Erster Winter-Weltcup in Württemberg

Short Track  Von 19. bis 21. Februar geht es in der EgeTrans-Arena von Bietigheim-Bissingen so richtig rund.

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In freudvoller Erwartung der besonderen Schräglage: Anna Seidel freut sich über den zweiten deutschen Weltcup-Standort neben Dresden.

Foto: imago images/Pressefoto Baumann

Während die (Sport-) Welt vor großen Fragezeichen steht, setzt Bietigheim-Bissingen ein großes Ausrufezeichen: Von 19. bis 21. Februar wird es in der Ege-Trans-Arena rund gehen, ein Short-Track-Weltcup stattfinden. Trotz Corona. "Dieser Sport ist hoch spektakulär und für Zuschauer hoch attraktiv", freut sich B.-B.-Oberbürgermeister Jürgen Kessing. "Zudem kann unsere Halle zeigen, was sie drauf hat." Zwar suche man noch Sponsoren, aber es habe einen besonderen Charme, dass die Rennen garantiert weltweit im TV übertragen würden. "Das Budget ist überschaubar." Jens Zimmermann, geschäftsführender Gesellschafter der mit organisierenden Agentur 24passion, sagt: "Wir planen mit einer schwarzen Null ohne Zuschauer." Aber natürlich hoffen alle, den ersten Wintersport-Weltcup in Württemberg mit Zuschauern durchführen zu können.

Anna Seidel ist wie elektrisiert von der Nachricht. "Wir sehen das als große Chance, unseren Sport bekannter zu machen, so dass viele Eltern ihre Kinder zum Short Track schicken", sagt Deutschlands beste Short-Trackerin, die aus Dresden kommt, dem deutschen Zentrum der Kufen- und Kurvenflitzer. Die 22-Jährige hat die Olympischen Ringe auf die Innenseite des rechten Fußknöchels tätowiert, wie bei der distanzierten Pressekonferenz zu erkennen ist. Seidel ist zierlich, aber auf dem Eis nicht zimperlich. Mit einem Grinsen sagt sie: "Das Schöne bei unserem Sport ist, dass man mit unterschiedlichen Körperformen erfolgreich sein kann."

Eisschnelllauf ist Geige, Short Track E-Gitarre

Short Track ist ein Spektakel und nicht mit Eisschnelllauf zu verwechseln. Wenn Eisschnelllauf Tradition ist, quasi Geige, dann ist Short Track die Zukunft, sozusagen E-Gitarre. Action, Positionskämpfe, Stürze - da geht es permanent richtig rund, man weiß nie, was passiert. Entsprechend müssen die Rahmenbedingungen modifiziert, Teile der Banden ausgebaut und durch dickere Matten ersetzt werden, wie Hugo Herrnhof erläutert. Der Südtiroler ist Event-Koordinator Short Track im Eisschnelllauf-Weltverband ISU und von der EgeTrans-Arena angetan. Das wird. Aber die beiden Nordamerika-Weltcups wurden wegen der Pandemie abgesagt, die beiden Asien-Weltcups seien noch offen. "Da ist noch ein großes Fragezeichen", sagt Hugo Herrnhof.

Immerhin die Bietigheim-Bissinger haben vergleichsweise Klarheit, wissen, was auf sie zukommt. 220, 230 Athleten aus mehr als 20 Nationen werden von 16. bis 21. Februar zum Training und Wettkampf in der Halle sein; etwa 300 Personen gehören zum Short-Track-Tross, 100 Helfer kommen dazu. Und wie viele Zuschauer? "Mitten in der Pandemie kann das niemand seriös sagen", antwortet Jürgen Kessing. "Short Track ist etwas Besonderes, die Menschen hier werden es goutieren." Aber noch gibt es keine Tickets, noch führt die auf die Plakate gedruckte Internetadresse www.worldcup-bietigheim.de ins Nichts.

Wissenstransfer zwischen Dresden und Bietigheim

Was organisatorisch hilft: "Wir waren in Dresden, haben viel angesehen, viel lernen können", so Kessing. Der Wissenstransfer zwischen dem achtmaligen Weltcup-Gastgeber und dem Weltcup-Neuling ist angestoßen. Zudem hat die ISU ihr Hygienekonzept versendet. Die Ausarbeitung habe lange gedauert, sagt Hugo Heernhof, "es muss für die ganze Welt passen". Jürgen Kessing ist gelassen. "Der Vorteil unserer Halle ist, dass sie viele Eingänge hat", sagt der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. "Und die Sportarten lernen wechselseitig voneinander." Manchmal muss man Fragezeichen mit Ausrufezeichen begegnen.

Anna Seidel erzählt noch von der Drucksituation, wenn sie in ihrer Heimatstadt Short-Track-Rennen bestreitet. "Deshalb freue ich mich fast noch mehr darauf, hier in Bietigheim-Bissingen starten zu können, als in Dresden - aber das darf zu Hause natürlich niemand wissen."


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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