Ernüchternder Saisonabschluss für Eppinger Schachclub

Eppingen  Mit anderthalb Jahren Verspätung geht die Schachsaison zu Ende. Die letzten zwei Zweitliga-Partien gehen deutlich gegen Baden-Baden und Emmendingen verloren, dennoch zieht der Vorsitzende Jonas Reimold ein positives Fazit.

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Statt der Mensa entscheiden sich die Eppinger für die größere Hardwaldhalle. Vorne im weißen Hemd Jonas Reimold, der Erste Vorsitzende des SCE, gegen Dennis Kaczmarczyk aus Baden-Baden.

Fotos: Klaus Krüger

Nach zweieinhalb Stunden hat sich vordergründig nicht viel getan auf dem Brett: der Eppinger Christopher Noe und der Emmendinger Christian Bauer haben jeweils zwei Bauern und einen Springer verloren. Noes König ist im rechten hinteren Eck von mehreren Figuren gedeckt, sein verbliebener Läufer steht dafür umso exponierter rechts außen. Als sich auf F 4 und E 3 beide Läufer gegenüberstehen, geht es auf einmal ganz schnell: Bauers Läufer schlägt den von Noe, der reagiert blitzschnell, fast schon reflexartig, und räumt Bauers Läufer mit seiner Dame ab. In der folgenden Dreiviertelstunde belauern sich die Springer, die Partie endet unentschieden.

Die beiden Kontrahenten SC Eppingen und Emmendingen gehen nach Spielende ins Foyer und spielen ihre Partie mit allen Eventualitäten nach - eine halbe Stunde lang, aus dem Kopf. Sie kennen sich schon länger: "Vor zwei Jahren haben wir eine crazy Partie im Europapokal gegeneinander gespielt", sagt Bauer. Der Franzose spricht Deutsch, er kommt aus Lothringen, lebt derzeit aber in Montpellier.

Top-Spieler Noe setzt auf solides Spiel

Im Europapokal hatte Bauer das bessere Ende für sich - wie am Sonntag. "Er hat eine Variante bei der Eröffnung gespielt, das hat mich überrascht", sagt Noe. "Danach wurde es angenehmer. Statt anzugreifen, habe ich mich entschieden, solider zu spielen. Am Ende ist es verflacht, das Angebot zum Remis hat er gerne angenommen", sagt er nach dem Spiel.

Ein Sieg für den Schachclub Eppingen wäre aber nicht unmöglich gewesen: "Vielleicht hätte ich mehr angreifen sollen. Er hatte aber auch die höhere Wertungszahl", sagt der 25-Jährige. Für Bauer war das Remis "logisch", Zu Beginn habe er zwar eine kleine Chance gehabt, den Rest der Partie sei er aber etwas schlechter als Noe gewesen. Wie gegen Bauer hat Christopher Noe auch am Tag zuvor gegen Matthias Dann von der OSG Baden-Baden II unentschieden gespielt, "da hatte ich wenig Chancen, in den Vorteil zu kommen und musste eher verteidigen", erklärt er sich.

Der einzige Sieg für die Kraichgauer am neunten und zehnten Spieltag gelingt Namig Guliyev gegen Philipp Schlosser aus Baden-Baden. Neben den zwei Unentschieden von dem an Nummer eins gesetzten Noe erspielten sich Florian Mesaros und Veaceslav Cofmann gegen Baden-Baden und Namig Guliyev sowie Emran Hamid gegen Emmendingen vier weitere Unentschieden. Alle anderen Partien gingen verloren.

2,5:5,5 und 1,5:6,5 lauten die Ergebnisse der letzten beiden Zweitliga-Partien. Eppingen belegt damit in der Saison 2019 bis 2021 Platz sechs, Baden-Baden wird Dritter, Emmendingen verpasst als Zweiter knapp den Aufstieg ins Oberhaus. Aufsteigen wird Heusenstamm.

Badener Teams sind stark aufgestellt

Ernüchternder Saisonabschluss für Eppinger Schachclub

Christopher Noe (links) holt sowohl in der Partie gegen Matthias Dann (Baden-Baden) als auch gegen den Emmendingener Christian Bauer ein Unentschieden.

Dass es schwer wird, war Christopher Noe klar: "Emmendingen ist Titelfavorit. An jedem Brett waren wir schwächer besetzt", sagt der Internationale Meister. Die Südbadener traten mit sieben Großmeistern aus der Ukraine, Frankreich und Ungarn an.

Jeder Spieler musste einen Negativtest vorweisen, "da waren wir ein bisschen nervös", sagt der Erste Vorsitzende Jonas Reimold. Er war nicht nur in der Organisation gefragt, sondern trat auch spontan als Ersatzspieler an beiden Partien an. "Es war für alle ein Neuanfang", sagt er. In der Corona-Zeit hätten viele Spieler im Internet miteinander gespielt, Blitzschach im Netz sei aber nicht zu vergleichen mit dem Duell am realen Brett. Reimold selbst hat seit März 2020 nicht mehr gespielt.

Der Vereinsvorstand ist froh, dass alles reibungslos funktioniert. "Alle haben sich wohlgefühlt. Es waren gute Bedingungen", meint er und ist froh, dass die Saison - mit anderthalb Jahren Verspätung - jetzt "gut über die Bühne" gebracht worden ist und hofft, dass die neue Saison Mitte Januar mit "neuen Bedingungen" starten kann.

SV Walldorf steigt ab

Auch der Reisepartner des SC Eppingen, die SV Walldorf, hatte keine Chance. Die Badener verloren 1:7 gegen Emmendingen und 0,5:7,5 gegen Baden-Baden. Drei Unentschieden trotzten die Walldorfer ihren Gegnern ab. Als Achter steht der Abstieg fest. In allen Partien hatten die Walldorfer die geringere Elo-Punktzahl, die Auskunft über die Stärke eines Spielers gibt. Ein Großmeister muss mindestens einmal zu einem beliebigen Zeitpunkt 2500 Punkte erreicht haben.


Kraft

Christoph Kraft

Editor

Christoph Kraft hat im Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme angefangen. Seit Oktober 2021 ist er Editor am Produktionsdesk und hat die überregionalen Nachrichten im Blick.

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