Es war nicht Schalke 05 allein, das Carmen Thomas den Job kostete

Sport  Ein unrühmliches Sportstudio-Aus, ein historischer Rallye-Sieg und ein Schwaben-Schnäppchen für den FC Bayern - es war viel los in der Welt des Sports vor sechs, 20 und 46 Jahren.

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Eine "kesse Art" und viele "sachlich richtige Plaudereien über die Kunst der Balltreter", attestierte die HSt der Sportstudio-Moderatorin Carmen Thomas (hier mit Wolfgang Overath).

Fotos: imago-images/Sven Simon/Pressefoto Baumann

Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen schier unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte das Sportgeschehen in der 1. Kalenderwoche vor 46, 20 und sechs Jahren?

1975: Wenn heute Katrin Müller-Hohenstein oder Dunja Hayali das ZDF-Sportstudio moderieren, ist das Normalität. Zu verdanken haben sie das nicht zuletzt ihrer Vorreiterin Carmen Thomas, wenngleich deren Sportstudio-Karriere unter keinem guten Stern stand. "Der Versuch, eine Frau in den Fernseh-Sportjournalismus zu integrieren, ist gescheitert", titelte die HSt am 10. Januar.

Nach 16 Sendungen hatte die damals 28-jährige Thomas angekündigt, nicht länger als Moderatorin für die Sendung zur Verfügung zu stehen. Nach einem "dreijährigen Krieg des Publikums" um ihre Person war die Journalistin "mit den Nerven ziemlich runter", wie die Stimme schrieb. Ihr damaliger Chef Hanns-Joachim Friedrichs - der spätere Tagesthemen-Moderator - urteilte einst: "Die Carmen hat etwas stark Polarisierendes - sie findet manchen leidenschaftlichen Advokaten im Publikum und bei der Presse, die anderen finden sie unerträglich, in der Mitte, von der wir alle leben, ist da nichts."

Es war nicht Schalke 05 allein, das Carmen Thomas den Job kostete

Daumen hoch für die erste Siegerin der Rallye Dakar: Jutta Kleinschmidt triumphiert im Jahr 2001 beim härtesten Auto-Rennen der Welt.

Foto: Archiv/dpa

Ihr hing immer noch der eigentlich harmlose Versprecher vom 21. Juli 1973 nach, als sie "FC Schalke 05" sagte. "Seitdem heißt es, Carmen stehe mit dem Fußball-Latein auf besonderem Kriegsfuß", rekapitulierte die HSt und warf die Frage auf: "Wenn schon die verdammte couragierte Carmen es nicht packte, wo ist dann die Sport-Interpretin, die dem Publikum in Sachen Frau als Moderatorin den dicken Staub der Vorurteile aus den verengten Augen blasen könnte?" Das sollte noch lange dauern.

2001: Nach mehr als 10.000 Kilometern durch meist unwirtliche Wüstenlandschaften hatte Jutta Kleinschmidt Geschichte geschrieben. Als erste Frau gewann die damals 38-Jährige die legendäre Rallye Dakar. "Ein Traum ging für mich in Erfüllung", titelte die HSt am 22. Januar, nachdem sie den Husarenritt der Kölnerin über 20 Prüfungen in den Wochen zuvor begleitet hatte.

Nur 2:39 Minuten Vorsprung vor Hiroshi Masuoka hatte Kleinschmidt mit ihrem Co-Piloten Andreas Schulz im Ziel. "Oft war ich ja schon dicht dran, endlich hat es geklappt", freute sich Jutta Kleinschmidt, verwies aber auch auf einen Wermutstropfen: "Mir wäre es lieber gewesen, der Sieg wäre mehr auf dem sportlichen Sektor entschieden worden." Ihr Hauptkonkurrent und Titelverteidiger Jean-Louis Schlesser handelte sich Zeitstrafen von 2:10 Stunden ein, die ihn um den Sieg brachten.

 

Es war nicht Schalke 05 allein, das Carmen Thomas den Job kostete

Na, erkannt? Joshua Kimmich als A-Jugendlicher im Trikot des VfB Stuttgart.

2015: Der aktuelle Marktwert von Joshua Kimmich wird mit 85 Millionen Euro taxiert. Die Verantwortlichen des FC Bayern hatten vor fünf Jahren einen guten Riecher, als sie das VfB-Talent aus Rottweil verpflichteten. "VfB bekommt viel Geld, verliert aber ein ganz großes Talent", titelte die HSt am 3. Januar.

Sieben Millionen Euro soll der Rekordmeister damals für den Zweitligakicker gezahlt haben, der aber gar nicht für die Stuttgarter spielte, sondern an RB Leipzig ausgeliehen war. "Sieben Millionen für einen Spieler, der in der Bundesliga noch nie für die Stuttgarter aufgelaufen ist. [...] Im Abkassieren, da sind die Oberen in Cannstatt eben clever", kommentierte Stimme-Redakteur Dominik Knobloch.

 

 

 

Sperre für einen Linienrichter

Einen "alten Dreckspatz" soll Linienrichter Hans Wahmann den Frankfurter Nationalspieler Jürgen Grabowski genannt haben. Weil der ihn nach einem Foul an einem Mitspieler am Arm gepackt hatte. "Wieder mal was Neues in der DFB-Gerichtsbarkeit", titelte die HSt am 9. Januar 1975: "Schiedsrichter wegen Spieler-Beleidigung gesperrt." Wie in solchen Fällen auch bei Spielern üblich, betrug die Sperre für Hans Wahmann vier Wochen. Es müsse gleiches Recht für alle gelten, hieß es in der Urteilsbegründung.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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