Heilbronn Reds vor dem Saisonstart: Ohne den Topscorer, aber mit jugendlicher Frische

Basketball  Der Oberligist Reds Heilbronn muss auf Alleskönner Milicevic verzichten, ist mit deutlich mehr Tempo und einem Zweitliga-Zugang jedoch gut gerüstet.

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Simon Schmitz war für Vaihingen-Sachsenheim beim Auftakt der Vorsaison kaum zu halten. 31 Punkte gelangen dem 2,07-Meter-Mann vor einem Jahr.

Foto: Archiv/Kunz

Die Heilbronner Arbeit über das gewöhnliche Oberliga-Maß hinaus hat sich gelohnt. Mit Blick auf die Zugänge gleich in doppelter Hinsicht. Wenn die Reds an diesem Sonntag (17 Uhr) in der Sontheimer Mörikehalle gegen Vaihingen-Sachsenheim in die Saison starten, stehen zwei neue Top-Spieler im TSG-Kader. Einer dank der forcierten Kooperation mit Bundesligist Ludwigsburg. Der andere, weil in der Region kaum ein Weg an dem ambitionierten Team um den rührigen Manager Matthias Götz vorbeiführt.

"Meine Freundin hat hier einen Job als Lehrerin gekriegt, wir haben in Heilbronn eine Wohnung gefunden und ich auch schnell die Reds - ihr Internet-Auftritt ist ja sehr gut. Da habe ich mir gleich gedacht, dass man hier gut aufgehoben ist - vieles stimmt hier an Infrastruktur und Grundvoraussetzungen", sagt Nils Maisel lachend. Der 24-jährige Combo-Guard lief zuletzt für die Arvato College Wizards in der ProB auf. Der 1,92 Meter große Mathematikstudent kommt mit der Empfehlung von 41 Drittliga- und acht Zweitliga-Spielen, war Kapitän und ist doch ganz bescheiden: "Ich möchte einfach nur die Mannschaftsziele erreichen, auch wenn es eine Klischee-Antwort ist."

Alte Pferde wurden durch junge Männer ersetzt

Ganz so klar formuliert wie vor der vergangenen, wegen Corona abgebrochenen Runde, sind die Ziele der Reds diesmal allerdings nicht. Statt dem Aufstieg sprechen die Heilbronner davon, vorne mitspielen zu wollen. Was sich auch daran liegt, dass Topscorer und Alleskönner Vedran Milicevic die Reds nach drei Jahren verlassen hat, weil es ihn beruflich nach Österreich zieht. "Dann gibt es eben in dieser Saison einen neuen Topscorer", sagt Kapitän Stilianos Eleftheridis mit einem Schulterzucken und freut sich auf jugendliche Frische: "Die alten Pferde wurden durch junge Männer ersetzt."

Heilbronn Reds vor dem Saisonstart: Ohne den Topscorer, aber mit jugendlicher Frische

Nils Maisel (li.) kommt mit einer beeindruckenden Vita nach Heilbronn. Der 24-Jährige bestritt 41 Drittliga- und acht Zweitliga-Spiele.

Foto: imago-images/tmc-fotografie

Ein beachtlicher junger Mann ist der zweite Zugang, Denis Schnakenberg. Der Neckarsulmer spielte zuletzt für die Porsche BBA Ludwigsburg in der Jugend Basketball Bundesliga. Nachdem der Guard bei den NSU-Lions seine ersten basketballerischen Schritte bis hin zur U12 vollzog, wechselte er in das Jugendprogramm der Riesen Ludwigsburg. So richtig ging es dort für ihn aber nicht weiter. "Ich hätte nicht mehr so viele Minuten bekommen und hatte keine Lust, die ganze Zeit auf der Bank zu sitzen. Ich will einfach spielen und Spaß haben", sagt der 18-Jährige.

Junge Mannschaft spielt mit neuer Taktik

Voller Vorfreude ist auch Reds-Spielertrainer Goran Milic: "Es ist mega - nach einem Jahr endlich wieder spielen. Zurück in die Halle und dann noch mit Fans, einfach super." Milic hat "vier, fünf gute Spieler dazu bekommen", ist aber dennoch vorsichtig: "Wir müssen noch gucken. Außer Nils haben die Jungs noch nie vor einer vollen Halle gespielt."

Die Vorbereitung der Heilbronner hat aber durchaus zuversichtlich gestimmt. In vier Spielen gab es drei Siege. Und insgesamt deutlich mehr Tempo. "Wir haben gesehen, was wir sehen wollten. Wir mussten etwas Neues machen, alles ein bisschen schneller, ein bisschen aggressiver mit dieser jungen Mannschaft. Das hat alles geklappt", sagt der Spielertrainer.

Den vertrauten Auftaktgegner Vaihingen-Sachsenheim einzuschätzen, fällt ihm schwer: "Das ist eine komplett neue Mannschaft und ich habe keine Ahnung, was sie gemacht haben, kenne sie nicht. Plus eins ist am Ende genug."

Ziemlich viel zeigte vergangene Saison beim Auftakt gegen die Vaihinger 2,07-Meter-Mann Simon Schmitz. Der Heilbronner Center steuerte damals als Topscorer satte 31 Punkte zum Auftaktsieg bei. Ob er Milicevic beerben kann? "Es ist gar nicht so unser Ziel, dass wir einen Topscorer haben. Wir wollen einfach zusammen als Team gut agieren", sagt Eleftheridis.

Und da lagen seine Heilbronner schon immer über dem gewöhnliche Oberliga-Maß.

Modus

Zwar dauerte die vergangene Oberliga-Saison nur ein Spiel, der Modus in Württemberg aber ist geblieben. Das 13er-Klassement wird in zwei Gruppen geteilt, damit es weniger Mannschaften und damit Spiele sind. Die Reds treten in der größeren Siebener-Riege an. Die beiden Ersten der jeweiligen Gruppe steigen auf - wenn wegen der Corona-Lage keine weiteren Begegnungen zu machen sind. Ansonsten soll eine Meisterrunde mit Hin- und Rückspielen der jeweils besten drei über die beiden Aufsteiger entscheiden.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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