Erster Aufschlag in der Corona-Runde

Tennis  Am Sonntag beginnt der Ersatzwettbewerb, an dem lediglich ein Drittel der Tennis-Teams des Württembergischen Tennis-Bundes teilnimmt. Doppel und duschen sind erlaubt.

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Der sportliche Wert ist überschaubar, doch endlich geht es los: Am Wochenende starten 2512 Mannschaften des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB) in die Corona-Runde - ursprünglich hatten 6593 Teams in der Jugend, bei den Aktiven und den Senioren für die Sommerrunde gemeldet, die wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt worden war. WTB-Präsident Stefan Hofherr hatte auf 60 Prozent positive Rückmeldung für den Ersatzwettbewerb gehofft, es wurden nur 38,1 Prozent. Egal, die aufschlagenden Spieler freuen sich, endlich wieder um LK- und Ranglistenpunkte kämpfen zu können. Auch wenn die Rahmenbedingungen nach wie vor kompliziert sind. Die ambitionierten Aktivenmannschaften aus der Region sind übrigens alle am Start - bis auf eine Ausnahme.

TSV Künzelsau: "Wir waren uns im Vorstand relativ einig, dass wir die Corona-Runde nicht spielen", erklärt Tobias Hügel. Der Sportwart des TSV Künzelsau hat sämtliche Mannschaften abgemeldet, auch die Verbandsliga-Männer. "Wir haben damals entschieden im Wissen, dass keine Doppel gespielt werden können" - und es somit keine Aufsteiger geben kann. Doch mittlerweile gab die Politik grünes Licht für das Doppel. Das ändert nichts an den Rahmenbedingungen: Die Hygiene- und Abstandsregeln sind einzuhalten, zu den (Auswärts-)Spielen dürfen maximal zwei Personen aus fremden Haushalten im Auto sitzen, Zuschauer sind auf den Anlagen nicht erlaubt. Und viele Tennisspieler haben derzeit richtig Programm mit der Betreuung ihrer Kinder - so wie Tobias Hügel mit seinen dreien.

TC Lauffen: Mit einem Derby starten die Verbandsliga-Männer des TCL in die Saison, es geht am Sonntag zu Hause gegen Bad Friedrichshall. Die Meldeliste der Gastgeber ist ehrlich: Spitzenmann des Aufsteigers ist Alexander Heinz mit Leistungsklasse (LK) 7. "Da es in der Corona-Runde keine Absteiger gibt, kann man ganz locker spielen", sagt Alexander Heinz. Dass es mit dem Derby losgeht, sei egal, da keine Zuschauer erlaubt sind. Er habe alle Spieler der Gäste vorab telefonisch über den Ablauf informiert: "Das Clubheim ist zu, jeder muss sein Essen selber mitbringen." Ein Umziehen in der Kabine ist nicht möglich, aber das Duschen nach dem Einzel und dem Doppel. "Auf 20 Quadratmetern dürfen sich maximal drei Personen aufhalten", weiß Udo Graser, Sportwart der Gäste.

Erster Aufschlag in der Corona-Runde

Starten mit dem Derby: die Verbandsliga-Männer des TC Lauffen.

Foto: privat

TC Bad Friedrichshall: An frühere Derbys komme die Auftaktpartie wegen der komplizierten Rahmenbedingungen nicht heran, sagt Udo Graser. Der Aufwand wegen Corona sei enorm. Dennoch stehen drei LK 1-Spieler auf der Meldeliste der Bad Friedrichshaller, dennoch steigt am 26. Juli, nach dem letzten von vier Spieltagen, eine Mannschaft in die Oberliga auf. "Ziele kann und will ich aber nicht vorgeben", sagt der Funktionär. Es sei extrem schwer einzuschätzen, wie die Gegner antreten. "Verlieren mag keiner. Aber letztlich geht es darum, dass endlich wieder was passiert." Auch die Bad Friedrichshaller Frauen starten in der Verbandsliga.

TC Heilbronn: "Am Anfang waren wir euphorisch, dachten, wir spielen um den Aufstieg", sagt Metehan Cebeci, Clubmanager des TC Heilbronn. "Aber die Oberliga-Absteiger Sindelfingen und Ulm sind sehr gut mit ausländischen Spielern besetzt." Seit dieser Saison dürfen auch im WTB beliebig viele EU-Ausländer eingesetzt werden. Juan Cruz Scoppetta, der seit Jahren die klassische Ausländerposition der Mannschaft vom Trappensee besetzt, lebt in Argentinien, kann diesen Sommer also nicht anreisen. Jungprofi Rudi Christiansen ist zudem verletzt. "Wir fahren jetzt halt mal nach Ulm und schauen, wie es läuft", so Cebeci. "Aber Hauptsache, jetzt laufen endlich wieder Wettkämpfe."

TC Oberstenfeld: Die Württembergliga-Frauen des TCO haben lediglich drei Wettkampf-Tage, spielen in einer Vierer-Gruppe - drei der ursprünglich sieben Teams verzichteten. "Aber wir freuen uns drauf, sind sehr motiviert und können als Aufsteiger ohne Druck Württembergliga-Luft schnuppern", sagt Mannschaftsführerin Anna-Lena Gundermann. Die Oberstenfelder Frauen als auch die Oberliga-Männer versuchen ihr Glück ohne ausländische Spieler. Die Männer haben ebenfalls lediglich drei Spiele, legen am Sonntag zu Hause gegen den TV Reutlingen III los. "Das ist gleich das entscheidende Match", sagt Trainer Zeljko Alviz. Natürlich gehe es um den Aufstieg. "Wenn du im Leistungssport aktiv bist, darf man die Ziele nicht aus den Augen verlieren." Dass keine Zuschauer kommen dürfen, bezeichnet Alviz als Katastrophe. Obwohl es vom WTB keine Verpflichtung zum sonst üblichen gemeinsamen Essen gibt, hat der Vorstand des TCO beschlossen, diese Gewohnheit weiter zu pflegen - natürlich unter Berücksichtigung der gegebenen Regeln.

 

Besondere Durchführungsbestimmungen

Alles anders? Nicht ganz: Für die Abwicklung der Wettspielrunde des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB) gilt weiterhin die Wettspielordnung - mit besonderen Durchführungsbestimmungen: In allen Altersklassen (Jugend, Aktive und Senioren) gibt es keine Absteiger. Nachdem seit dem 4. Juni wieder Doppel gespielt werden darf, erhalten die Gruppensieger die Möglichkeit, aufzusteigen (Aktive, Senioren).

In der Jugend werden in der Corona-Runde keine Aufsteiger ermittelt. Es finden keine Spiele zur Vor- und Endrunde der WTB-Mannschaftsmeisterschaft (U 15) statt. Ein württembergischer Mannschaftsmeister (U 18) wird nicht ermittelt. Mannschaften, die nicht an der Wettspielrunde teilnehmen, behalten ihre Spielklasse für die Verbandsrunde im Sommer 2021. Somit ergibt sich für die Runde in einem Jahr grundsätzlich ein verschärfter Abstieg, da durch die in den kommenden Wochen ermittelten Aufsteiger die Gruppen größer werden. 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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