Glückliche Spielerinnen und Emojis der Fans als Ziel

Tennis  Am Wochenende beginnt ein diesmal ganz anderes, aber vielleicht richtungsweisendes Frauen-Turnier in Stuttgart. Wie immer ist das Starterfeld ein großer Trumpf.

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Strahlend im goldenen Konfetti-Regen: die Metzingerin Laura Siegemund bei ihrem Triumph in der Stuttgarter Porsche-Arena 2017.

Foto: Archiv/dpa

Warum in der Krise nicht selbstbewusst auftreten? "Ich behaupte, wir sind das stärkste Turnier der Welt", sagt Markus Günthardt. Der 63 Jahre alte Schweizer ist Turnierdirektor des Porsche-Tennis-Grand-Prix, dem ewig jungen Sporteventklassiker, der an diesem Samstag zum 44. Mal ausgetragen wird. Einst in Filderstadt, seit 2006 in der Stuttgarter Porsche-Arena, mit der coronabedingten Ausnahme im Vorjahr. Ja, der Sponsoren-Name ist Programm, das in jeglicher Hinsicht ausgezeichnete Frauen-Turnier kommt auch in der Pandemie mit reichlich PS daher:

Die Not ist groß, macht aber erfinderisch

Zukunft: Natürlich, auch das stets bestens besuchte Hallenturnier muss ohne Zuschauer stattfinden. Not macht erfinderisch. Und die Not ist groß. "Die Zukunft der Eventbranche liegt in hybriden Veranstaltungen", hat Markus Günthardt am Dienstag bei einer Online-Talk- und Presserunde gesagt.

Er meint das Zusammenspiel von Zuschauern vor Ort und vor (mobilen) Endgeräten, also im Fernsehen sowie auf digitalen und sozialen Plattformen. Günthardt: "Wir nutzen dieses Jahr, um den digitalen Anteil auszubauen." So übertragen nicht nur wie gewohnt SWR, Eurosport, N-TV und DAZN das Sandplatzturnier, sondern erstmals sind auch alle Einzel auf der Turnierseite live zu sehen. Spannend: Dabei kann zwischen verschiedenen Kamerapositionen (Decke, Netz, Schiedsrichterstuhl) gewählt werden.

Interessante Blicke hinter die Kulissen verspricht eine tatsächlich prominente Social-Media-Reporterin: Julia Görges hat das Turnier 2011 gewonnen, ist im Oktober zurückgetreten und wird nun als Teil der Spielerinnenblase Interviews führen. "Ich bin gespannt, wie sie die Woche von der anderen Seite erlebt", sagt Angelique Kerber.

Das Starterfeld des Turniers ist wieder ein Trumpf

Starterfeld: Der Trumpf des Turniers ist schon immer das Starterfeld. 28 Spielerinnen schlagen im Hauptfeld auf, sieben davon aus den Top Zehn der Weltrangliste, weitere sieben rangieren auf den Positionen elf bis 20. "Das ist wie die zweite Woche eines Grand-Slam-Turniers", sagt Kerber, die deutsche Nummer eins - die derzeit lediglich auf Position 25 der Hitliste geführt wird. Um seine Behauptung vom stärksten Turnier der Welt zu untermauern, erklärt Günthardt: "Die Nummer zwölf der Welt ist bei uns nicht gesetzt und könnte in der ersten Runde auf die Nummer fünf treffen." Ob das so kommt, wird die Auslosung am Sonntag zeigen.

Angeführt wird die Meldeliste standesgemäß von der Nummer eins der Welt, der Australierin Ashleigh Barty. "Ich habe sehr viel Positives über dieses Turnier gehört und freue mich sehr darauf, zum ersten Mal dabei zu sein", sagt die 24-Jährige. Ein Heimspiel haben Angelique Kerber (Turniersiegerin 2015 und 2016) sowie Laura Siegemund (2017) und Andrea Petkovic, die beide dank einer Wildcard dabei sind. In der Qualifikation vertreten Nastasja Schunk, Alexandra Vecic, Katharina Gerlach, Noma Noha Akugue und Julia Middendorf den Deutschen Tennis Bund.

Der schönste Siegerpokal der WTA-Tour

Hauptpreis: "Es ist schon etwas Besonderes, das Fahrzeug die ganze Woche am Platz zu sehen. Das gibt einen Extra-Push", sagt Angelique Kerber über den vierrädrigen Hauptpreis beim mit 565 530 US-Dollar dotierten Turnier. Diesmal ist es ein Taycan Turbo S Cross Turismo - und eine Premiere. "Der schönste Siegerpokal der WTA-Tour" (Kerber) wird erstmals rein elektrisch angetrieben. Elektrisiert ist auch seit Tagen Markus Günthardt: "Wir arbeiten auf die glücklichen Gesichter der Spielerinnen hin - und auf Emojis der Fans."

Mehr Informationen: www.porsche-tennis.com

Was sie vermissen

Tennis ohne Zuschauer ist anders. "Aber ich weiß, dass die Fans in anderer Form dabei sind", sagt Angelique Kerber. Die mehr als 5000 Zuschauer in der Porsche-Arena machen (normalerweise) den Unterschied. Turnierdirektor Markus Günthardt könne sich noch gut an 2015, 2016 und 2017 erinnern, "als Angie und Laura Siegemund bei ihren Turniersiegen immer wieder vom Publikum nach vorne gepeitscht worden sind". Diesmal peitscht nichts. Deshalb sagt Kerber: "Die Fans sind es, die wir am meisten vermissen. Sie sind unsere Motivation. Das wollen wir rüberbringen." 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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