Blick auf die Eishalle bewusst. "Mehr als die Hälfte der Umsatzerlöse der Halle gehen auf die Eishockeyvereine zurück. Gäbe es sie nicht mehr, wäre das sehr schlecht für uns."

Der Falken-Geschäftsführer hofft auf einen Rettungsschirm

Natürlich stehen auch die Profis an der Seite ihres Stammvereins, ohne den sie nicht in der DEL2 spielen dürften. "Wenn unser Partner, mit dem wir versuchen, das Heilbronner Eishockey am Leben zu halten, Probleme hat, ist das auch für uns schwierig", sagt Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp. "Wir haben nur eine Eisfläche, ein Stadion, das von allen genutzt wird: Ich bin daher positiv gestimmt, dass die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Beste an Unterstützung gewährleisten wird. Vielleicht spannt sie zusammen mit starken Partnern aus der Wirtschaft einen Rettungsschirm auf."

Von Seiten des Schul-, Kultur- und Sportamts sind keine zusätzlichen Hilfen geplant. "Der HEC erhält von der Stadt die üblichen Sportfördermittel", erklärte Amtsleiterin Karin Schüttler. Dazu gehört etwa die vergangenes Jahr eingeführte Gebührenfreiheit für die Trainingszeiten der Nachwuchsmannschaften. Die ist aber bereits in der Ursprungskalkulation eingepreist. Es fehlen aber die Einnahmen von Seiten der Schulen und Kindergärten, die derzeit nicht zum Eislaufen kommen. Zudem war der Publikumslauf aufgrund der Corona-Beschränkungen nur in deutlich reduziertem Maße möglich, seit dem Teil-Lockdown Anfang November steht hier ebenfalls eine Null.

"Die Stadt fördert den HEC jährlich mit rund 115.000 Euro. Wir haben die gesamte Sportförderung im Jahr 2020 ungekürzt ausbezahlt", stellt das Stadtoberhaupt Mergel klar - und ergänzt seine Videobotschaft um eine persönliche Bemerkung: "Wenn ich heute Kind wäre, würde ich Eishockey spielen."

Die Krux mit den Corona-Hilfen

Erst am vergangenen Freitag hat der Heilbronner EC über sein Steuerbüro die Corona-Hilfen des Bundes für November beantragen können. "Ob wir am Ende aber auch was bekommen, steht in den Sternen", sagt Geschäftsführer Michael Rumrich. Fraglich ist nämlich, ob der HEC überhaupt förderungsberechtigt ist.

Als Betreiber der Eishalle ist er zwar ein Wirtschaftsbetrieb mit eigenen Angestellten, mit Blick auf die Jugend- und Amateurmannschaften aber ein gemeinnütziger Verein. Stand heute hat der Verein nach den Corona-Soforthilfen im April kein weiteres Geld mehr bekommen. Die Spendenaktion soll jetzt zumindest ein wenig weiterhelfen. Alle Informationen dazu gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.heilbronner-ec.de.

 


Kommentar: Signal

Die anvisierten 15.000 Euro durch die Spendenaktion werden den Heilbronner EC nicht retten. Es geht vielmehr darum, in dieser schweren Zeit ein Zeichen zu setzen, dass der Verein noch lebt, dass er präsent ist, dass er alles unternimmt, um Einnahmen zu generieren. Der HEC wird sich nicht selbst wie der Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können. Er wird aber auch nicht untergehen.

Denn die Falken sind das sportliche Aushängeschild der selbsternannten Sportstadt Heilbronn, die Eishalle ohne die Eishockeyvereine als Umsatzbringer und Betreiber ein noch größerer Zuschussbetrieb als ohnehin schon. Eishockey ist in Heilbronn systemrelevant. Daher wird es Überleben. Umso besser, je mehr dabei helfen.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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