"Für den Rugbysport sehr nachteilig"

Rugby  Der Rugbysport hat zuletzt für negative Schlagzeilen gesorgt. Spieler sollen vom Verband erpresst worden sein, die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat Ermittlungen aufgenommen. Für den Sport ist das sehr nachteilig, sagt 15er Bundestrainer Mark Kuhlmann im Interview.

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Mark Kuhlmann. Foto: Archiv/privat

Eine große Story im "Spiegel", einen ausführlichen Bericht in der "ARD-Sportschau" – noch nie erfuhr der Rugbysport in Deutschland eine derartige Aufmerksamkeit wie in der vergangenen Woche. Der Anlass ist jedoch unerfreulich: Spieler und Spielerinnen der Rugby-Nationalmannschaften sollen mehrfach aufgefordert worden sein, ihr Geld von der Deutschen Sporthilfe an Verantwortliche des Verbandes weiterzuleiten.

Seit Mittwoch ermittelt die Staatsanwaltschaft Heidelberg gegen zwei nicht namentlich benannte Verantwortliche des Deutschen Rugby-Verbands (DRV) wegen des Anfangsverdachts der Erpressung. Unser Redakteur Stephan Sonntag hat mit 15er Bundestrainer Mark Kuhlmann über die aktuelle Situation und die generellen Aussichten für die Schwarzen Adler in diesem Jahr gesprochen.

 

Herr Kuhlmann, können Sie Erhellendes zur aktuellen Situation sagen?

Mark Kuhlmann: Ehrlich gesagt, nein. Es gibt im Verband eine klare Trennung zwischen dem olympischen Siebener-Rugby und dem 15er Rugby, für das ich zuständig bin. Ich bin sozusagen der Volleyballbundestrainer und kann als solcher nichts zu Vorgängen beim Beachvolleyball sagen. Zumal das 15er Rugby weder eine Förderung durch die Sporthilfe erhält noch Plätze bei der Bundeswehr oder Polizei ermöglichen kann. Insofern entfällt bei uns schon die Grundlage der Vorwürfe.

 

Schaden die Vorwürfe dem Rugbysport in Deutschland insgesamt?

Kuhlmann: Einen Reputationsschaden gibt es auf jeden Fall. Da wird dann schnell alles in einen Topf geworfen, vom Kinder- bis zum Frauenrugby. Für den Rugbysport allgemein ist das sehr nachteilig.

 

Sie sind seit September Nationaltrainer. Ein Länderspiel unter Ihrer Ägide gab es bisher nicht.

Kuhlmann: Aufgrund der Pandemiesituation war das bisher nicht möglich. Im vergangenen Jahr gab es einen Lehrgang. Ansonsten war nur ein Mal die Woche Stützpunkttraining in Heidelberg mit den im Südwesten ansässigen Nationalspielern möglich.

 

In welchem Zustand befinden sich die Spieler in Zeiten ohne Spielbetrieb?

Kuhlmann: Sie sind dank eines ausgeklügelten Kraft- und Lauftrainings fit, aber eben nicht rugbyfit, weil das sportartspezifische Element fehlt. So langsam können wir jetzt wieder ins Spiel mit Körperkontakt einsteigen, aber es braucht Zeit, um sich daran wieder zu gewöhnen. Ohne die Rückkehr in einen regulären Spielbetrieb kann es aber auch keine Länderspiele geben.

 

Die European Trophy – sozusagen die zweite Liga in Europa hinter den Six Nations –, an der Ihr Team teilnimmt, ist ausgesetzt. Wann geht es voraussichtlich weiter?

Kuhlmann: Im Oktober soll es weitergehen, die genauen Spieltermine stehen noch nicht fest. Ich gehe davon aus, dass die Rugby-Bundesliga im September wieder startet, so dass die Spieler wenigstens drei, vier Partien bis zum ersten Länderspiel bestritten haben.

 

Sind Ihre Nationalspieler bereits alle geimpft?

Kuhlmann: Nein. Es gibt keine Impf-Priorisierung bei uns. Der Impfstatus entspricht in etwa dem der Rest-Bevölkerung. Wir haben den einen oder anderen Lehrer, einen Polizisten und einen Feuerwehrmann dabei, die bereits geimpft sind.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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