Für Kunstradfahrer Serafin Schefold ist die Ungewissheit belastend

Radsport  Im Interview mit der Heilbronner Stimme spricht der Hohenloher Kunstradfahrer Serafin Schefold über die Auswirkungen einer ausgefallenen Saison und die Aussichten für das neue Jahr.

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Als Serafin Schefold (unten) und Max Hanselmann 2019 in Basel zum WM-Titel fuhren, war an die Absage der folgenden Saison nicht zu denken. Foto: Marc Schmerbeck

Serafin Schefold bringt es auf den Punkt: "Sportlich war das Jahr eine ziemliche Misere", sagt der dreifache Weltmeister im Zweier-Kunstradfahren und Athletensprecher Kunstrad des Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Deshalb hat er mit seinem Sprecherkollegen Bernd Mlady (Radball) ein Schreiben verfasst, in dem sie Verbände und Vereine darum bitten, dass im Rahmen der bestehenden Regeln diese Saison möglichst alle Wettkämpfe stattfinden, wenn es die Regularien der Corona-Pandemie zulassen. Mit seinem Zweier-Partner Max Hanselmann will Schefold diese Woche wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen.

Herr Schefold, wie fällt Ihr Fazit für das Jahr 2020 aus?

Serafin Schefold: Im Vergleich mit anderen Radsportdisziplinen innerhalb des BDR hatten wir schon mit den meisten Absagen zu kämpfen. Sportlich war es deshalb eine ziemliche Misere. Durch unseren Kaderstatus konnten wir im Vergleich mit anderen Sportlern und Sportarten relativ viel trainieren. Aber es gab letztendlich nicht viel zu holen.


Aber Training mit einigen Einschränkungen?

Schefold: Ja, wir durften im Frühjahr als eine der ersten wieder auf die Räder. Aber es war dann schon eine ziemliche Achterbahnfahrt. Im Moment ist es schon etwas frustrierend, da man durch die ständigen Unterbrechungen nicht richtig vorankommt. Es ist auch ein Problem, dass man zwar trainieren darf, aber teilweise nicht kann, weil die Hallen geschlossen sind. Das haben wir gerade in Rheinland-Pfalz gemerkt, wo wir auch trainieren, da dort zum Spitzensport nur Olympische und Paralympische Disziplinen gezählt werden und wir nicht den Zugang wie in Baden-Württemberg hatten.


Wie gehen Sie persönlich mit der Situation um?

Schefold: Ich versuche mich gut zu informieren und über die aktuellen Zahlen auf dem Laufenden zu halten. Grundsätzlich bin ich mit den Maßnahmen einverstanden. Ich finde, dass in Deutschland alles gut und geregelt abläuft. Ich wäre im Moment ungern ein Politiker, der Entscheidungen treffen muss. Im Großen und Ganzen habe ich auch versucht, die Ruhe zu genießen und habe versucht abzuschalten. Was ich belastend finde, ist die Ungewissheit und dass man immer flexibel bleiben muss.


Ihre Freundin kommt aus der Schweiz. Wie wird dort mit der Situation umgegangen?

Schefold: Ich war nur selten dort, weil ich wegen der Pandemie nicht unnötig reisen wollte. Aber es ist schon etwas lascher als in Deutschland. Es wird ein deutlich lockerer Kurs gefahren. Auch die Maskenpflicht gab es in der Schweiz später. Aber auch dort sind die Zahlen langsam alarmierend.


Welche Auswirkungen hat die ausgefallene Saison?

Schefold: Für uns nicht so viele. Wir wollen unsere Kür aufstocken und haben dafür nun Zeit zu trainieren. Allerdings machen wir wenig Fortschritte. Es ist aber auch schwer, sich zu motivieren. Das war zu Beginn der Corona-Pandemie kein Problem. Aber jetzt wird es langsam etwas zäh.


Die Programm-Aufstockung ist ja nun schon länger geplant?

Schefold: Ja, der Sattel-Lenker-Handstand soll unsere Paradeübung werden, macht uns aber noch Probleme. Es gab aber auch immer wieder Rückschläge. Erst hat sich Max den Arm gebrochen, dann ich und jetzt kam Corona. Max hat sich sogar angesteckt und hat auch noch etwas mit den Auswirkungen zu kämpfen. Ansonsten haben wir eigentlich seit unserem Sprung von den Junioren in die Elite von Jahr zu Jahr um sieben Punkte aufgestockt.


Was sind die Aussichten für das Jahr 2021?

Schefold: Ich hoffe, dass spätestens Mitte des Jahres wieder Wettkämpfe möglich sind. Der für März geplante erste Weltcup wird wohl nicht stattfinden können. Da muss man einfach abwarten, dranbleiben und Vollgas trainieren. Die ganze Saison muss vorgezogen werden, da die Weltmeisterschaft, wenn es überhaupt möglich ist, früher stattfindet - im Oktober. Ich hoffe, dass wir dann soweit sind und ein aufgestocktes, solides Programm haben. Ich hoffe, dass die WM dann auch wie geplant in Stuttgart stattfinden kann. Klar ist aber auch, dass eine Kunstrad-WM mit das Letzte sein wird, das erlaubt wird.

Gibt es derzeit im Hallenradsport schon spürbare Auswirkungen durch die Pandemie?

Schefold: Bisher ist es noch relativ ruhig. Es gibt noch keine Massenflucht. Ein Jahr ist da verkraftbar. Es muss aber alles daran gesetzt werden, dass es schnell wieder Wettkämpfe gibt. Sonst fehlen die Ziele und die Motivation. Natürlich muss dabei auf die Regeln geachtet werden. Aber da müssen die potenziellen Ausrichter nach Kräften unterstützt werden. Da sind alle Beteiligten in der Pflicht. Man hat ja mittlerweile eine Erfahrung mit Corona. Da muss man mutig sein. Andere Sportarten haben es ja auch geschafft, Wettkämpfe auszurichten. Wenn es 2021 nochmal so wird wie vergangenes Jahr, mache ich mir vor allem Sorgen um den Nachwuchs. Das könnte eine große Lücke nach sich ziehen. Da sind aber grundsätzlich alle Randsportarten gefährdet.

Wie sieht es bei Ihrem Heimatverein RV Öhringen aus?

Schefold: Bei uns hat im Frühjahr der Junioren-Vierer aufgehört. Aber nicht direkt wegen Corona. Da ging es eher um den Ausbildungsstart. Finanziell geht es auch noch, da wir keine allzu hohen laufenden Kosten haben.

 

Der Neuensteiner Serafin Schefold (23) ist Athlethensprecher der Kunstradfahrer. In Mannheim studiert er Wirtschaftsinformatik. Seine Freundin Laura Bruder ist Schweizerin und fährt ebenfalls Kunstrad. Zusammen mit Max Hanselmann (23) wurde er drei Mal in Folge Zweier-Weltmeister. Die für 2020 geplante WM in Stuttgart wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Sie soll aber dieses Jahr an gleicher Stelle stattfinden. Dort peilen Schefold/Hanselmann ihren vierten Triumph an. Das Duo wollte diese Woche wieder ins Training einsteigen. 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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