Es menschelt um die Neckarsulmer Olympioniken im Aquatoll-Sportbad

Schwimmen  Ein Teil des Neckarsulmer Erfolgsgeheimnisses ist das harmonische und familiäre Umfeld.

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Fünf Olympia-Tickets für die Schwimm-Asse der Neckarsulmer Sport-Union, die Sommerspiele in Japan sind für den Verein schon jetzt geschichtsträchtig. Andreas Behrend, der Siebte über 100 Meter Schmetterling und Lagenstaffel-Vierte von Olympia 1984, hat jetzt gleich fünf sportliche Erben. Der Höhenflug der Tokio-Reisegruppe Annika Bruhn, Celine Rieder, Marie Pietruschka, Fabian Schwingenschlögl und Henning Mühlleitner, sowie der EM-Teilnehmerinnen Bente Fischer und Nadine Laemmler kommt nicht von ungefähr. Ein Baustein für die Erfolge sind das familiäre Umfeld und das harmonische Miteinander innerhalb der Abteilung.

"Gerade dieses Familiäre ist eine absolute Stärke. Die Jungs und Mädels hängen irgendwie immer irgendwo zusammen rum. Im Sport hat man nicht immer nur gute Tage, das ist auch im Training so, und da hilft ein intaktes Umfeld schon sehr viel", hebt Trainer Christian Hirschmann hervor. Und wenn Hirschmann von Familie spricht, meint er das durchaus auch schon mal im Wortsinne. Seine Frau und Nachwuchstrainerin Mattika ist die Schwester von Bente Fischer. Zudem sind Nadine Laemmler und Fabian Schwingenschlögl schon viele Jahre ein Paar.

Trio kennt sich aus gemeinsamen Zeiten in Saarbrücken

Und dann sind da die Damen Annika Bruhn und Celine Rieder, sowie Herr Mühlleitner. Dieses Trio kennt sich bereits aus gemeinsamen Zeiten am Stützpunkt Saarbrücken, wo sie unter dem aktuellen Bundestrainer Hannes Vitense trainierten, der von Januar 2018 an für knapp eineinhalb Jahre auch Coach der NSU war und seitdem in Neckarsulm wohnt.

 

"Die Annika hat immer gute Laune", sagt Vitense und gibt eine Anekdote der 28-Jährigen und der acht Jahre jüngeren Celine zum Besten. "Im Saarland, als die Celine zu uns kam, ich glaube das war 2013, da hat sich die Annika um die kleine gekümmert. Die beiden haben sich schon immer gut verstanden", erzählt Vitense. "Bereits vor Jahren haben wir gewitzelt, wenn es beide es zu Olympischen Spielen schaffen, gibt das ein Doppelzimmer. Das wurde zu einem Running Gag." Inzwischen wohnen die Freistil-Ladies in Neckarsulm in einer WG zusammen und aus dem Running Gag wird in diesem Sommer Realität, beide starten für Deutschland in Tokio. "Es ist schön zu sehen, wenn (ältere) Sportler in der Lage sind, jüngere mitzunehmen und beide irgendwie voneinander profitieren."

Mühlleitner in der Weltspitze angekommen

Es menschelt um die Neckarsulmer Olympioniken im Aquatoll-Sportbad

Heimat Neckarsulm (v.l.): Henning Mühlleitner, Celine Rieder, Annika Bruhn und der ehemalige NSU-Trainer und aktuelle Bundestrainer Hannes Vitense.

Foto: Archiv/Bertok

Vitense freut sich auch für Mühlleitner, der nach verletzungs- und krankheitsbedingten Rückschlägen jetzt in der Weltspitze angekommen ist, und den er bei NSU-Coach Mathew Magee in besten Händen weiß. "Ich arbeite mit Henning seit 2013 zusammen. Mat führt das jetzt fantastisch weiter, hat sicherlich auch den ein oder anderen neuen Input gesetzt, das ist wichtig für junge Talente", betont Vitense den Reifeprozess von Mühlleitner, den er auch ein Stück weit dem Neckarsulmer Umfeld zu verdanken hat.

"Ich habe Henning immer das nötige Vertrauen geschenkt, ihn im Olympiakader gelassen, als es bei ihm nicht so gut lief. Dieses Vertrauen wurde zurück gezahlt und er darf sich jetzt auf Olympia freuen. Das ist eine richtig tolle und schöne Geschichte."

Fischer als fleißiges Mädel

Mit Bente Fischer hat Vitense zwar nicht so lange zusammengearbeitet wie mit seiner Saarland-Fraktion, aber dem NSU-Eigengewächs hat er auf dem Weg zum EM-Ticket ganz kräftig die Daumen gedrückt. "Das ist ein ganz fleißiges Mädel, immer positiv drauf. Sie wirkt total locker und super entspannt", sagt der Bundestrainer.

"Wenn Bente schwimmt, bin ich immer super aufgeregt, weil es ja die direkte Familie betrifft, da muss ich mich auch schon etwas im Zaum halten", sagt Hirschmann, dass sie mit der Teilnahme an der Europameisterschaft ihr Leistungspotenzial noch nicht ausgereizt hat. "Es war für jetzt noch etwas zu früh, aber in drei Jahren, da geht es um die Wurst, um die Teilnahme bei den Spielen in Paris", setzt Hirschmann seine Schwägerin schon mal unter Druck. Es bleibt ja in der Familie.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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