Frauenteam der TTG Neckarbischofsheim fällt nach dem erneuten Nichtaufstieg auseinander

Tischtennis  Einfach zu gut für die Badenliga: Drei Spielerinnen und der Trainer gehen. Victoria Merz schließt sich der Männer-Mannschaft der TSG Heilbronn an.

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Mit ihnen wollte die TTG Neckarbischofsheim bis in die Regionalliga vordringen, nun wechseln Melissa Friedrich (von oben), Victoria und Rebecca Merz den Verein. Fotos: Klaus Krüger

Es war ein durchaus ambitioniertes, aber nicht aussichtsloses Projekt. Unter normaleren Umständen hätte alles gut gehen können. Fünf Jahre hatte sich die TTG Neckarbischofsheim gegeben, um mit ihren hoch talentierten Tischtennisfrauen um Trainer Andreas Dörner von der Badenliga aus bis in die Regionalliga vorzudringen. Dann aber kam die Pandemie, bremste die TTG zwei Mal aus und machte alle Pläne zunichte.

Das ambitionierte Projekt der Kraichgauer ist gescheitert. Nach zwei durchkreuzten Aufstiegen ist die Regionalliga nicht mehr in der vorgegebenen Zeit zu realisieren. Das hat Folgen: Das Team fällt auseinander. Drei von vier Spielerinnen werden den Club verlassen. Neben den an Position eins bis drei Gesetzten geht auch der Trainer, geht auch Andreas Dörner. Der 34-Jährige, der auch den Stützpunkt in Heilbronn leitet, stellt sich wie Melissa Friedrich und die Schwestern Victoria und Rebecca Merz in der neuen Saison einer neuen und höheren Herausforderung. "Wir sind ein Corona-Opfer", meint Tobias Lapesch, im Vorstand der TTG zuständig für die Organisation.

Erneut Badenliga, das wäre Stillstand gewesen - mindestens

Frauenteam der TTG Neckarbischofsheim fällt nach dem erneuten Nichtaufstieg auseinander

Lapesch, der mit den Männern der TTG einst in der Oberliga gespielt hat, hat für die Entscheidung des Quartetts aber vollstes Verständnis. Sicher, für den Verein sei es extrem schade. "Wir haben auch erstmal schlucken müssen." Am Ende ist es aber der richtige Schritt. "Die Mädels haben sich weiterentwickelt und können nicht auf der Stelle stehen bleiben." Doch das wäre die Badenliga für alle gewesen: Stillstand, mindestens. Eher sogar ein Rückschritt. "Die Spielerinnen waren sowieso schon zu gut für diese Klasse", sagt Trainer Andreas Dörner. Melissa Friedrich habe er vergangenen Sommer zum Bleiben überredet, konnte mit der Aussicht auf den Oberliga-Aufstieg noch gut argumentieren. "Den hätten wir diese Saison auch hundertprozentig geschafft", sagt Dörner.

Mit vier Siegen und 32 zu zwei gewonnenen Spielen waren die Kraichgauerinnen ihrer Favoritenrolle allemal gerecht geworden, die Oberliga war greifbar, wenngleich auch diese nur Zwischenstation sein sollte. Nun ist alles hinfällig. Noch länger wollten die Spielerinnen aber nicht warten, nahmen ihre individuellen Aufstiegschancen wahr. Die in Neckarbischofsheim an Position eins gesetzte Melissa Friedrich schließt sich dem TTC Weinheim II an, wird im nächsten Jahr in der Regionalliga spielen. "Die Regionalliga ist mindestens ihr Niveau", findet Andreas Dörner.

Melissa Friedrich und Andreas Dörner wechseln nach Weinheim

Frauenteam der TTG Neckarbischofsheim fällt nach dem erneuten Nichtaufstieg auseinander

Mit ihnen wollte die TTG Neckarbischofsheim bis in die Regionalliga vordringen, nun wechseln (von links) Melissa Friedrich, Victoria und Rebecca Merz den Verein.

Fotos: Klaus Krüger

Auch ihn wird es zur neuen Saison zum TTC Weinheim verschlagen. Aber nicht in die Regionalliga, sondern in die erste Frauen-Bundesliga. "Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun", sagt er zum Zufall, dass es auch Friedrich in diese Richtung zieht. Rebecca Merz, mit 14 Jahren die jüngere der beiden Merz-Schwestern, wird künftig für die Neckarsulmer Sport-Union in der Oberliga spielen. "Sie hat dort eine Freundin, es wird ihr bestimmt Spaß machen", sagt ihre Schwester Victoria. Die 16-Jährige entschied sich für den ungewöhnlichsten Weg: Sie wechselt zur TSG Heilbronn, zu den Männern. Der angehenden Abiturientin aus Abstatt war es wichtig, keine langen Fahrten mehr auf sich zu nehmen. "Ich habe Spaß am Tischtennis und möchte, dass das mein Leben lang so bleibt." Und für die eigene Entwicklung sei ein Start bei den Herren nicht schlecht.

Spaß hatte es ihr und allen anderen auch in Neckarbischofsheim gemacht, deswegen sei das Ende umso tragischer gewesen. "Es ist so, ändern können wir es ohnehin nicht", sagt Victoria Merz. Sie schaut jetzt nach vorne - genau wie die TTG Neckarbischofsheim. "Wir wollen wieder eine Badenliga-Mannschaft stellen", sagt Tobias Lapesch. Auch ein ambitioniertes Projekt. Aber um Aufstiege wird es bei der TTG in Zukunft nicht mehr gehen.

 

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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