Einige Unsicherheiten in schwierigen Zeiten für die Merlins

Basketball  Die Crailsheimer arbeiten auf eine erfolgreiche neue BBL-Saison hin, es gibt aber einige Unwägbarkeiten. Das Team muss neu zusammengestellt werden, dazu könnte eine Halle am Hangar neues Domizil werden.

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Fabian Bleck hat bei den Merlins Crailsheim verlängert. Beim Bundesligisten zeichnet sich allerdings ein Umbruch im Kader ab.

Foto: Marc Schmerbeck

Martin Romig wünscht sich eine kleine Auszeit. Gerne würde er ein paar Tage Urlaub machen. Doch das kann sich der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Hakro Merlins Crailsheim derzeit nicht leisten. Zu viele Baustellen gibt es zu beackern. So sind er und die sportliche Leitung mitten drin, eine neue Mannschaft für die kommende Saison zusammenzubasteln, dazu stellen sich unzählige Fragen, wie der Spielbetrieb in Zeiten der Corona-Regeln organisiert und wie alles finanziert werden kann.

Reduzierter Betrieb

Zumindest von Seiten der BBL gab es in dieser Hinsicht ein Entgegenkommen. So wurde der Minimaletat von drei Millionen, den die Erstligisten vorweisen müssen, ausgesetzt. Dabei sollen Zuschauereinnahmen mit maximal 40 Prozent über die gesamte Saison eingerechnet werden. Auch benötigen die Clubs weniger hauptamtlich Beschäftigte. Bisher waren es ein Geschäftsführer und daneben vier weitere Personen in Vollzeit. Diese Saison reichen auch drei. Außerdem reichen auch zwei statt drei hauptamtliche Jugendtrainer.

Doch Romig stellt auch in unsicheren Zeiten klar: "Ich möchte nicht an der Strukturen rütteln." Will heißen, was über die Jahre aufgebaut wurde, soll eher weiter wachsen als schrumpfen. Entlassungen soll es keine geben, auch wenn die BBL einige Vorgaben gelockert hat.

"Aber es gibt absolut einige Unsicherheiten", sagt Romig. "Auch bei den Verhandlungen." So arbeiten er und sein Team, daran ein ähnlich starkes Team wie in der vergangenen Saison zu verpflichten. Denn es steht erneut ein großer Umbruch an. Der Grund dafür ist Romig klar: "Die Saison war zu gut. Wir sind gerupft worden wie eine Weihnachtsgans."

Crailsheim als attraktiver Standort für den nächsten Karriereschritt

Nur wenige Spieler werden erneut in Crailsheim auflaufen. Sie haben sich für Verträge bei großen Standorten - nicht nur in Deutschland angeboten. "Aber wir konnten auch zeigen, dass Crailsheim ein attraktiver Standort ist, um den nächsten Karriereschritt einzuleiten. Weil wir Spieler wie zum Beispiel DeWayne Russell und Sebastian Herrera so gut gemacht haben", sagt Romig. Beide haben sich bereits aus Crailsheim verabschiedet.

Bis zum Vorbereitungsstart hätte Martin Romig seinen Kader gerne zusammen. "Damit wird nicht unter Druck geraten." Bisher hat Fabian Bleck für eine weitere Saison zugesagt und mit Trae Bell-Hayner gibt es einen Neuzugang. Realistisch ist, dass vom Stammpersonal der vergangenen Saison insgesamt höchsten drei, vier Spieler in Crailsheim bleiben.

Vieles hängt von Datum des Saisonstarts ab

Bei der Personalplanung taucht eine weitere Frage auf: Wann beginnt die Saison? Damit verbunden ist, wann die Spieler nach Crailsheim beordert werden. "Trotz der langen Unterbrechung würde ich lieber einen Monat später als zu früh starten", sagt Romig. "Eigentlich sollte die Saison Mitte September starten. Ich wäre nicht unglücklich, wenn wir da so wenige Spiele wie möglich hätten." Denn nach den momentanen Regeln, wären zu diesem Zeitpunkt höchsten 500 Personen in der Halle zulässig - bei Abstandsgebot.

Ein Problem für die Crailsheimer, die zu jedem Heimspiel die Arena Hohenlohe in Ilshofen umbauen müssen. Ein Aufwand der mit wenigen Zuschauern auch finanziell immens wäre. Gestern gab die 2. Liga bekannt, dass sie den Saisonstart auf den 16. Oktober geschoben hat. Es ist durchaus denkbar, dass dies auch für die BBL kommt.

Neue Halle am Hangar in Crailsheim?

Neben den kurzfristigen Entscheidungen hat Romig aber auch den Blick für mitttel- und langfristige Dinge. Da wäre beispielsweise die neue Halle. Mittlerweile gibt es für den Hangar in Crailsheim konkrete Planungen, bei denen die Merlins eine große Rolle als Ankermieter spielen. Dort könnte ein Kulturzentrum mit mehreren Hallen - unter anderem einer 3500 Zuschauer fassenden Arena für die Merlins - enstehen, wie das "Hohenloher Tagblatt" berichtete. Bis Mitte Juli muss sich allerdings die Stadt Crailsheim entscheiden, ob sie das Objekt kauft.

"Corona darf nicht andauern", sagt Romig. "Aber wir sprechen da auch über strategische Entscheidungen für die nächsten 20, 30 Jahre. Es wäre der Sache nicht gerecht, hier corona-abhängig zu entscheiden. Für die Entwicklung, wie sie sich jetzt abzeichnet, wäre es ein super positives Zeichen, sollte die Entscheidung Richtung Hangar fallen. Da hätten wir ein super spannendes Projekt."

Der Kauf des Hangars würde die Stadt Crailsheim rund acht Millionen Euro kosten. Der Bau der Basketball-Halle wird auf rund zehn Millionen Euro geschätzt. Einen Großteil davon wollen die Merlins mit Hilfe ihrer Sponsoren stemmen. Es gibt also viel zu tun für Martin Romig und sein Team. Ein paar Tage Urlaub wird er sich vor dem Beginn der neuen Saison trotzdem abzweigen können.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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