Harte Arbeit als Schlüssel zum Crailsheimer Erfolg

Basketball  Die Merlins Crailsheim stehen weiter auf Rang zwei der Basketball-Bundesliga. Das ist die perfekte Voraussetzung für ein Spitzenspiel in München.

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Spielmacher Trae Bell-Haynes ist Kopf und Topscorer des Crailsheimer Teams. Gegen Bonn kam er in der zweiten Halbzeit auf 26 Punkte.

Foto: Marc Schmerbeck

Die Hakro Merlins Crailsheim sind auch in dieser Saison bisher das Überraschungsteam der Basketball-Bundesliga. Nach zwölf Siegen an 14 Spieltagen steht das Team auf dem zweiten Platz der BBL. Zuletzt gelang am Sonntag ein 93:84-Sieg in Bonn.

Vielleicht haben die Verantwortlichen damit geliebäugelt, auch in dieser Spielzeit das Klassement kräftig aufmischen zu können. In die Offensive gingen aber weder Martin Romig, der Geschäftsführer, noch Coach Tuomas Iisalo vor dieser Saison. Das sehr defensiv ausgegebene Ziel lautete Klassenerhalt. Zu viele Fragezeichen ließen sie die Euphorie bremsen. Zum einen ist da die Pandemie. Zum anderen verließen viele Leistungsträger den Club vor dieser Spielzeit. Die Mannschaft bekam ein vollkommen neues Gesicht. Doch die Verpflichtungen saßen auf den Punkt. Egal ob es Trae Bell-Haynes ist, Jamunie McNeace, Jeremy Jones, Haywood Highsmith oder die Nachverpflichtungen Elias Lasisi und Bogdan Radosavljevic.

Der Trainer als Erfolgsfaktor

Eine ganz wichtige Personalie hatte sich aber schon während des Final-Turniers der vergangenen Saison in München entschieden. Coach Iisalo hängte noch eine Saison in Crailsheim dran. Seit März 2016 trainiert er nun die Merlins. Dabei hatte er nicht gerade einen optimalen Einstand. Er übernahm das Team in höchster Abstiegsnot und stieg mit dem Team ab. Seit dem Wiederaufstieg (17/18) und dem Last-Minute-Klassenerhalt mit dem Sieg am letzten Spieltag gegen Oldenburg überrascht die Mannschaft nun schon zum zweiten Mal. Vergangene Saison schlossen die Merlins die Hauptrunde beim Abbruch wegen der Corona-Pandemie als Dritter ab.

"Krass. Man kann einfach nur staunen, was da die letzten zwei Jahre passiert ist", sagte der Bonner Benjamin Lischka bei Magentasport. Er selbst spielte von 2011 bis 2013 in der zweiten Liga bei den Merlins. "Ich glaube, ein Riesenglücksfall war auch der Coach, der da eine sehr, sehr gute Sache macht. Da kann man einfach nur den Hut vor ziehen und Respekt zollen. Das sieht teilweise sehr, sehr gut aus, was die spielen. Die gewinnen nicht nur, sondern es ist schöner Basketball." Iisalo setzt auf Teamplay und das Kollektiv. Unter anderem Shooting Guard Maurice Stuckey bescheinigt seinem Trainer einen "anstrengenden Spielstil". Iisalo, der in Gesprächen fast immer ruhig und besonnen wirkt, an der Seitenlinie aber auch mal laut werden kann, bestätigt dies durchaus: "Wir wollen Kollektivbasketball mit hoher Intensität spielen, darum trainieren wir auch mit hoher Intensität."

Der 38-jährige Finne beschreibt sich selbst als sehr "detailorientiert". Auch das ist dem Spiel seiner Mannschaft durchaus anzusehen. Und trotz der Erfolge lehnt er sich nicht zurück. "Wenn man die Resultate sieht, muss man sehr zufrieden sein", sagt er über die Auftritte seiner Mannschaft. "Aber mit Coaches ist es immer so eine Sache, wir denken, wir können und müssen viele Dinge besser machen und weiter arbeiten. Ich denke nicht, dass wir das Gefühl haben, dass wir in einer sehr guten Position sind und nun relaxen können. Wir arbeiten weiter, das ist der größte Schlüssel für unseren Erfolg bisher." Und so stellte er auch nach dem Sieg gegen Bonn fest: "Immer, wenn wir etwas zu relaxt waren, haben wir große Probleme bekommen. Wir haben viel Erfahrung durch unsere engen Spiele gesammelt und waren daher heute in der Lage, in diesen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren. Es hilft natürlich auch, wenn Trae Bell-Haynes 26 Punkte in der zweiten Halbzeit macht."

Selbstbewusst, aber nicht allzu entspannt

Und so fahren die Crailsheimer am Sonntag durchaus selbstbewusst, aber nicht allzu entspannt zu einem ganz besonderen Spitzenspiel mit einer ganz besonderen Konstellation. Die Crailsheimer sind zu Gast beim FC Bayern München - und zwar als besser platziertes Team. Der Tabellenzweite reist zum Fünften. Allerdings sind die Teams nach Minuspunkten (vier) auf Augenhöhe, die Bayern sicher zu Hause der Favorit.

Doch der Blick auf den Spielplan der Münchner zeigt deren großes Problem in dieser Saison auf: die Belastung. Heute Abend geht es in der Euroleague um 18 Uhr bei Khimki Moskau weiter, am Freitag bei ZSKA Moskau. Und dann steht am Sonntag das BBL-Heimspiel gegen die Merlins an. Es gibt angenehmere Aussichten. Aber das ist auch Ansichtssache.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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