Erster Profi-Titel für Slawa Spomer

Boxen  Einstimmiger Punktsieg des Neu-Superweltergewichtlers im Kampf gegen Philipp Wiesenhofer in Bruchsal: Der Wahl-Künzelsauer Slawa Spomer hat nun den Gürtel des deutschen Meisters.

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Glücklich nach zehn Runden Arbeit und um einen Gürtel reicher: Slawa Spomer (li.) mit Trainer Zoltan Lunka. Für den Superweltergewichtler war es der zwölfte Sieg im zwölften Kampf und der erste Titelgewinn bei den Profis.

Foto: Stephan Sonntag

Hinterher gab Slawa Spomer zu: "Irgendwann war ich ein bisschen verzweifelt. Der war echt eine harte Nuss." Der 28-Jährige hätte seinen ersten Titelkampf bei den Profis gerne vorzeitig gewonnen. Doch sein Gegner Philipp Wiesenhofer bewies am Samstag in Bruchsal Nehmerqualitäten und hielt zehn Runden durch. Am einstimmigen Punktsieg für den aus Heilbronn stammenden Wahl-Künzelsauer änderte das freilich nichts. Für Spomer ist es der zweite nationale Meistertitel nach 2016 - damals noch als Amateur.

Fast noch mehr als über den Gürtel freute sich der Neu-Superweltergewichtler über die Aussicht, jetzt erst einmal Zeit für die Familie zu haben. "Ich bin froh, die Halle hier jetzt erst einmal nicht mehr sehen zu müssen. Vom Sparring habe ich erst einmal die Schnauze voll." Kein Wunder nach sieben Wochen Vorbereitungszeit, da der Kampftermin immer wieder verschoben werden musste. "Dadurch hat Slawa ein bisschen die Frische gefehlt", räumte Trainer Zoltan Lunka ein, der seinem Schützling ansonsten aber eine sehr gute Leistung attestierte: "Ich bin sehr zufrieden mit ihm", sagte der Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1996.

Einziger Kritikpunkt: Spomers zwischenzeitliche Sperenzchen. Ein paar Mal ließ er die Fäuste sinken, forderte seinen Gegner zum Schlagen auf, demonstrierte, dass ihm die Treffer nichts anhaben können. "Manchmal überkommt es mich im Kampf. Da ist schwer gegen anzugehen, auch wenn ich weiß, dass mein Trainer das nicht leiden kann. Ein bisschen Show gehört aber dazu", war Spomer in diesem Punkt weitgehend einsichtig.

Auch der Verlierer ist zufrieden mit der eigenen Leistung

Sein Gegner nahm es ihm auch nicht übel. "Das war eine tolle Erfahrung für mich gegen einen sehr starken Gegner. Dafür dass ich nur eine Woche Vorbereitungszeit und seit Juni nicht mal mehr ein Sparring hatte, bin ich sehr zufrieden mit meiner Leistung", sagte Wiesenhofer stolz. Dabei blickte er praktisch nur noch aus einem Auge, das andere war gerade dabei vollends zuzuschwellen.

Der 1,68 Meter kleine Österreicher hatte gegen den deutlich größeren Spomer enorme Reichweitennachteile. Die versuchte er als gelernter Kickboxer damit wettzumachen, immer wieder mit Tempo in die Nahdistanz zu springen. "Er hat sehr unorthodox gekämpft. Die Schläge kamen oft aus unerwarteter Richtung. Aber selbst wenn er mich getroffen hat, haben bei mir keine Lichter geflackert", sagte Spomer.

Dank seiner soliden Doppeldeckung war Wiesenhofer auch nicht leicht zu treffen. "Slawa sollte sich an seinen Armen aber auch nicht die Fäuste kaputtschlagen", sagte Lunka. Daher ging sein Schützling auch immer wieder zum Körper, doch das österreichische Kraftpaket ließ sich nicht gänzlich die Luft rauben. Anstrengend war der Kampf aber auch für Spomer: "Ich bin schon ein bisschen ausgepumpt", gab er zu.

Der kleine Sohn schaute zu - am Fernseher

Daher ging es mit dem Gürtel im Gepäck schnell nach Hause. Sonntagfrüh wollte er das gute Stück seinen Kindern präsentieren. "Levar hat erstmals einen Kampf live vor dem Fernseher mitverfolgt und mir vorher auch schon gezeigt, wie ich boxen soll", erzählte Spomer augenzwinkernd über seinen zweieinhalbjährigen Filius. Er dürfte auch mit dem Papa zufrieden gewesen sein.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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