Heilbronn Reds im kollektiven Rausch

Basketball  Gegen ein überfordertes Vaihingen-Sachsenheim starten die Heilbronner mit einem 108:36-Kantersieg in die Oberliga. Ein Korb wurde für einen Heilbronner aber teuer.

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Üppiges Aufgebot: Der Einlauf der Reds war schon eine etwas längere Sache. Schließlich stehen gleich zwölf Spieler im gut bestückten Heilbronner Kader. Gegner Vaihingen-Sachsenheim kam gerade Mal auf die Hälfte.

Fotos: Mario Berger

Richtig gefährlich war für die Reds nur ein einziger Zwischenstand. Genauer gesagt für einen Heilbronner. Themistoklis Koupidis war die Tragweite seines Wurfs aber herzlich wurst, als er zum 101:31 gegen Vaihingen-Sachsenheim traf - so beschwingt war er vom rauschenden 108:36 (53:13)-Oberliga-Start in der Mörikehalle. "Ich hatte die 99 noch im Blick, aber als ich dann zum Korb bin - da denkst du nicht mehr an so etwas. Schon gar nicht bei so einer Hammerstimmung", sagte Koupidis mit einem Lachen zum Überschreiten der magischen 100er-Marke, das für den Schützen traditionell Kaltgetränke kostet: "Mir egal, es sei dem Team gegönnt - ich bringe auch gerne zwei Kästen Bier mit."

Völlig überforderte Gäste

Berauscht präsentierten sich die Reds am Sonntag auch ganz ohne Alkohol. Von den 242 Zuschauern, die zu den dumpfen Bässen zahlreicher Hip-Hop-Klassiker ordentlich Alarm machten. Und von den vielen Körben gegen ein völlig überfordertes Vaihingen-Sachsenheim, das mit nur sechs sehr jungen, kleinen Spielerin nach Heilbronn gekommen war. Und dort über weite Strecken der einseitigen Partie von Anfang an auf verlorenem Posten stand. Erst nach geschlagenen sieben Minuten traf der tapfere, aber bemitleidenswerte Gast erstmals zum 2:21 - da waren die Reds der TSG längst munter dabei durchzuwechseln.

Heilbronn Reds im kollektiven Rausch

Zum Auftakt in Hochform: Heilbronns Hüne Simon Schmitz.

"Normal spielt man nicht mit einer Zwölf-Mann-Rotation. Aber es war so eine Partie, in der jeder mal ran durfte. Ich fand es gut, dass alle ähnlich viel gespielt haben und sich zeigen konnten", sagte Simon Schmitz, mit 26 Punkten Topscorer der Heilbronner. "Ich habe mich schon die ganze Woche darauf gefreut. Wir haben richtig gut trainiert und ich glaube, das hat man auch gesehen." Gegen den Hünen fanden die Gäste unter dem Korb überhaupt kein Mittel. Immer wieder setzte der auffällige Zugang Nils Maisel Kollege Schmitz mit starken Pässen in Szene. Hätte Spielertrainer Goran Mijic das harmonische Heilbronner Duo länger gemeinsam auf dem Feld gelassen, wäre der Sieg wohl noch deutlicher ausgefallen.

Keine Kampfansagen an die Konkurrenz

Sich selbst hatte Mijic erst gar nicht ins üppige Aufgebot berufen und lieber das schicke, weiße Hemd statt des Reds-Trikots übergestreift. "Für dieses Spiel wollte ich lieber den neuen Jungs Platz lassen, sie die Atmosphäre kennenlernen lassen", sagte der Trainer und lobte seine Mannschaft: "Wir haben einfach super gespielt, jeder hat in seinen Minuten das Maximum gegeben."

Heilbronn Reds im kollektiven Rausch

Heilbronns Spielertrainer Goran Mijic streifte sich ein weißes Hemd statt des Heilbronner Trikots über und ließ Platz für die Zugänge der Reds.

Auch Maisel war angetan von seinem ersten Auftritt mit dem neuen Team: "Ich denke, man hat gesehen, dass man ganz zufrieden sein kann mit dem, wie es gelaufen ist. Alle haben haben gut funktioniert. Wenn man vor dem Publikum noch Extramotivation braucht, ist einiges falsch - das war schon echt eine coole Atmosphäre." Von einer Ansage an den Rest der Liga wollte der Routinier aber trotzdem nichts hören: "Wir denken von Spiel zu Spiel - das erste haben wir jetzt mal solide erledigt. Weiter geht es mit Training. Themis wird sich sicher freuen."

Koupidis freute sich vor allem über den geschlossen guten Auftritt des Heilbronner Teams: "Ich finde es gut, dass wir so breit aufgestellt sind, weil die Intensität einfach hoch bleibt. Ob jemand jetzt 15, 20, oder 25 Punkte macht, ist egal. Am Ende ordnen wir uns alle dem Team-Erfolg unter."

Dass dieser nun auch gegen andere Teams erwartet wird, wissen die Reds natürlich. Trotzdem vermeiden sie Kampfansagen. "Es gibt sicher Gegner, gegen die wir uns auch noch schwerer tun", sagt Simon Schmitz. Wohlwissend, dass der Heilbronner Topscorer der vergangenen Jahre mit Vedran Milicevic nicht mehr im Kader steht.

Wer sein Erbe antritt, lässt sich nach dem ungleichen Kräftemessen zum Auftakt nur schwerlich absehen. Wer welchen Korb macht, scheint bei den Reds aber ohnehin nicht das große Thema zu sein. Hauptsache die Punkte fallen. Selbst, wenn sie einen Spieler Kaltgetränke kosten.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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