Eishockey-Träume in schwarz-rot-gold

Eishockey  Die Bundesliga-Spielerinnen Annabella Sterzik und Xenia Merkle verbindet ihre gemeinsame Vergangenheit und ihre Anfänge auf dem Eis. Zwei junge Frauen zwischen Nationalteam, deutscher Meisterschaft und Eishockey mit Herz.

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Die Eine niedergeschlagen und mit den Tränen kämpfend, die Andere gelöst und lächelnd. Freud und Leid liegen am vergangenen Wochenende in der Mannheimer SAP Arena, wie so oft im Sport, einmal mehr sehr nah beieinander. Die Extreme sind umso größer, weil die Mad Dogs Mannheim und die Eisbären Juniors Berlin um das letzte Ticket zum Final Four um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft kämpfen.

Mittendrin: Xenia Merkle und Annabella Sterzik. Beide sind feste Größen ihrer Teams in der Bundesliga und könnten doch gegensätzlicher kaum sein. Hier Merkle, 20, redselig und bei den Mannheimerinnen eher defensiv orientiert. Dort Sterzik, 17, in ihrem Auftreten eher dezent und bei den Eisbären aus der Hauptstadt in der Offensive für das Toreschießen zuständig.

Doch trotz aller Unterschiede eint die Frauen aus Bad Rappenau und Heilbronn ihre Vergangenheit: Denn 2008 machten beide zusammen am gleichen Tag ihre ersten Schritte auf dem Eis, 13 Jahre später stehen sie sich in der höchsten deutschen Eishockey-Liga gegenüber.

Xenia Merkle und die Mad Dogs Mannheim verpassen den Final-Four-Einzug nur knapp

Während Xenia Merkle der Finalrunde nun aber nur aus der Distanz wird beiwohnen müssen, ist Annabella Sterzik hautnah dabei, wenn am 13. und 14. März in Füssen der neue deutsche Eishockey-Meister gesucht werden wird. In den beiden direkten Duellen ihrer Mannschaften behielt Sterzik am Samstag wie auch am Sonntag die Oberhand und traf bei den 5:4- und 6:0-Siegen der Berlinerinnen sogar dreimal selbst. "Es wäre definitiv mehr drin gewesen", ärgert sich Merkle, dass ihre Mannheimerinnen im Samstagsspiel einen zwischenzeitlichen 4:3-Vorsprung noch verspielt hatten und den Einzug in die Finalrunde damit bereits vorzeitig in weite Ferne rücken ließen.

Eishockey-Träume in schwarz-rot-gold

Annabella Sterzik (Bild oben, rechts) debütierte gegen die Schweiz für die A-Nationalmannschaft, Xenia Merkle (unten, Mitte) ist Leistungsträgerin bei den Mad Dogs Mannheim.

Fotos: Jonathan Vallat/Swiss Ice Hockey; imago images/Johannes Traub

In den vergangenen Jahren habe die Mannschaft aber einen riesigen Sprung gemacht und sich konstant weiterentwickelt. "Wir haben vielleicht keine großen Namen im Team, dafür spielen wir immer mit Herz und glauben an unseren Trainer und seine Arbeit", sagt Merkle, die aus persönlicher Sicht nach Einsätzen in allen 24 Hauptrunden-Spielen durchaus ein positives Saisonfazit ziehen darf.

Trotz Verletzung in die Hauptstadt

Dasselbe tut auch Annabella Sterzik. "Wir fahren zum Final Four, um dort zu gewinnen", sagt die Kirchhausenerin, "denn wenn wir nicht gewinnen wollten, müssten wir gar nicht erst hinfahren". Aussagen, die bei der extrem ehrgeizigen 17-Jährigen, die von allen nur "Anni" gerufen wird, weniger arrogant als vielmehr entschlossen klingen. Seit August des vergangenen Jahres spielt Sterzik in Berlin, zog dort in ein Sportinternat, um parallel zur Eishockey-Karriere auch am Abitur zu arbeiten. "Am Anfang war es wirklich schwierig, weil ich niemanden kannte und auch ein bisschen Heimweh hatte", erinnert sie sich. Ein halbes Jahr später sei von alldem aber nichts mehr geblieben; längst ist sie integriert, hat sich eingelebt und Freunde gefunden: "Ich bin froh, dass ich den Schritt gegangen bin", resümiert sie inzwischen.

Überzeugt hat Sterzik in Berlin schließlich auch durch ihre Leistungen auf dem Eis - alles andere als eine Selbstverständlichkeit, nachdem sie zwischen September 2019 und Herbst 2020 erst einen Kreuz- und Außenbandriss, später dann Probleme mit der Schulter kurieren musste. Eine mentale Herausforderung, die durch einen intensiven Austausch mit Ärzten aber der Vergangenheit angehört: "Wenn ich jetzt mit angezogener Handbremse spielen würde, dann müsste ich es eigentlich komplett sein lassen, das ergäbe keinen Sinn." Diese Entschlossenheit und Konsequenz - vor dem Tor und abseits des Eises - haben Sterzik, die sich in all ihren Teams gegen ältere Mit- und Gegenspieler behaupten musste, bis in die Beletage des Eishockeys geführt.

Ein Traum wird wahr: Annabella Sterzik debütiert in der Nationalmannschaft

Denn ihr ohnehin voller Terminkalender wurde Mitte Februar noch enger, als sie von Interimsbundestrainerin Franziska Busch erstmals eine Einladung zur A-Nationalmannschaft erhielt. "Ich war natürlich richtig aufgeregt", blickt Sterzik lächelnd zurück - U- oder A-Nationalmannschaft, das ist dann doch ein kleiner Unterschied. Aber drei Länderspiele und viel positives Trainer-Feedback später fühlt sich die Angreiferin auch im Kreise der deutschen Eishockey-Elite wohl: "Es war jetzt erst einmal nur ein Lehrgang und natürlich ist noch gar nichts sicher, aber es wäre schön, wenn ich in Zukunft ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft werden könnte."

Dass sich der Kreis für Annabella Sterzik und Xenia Merkle eines Tages gar in schwarz-rot-goldenen Farben schließen könnte, ist zurzeit noch Zukunftsmusik. Eine Olympia-Teilnahme wäre für die Wahl-Berlinerin Sterzik aber "das Größte, was man im Frauen-Eishockey erreichen kann". Und U-Nationalspielerin Merkle würde sich über eine Einladung zur A-Auswahl freuen, auch wenn sie noch Hindernisse sieht: "Es ist schade, dass wir Mannheimerinnen nicht den Status haben, den andere Vereine haben. Dabei ist unser Team nicht schlechter."

Werdegang

Seit Xenia Merkle und Annabella Sterzik vor 13 Jahren in Heilbronn zeitgleich ihre ersten Schritte auf dem Eis gingen, haben sich beide unabhängig voneinander zu Bundesliga-Spielerinnen entwickelt. Merkle schnürte ihre Schlittschuhe zwischen 2012 und 2019 für die Jungfalken des Heilbronner EC, ehe es sie 2018 zu den Mad Dogs Mannheim zog. Sterzik spielte von 2014 bis 2018 in den Nachwuchsteams des HEC, stürmte bis 2020 für die Young Steelers des SC Bietigheim-Bissingen und geht seitdem für die Eisbären Berlin Juniors auf Torejagd.


Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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