Entwicklungen in der Dunkelkammer

Tischtennis  Zweitligist Neckarsulmer Sport-Union legt noch vor der 2:6-Niederlage beim 1. FC Köln Protest wegen der schlechten Lichtverhältnisse ein.

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Beim Spiel in Köln fehlte Liang Qiu und seinen Kollegen der Durchblick, weil es in der Halle zu dunkel war. Wie das 2:6 nun gewertet wird, das muss der Verband entscheiden.

Foto: Alexander Bertok

Ohne Regeln funktioniert kein Sport, meist braucht es auch einen Schiedsrichter und in ganz seltenen Fällen muss ein Verbandsentscheid her. Das wird nach dem 2:6 der Zweitligamänner der Neckarsulmer Sport-Union beim 1. FC Köln der Fall sein.

Schon vor Spielbeginn am Sonntagnachmittag beim Aufstiegsfavoriten legten die Unterländer Protest ein. "Es war eher eine Dunkelkammer zum Fotos entwickeln", sagt Neckarsulms Trainer Alexander Mohr über den Spielort im Apostelgymnasium in der Kölner Biggestraße. Die Bundesspielordnung besagt, dass "die Mindeststärke der Beleuchtung für den Spielraum" 600 Lux betragen muss, empfohlen sind sogar 1000 Lux. Die Neckarsulmer Ballei verfügt beispielsweise als Spielort der Sport-Union über 800 Lux.

 

In der Spielerbox hatte es nicht einmal 300 Lux

Der 1. FC Köln hat eine Ausnahmegenehmigung, die einen Spielbetrieb mit 500 Lux ermöglicht. "Aber in der Spielerbox hatte es nicht einmal 300 Lux", sagt Alexander Mohr. Entsprechende Messungen des Oberschiedsrichters sollen die geringen Werte auch dokumentieren. Lichtmesser gehören nicht zur Standardausrüstung des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), es haben aber viele Schiedsrichter ein entsprechendes Gerät dabei. "Für unsere Spieler war es schwierig, etwas zu sehen", sagt Alexander Mohr. Liang Qiu beschwerte sich beispielsweise, dass er auf der einen Tischseite den Ball nicht richtig wahrnehme.

Die Lichtverhältnisse sind beim schnellsten Rückschlagsport der Welt schon ein Faktor, weil sich vieles in Millisekunden entscheidet. "Die Kölner haben noch auf ein paar Knöpfe gedrückt, heller wurde es in der Halle aber nicht", sagt Alexander Mohr am Tag danach. Spielbeginn war 14 Uhr. Der Kölner Abteilungsleiter Thomas Mertens sagt auf Anfrage: "Ob die eine oder andere Röhre kaputtgegangen ist, das weiß ich nicht." Vor zwei Wochen fand in dieser Sporthalle noch ein DTTB-Pokal-Vorrundenturnier statt. Ohne Proteste der drei anderen Vereine. Die Tischtennisabteilung des 1. FC bekommt die Halle von der Stadt Köln zur Verfügung gestellt. "Wir haben da wenig Einflussmöglichkeiten", sagt Mertens.

Der Neckarsulmer Protest liegt in der Verbandszentrale in Frankfurt

Die Punkte am grünen Tisch zu verlieren, die man sportlich eigentlich gewonnen hatte? Ist der Neckarsulmer Protest nachvollziehbar? "Da sage ich nichts dazu", schweigt sich Mertens aus. Alexander Mohr ist der Meinung: "Es gibt klare Vorgaben, die sollten in der 2. Liga erfüllt sein."

Der Neckarsulmer Protest liegt nun erstmal in der DTTB-Zentrale in Frankfurt. Spielleiter Patrick Festel weilte gestern noch im Urlaub, er wird demnächst eine Entscheidung über die Spielwertung treffen. Gegen diese könnte die Parteien dann Rechtsmittel vorm Sportgericht einlegen. "So einen Fall gab es noch nie", sagt Matthias Bomsdorf vom DTTB. Lichtausfälle kamen schon vor, aber permanent zu wenig Licht? Das ist laut Verband auf diesem Niveau ein Novum. Ein Präzedenzfall also.

Ein sportlicher Entwicklungsprozess bei den Neckarsulmer trotzdem zu sehen

Der Zeitpunkt des Neckarsulmer Protests ist dabei durchaus von Relevanz. Protest muss nämlich eingelegt werden, wenn die Regeln verletzt werden. Ein Protest wegen zu wenig Helligkeit erst hinterher wäre wohl ohne Aussicht auf Erfolg.

Dabei war durchaus auch ein sportlicher Entwicklungsprozess der Sport-Union in der Kölner Dunkelkammer zu erkennen. Viel fehlte nämlich nicht und aus dem zwischenzeitlichen 0:4 wäre noch ein 5:5 geworden, was das Endergebnis von 2:6 so ja eigentlich nicht vermuten lässt. Liang Qiu hatte bei seiner Fünf-Satz-Niederlage gegen Tobias Hippler das 3:5 auf dem Schläger, Josef Braun zudem sein Einzel gegen Lennart Wehking bereits gewonnen, es wäre das 4:5 gewesen, das aber nur bei einem Qiu-Sieg in die Wertung gekommen wäre. "Wahrscheinlich hätte Andrey Semenov dann das 5:5 gemacht", sagte Alexander Mohr.

So wird nun an anderer Stelle entschieden, wie dieses Zweitligaspiel zu werten ist. Viel spricht dafür, dass am Ende sportjuristisches Licht ins sportliche Dunkel kommt.

Was ist Lux?

Die Maßeinheit Lux (lx) gibt die Beleuchtungsstärke an: 1 Lux bedeutet, dass eine Fläche von 1m² gleichmäßig mit 1 Lumen beleuchtet wird. Während also die Helligkeit eines Leuchtmittels mit Lumen angegeben wird, bezeichnet Lux das Licht, welches auf einer Fläche - zum Beispiel dem Tisch - ankommt.

1. FC Köln - Neckarsulm 6:2

Walker/Wehking - Semenov/Qiu

11:9, 11:9, 11:4 1:0

Hippler/Helbing - Mohr/Braun

11:8, 6:11, 11:8, 11:7 2:0

Walker - Qiu 8:11, 11:6, 11:5, 8:11, 11:6 3:0

Hippler - Mohr 11:6, 11:7, 11:8 4:0

Wehking - Semenov 8:11, 10:12, 9:11 4:1

Helbing - Braun 6:11, 4:11, 11:6, 15:13, 8:11 4:2

Walker - Mohr 11:4, 11:4, 11:8 5:2

Hippler - Qiu 13:11, 7:11, 8:11, 11:6, 11:9 6:2

Schwacher Samstag

Im Kollektiv erwischte das Neckarsulmer Quartett am Samstag beim 1:6 in Jülich einen gebrauchten Tag. Nach dem 1:1 in den Doppeln und dem Punkt von Julian Mohr und Josef Braun ging nichts mehr. "Die Einstellung hat nicht gepasst. Es gibt halt Tage, an denen es nicht so läuft", sagte Trainer Alexander Mohr. Weiter geht es erst am 24. Oktober, weil das für den 10. Oktober geplante Heimspiel gegen Berlin verschoben wurde, da die Hauptstädter an diesem Termin im Pokal spielen. fhu


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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