Frühaufsteher mit Wissensdurst bei den Neckarsulmer Olympia-Schwimmern

Schwimmen  Der Vorstand und die Partner der Sporthilfe Unterland besuchen die Neckarsulmer Olympia-Schwimmer im Sportbad Aquatoll. Die Besucher sind beeindruckt vom Projekt und dem Enthusiasmus jedes einzelnen.

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Zuschauer beim Training: Der Vorstand der Sporthilfe Unterland, Partner und OB Steffen Hertwig mit Bundestrainer Hannes Vitense (Dritter v. re.).

Foto: Mario Berger

Mit blauem Edding hat Matt Magee das Programm an seine Tafel geschrieben. Auf den ersten Blick harmlose Zahlen - und doch ist es als Kolonne betrachtet ein Programm, das es in sich hat. "Am Mittwochabend sind die Athleten im Training heftige sechs Kilometer geschwommen, daher machen sie jetzt am Morgen etwas aktive Erholung", sagt der australische Chefcoach der Neckarsulmer Elitegruppe. Welch hübsche Formulierung für weitere sechs Kilometer, die die Athletinnen und Athleten im Sportbad Aquatoll schwimmen. Hin und her, Bahn für Bahn. Mal mit, mal ohne Hilfsmittel. Immer aber fokussiert und nur kurz unterbrochen von Anweisungen ihres Trainers.

"Es war ganz nett ein paar Zuschauer zu haben", sagt Annika Bruhn und lächelt. Die mehrmalige deutsche Meisterin ist eine von Fünfen am Standort Neckarsulm, die sich für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert hat - und am Donnerstagmorgen wie der deutsche Rekordhalter Fabian Schwingenschlögl und Perspektivteam-Mitglied Henning Mühlleitner von einem überaus interessierten Grüppchen beobachtet worden ist.

Früh aufstehen ist Pflicht, um 6.30 Uhr springen die Schwimmer ins Wasser

Der Vorstand der Sporthilfe Unterland, Partner des Perspektivteams für Paris 2024 und Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig sind zu Besuch gewesen, um live zu erleben, wie Matt Magee seine Besten auf die Spiele (23. Juli bis 8. August) in Japan vorbereitet. Früh aufstehen ist jedoch Pflicht, denn täglich springen die Neckarsulmer um 6.30 Uhr ins Wasser, ehe eine Krafteinheit ansteht und nachmittags nochmals Wassertraining. "In Neckarsulm wird phantastische Arbeit geleistet. Matt und ich kennen uns seit zehn Jahren, und es macht großen Spaß zu sehen, wie er Schwung reinbringt", sagt Bundstrainer Hannes Vitense.

Er wohnt mit seiner Frau Birte Stevens-Vitense, einer ehemaligen Topschwimmerin, und seinen zwei Kindern in Neckarsulm, hat einen kurzen Dienstweg ins Sportbad und berichtet von der "enormen Leistungsentwicklung im internationalen Schwimmsport, die trotz der Pandemie sehr vorangeschritten ist". Weil das Potenzial aber auch in Deutschland da ist, fragt OB Steffen Hertwig kess nach, ob ein olympisches Edelmetall mit Neckarsulmer Beteiligung in Tokio denn ausgeschlossen sei? "Sag" niemals nie", meint Hannes Vitense und zählt die Fortschritte auf, die beispielsweise Brust-Spezialist Fabian Schwingenschlögl mit seinen 58,95 Sekunden über 100 Meter gezeigt hat. Damit ist der 29-Jährige der erste Deutsche, der die 59-Sekunden-Marke unterboten hat.

Besucher sind vom Enthusiasmus des gesamten Teams begeistert

Der Gelobte steigt nach mehr als eineinhalb Stunden konzentrierter Arbeit aus dem Wasser und beißt mit Wonne in eine belegte Brezel. Er ist nach seinen schnellen Zeiten bei den nationalen Titelkämpfen aus dem Trainingsprozess heraus am Wochenende in Berlin voll motiviert und bester Laune.

Dass Schwingenschlögl noch in Teilzeit als Fertigungsplaner arbeitet, berichtet Christian Hirschmann, der Initiator des Neckarsulmer Projektes in seiner Teamvorstellung - duale Karriereplanung ist schließlich ein Teil des Erfolges am Standort. "Eine sehr interessante Geschichte", sagt Richard Lohmiller, Erster Vorsitzender der Sporthilfe Unterland Heilbronn-Hohenlohe. "Der Enthusiasmus, mit dem das gesamte Team und die Athleten für die Sache stehen, ist beeindruckend."

Spätestens in Tokio haben die Neckarsulmer Schwimmer nun noch einige Unterländer mehr, die ihnen die Daumen drücken.

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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