Wie die deutschen Snowboarder auf Olympia hinfiebern

Snowboard  Bei der Einkleidung in Schwäbisch Hall haben die deutschen Snowboarder schon mal nach Peking geschaut, wo es im Februar 2022 um olympische Medaillen gehen wird.

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Skeptischer Blick: Auch Paul Berg wurden während der Einkleidung der deutschen Snowboarder im Sudhaus in Schwäbisch Hall acht Fragen zu Peking 2022 gestellt. Doch der Crosser droht die Spiele wegen einer Verletzung zu verpassen. Foto: Müller-Appenzeller

Paul Berg war nicht unzufrieden: Mit sechs von acht möglichen Glückskeksen in der Hand kam der Athletensprecher von Snowboard Germany aus der chinesischen Quiz-Nummer heraus.

Die Olympischen Spiele überlagerten gestern die Einkleidung der Athletinnen und Athleten von Snowboard Germany im Sudhaus von Schwäbisch Hall. Mehr als 60 Sportler von 13 bis 30 Jahren aus den Sparten Snowboardcross, Race und Freestyle bekamen auf Einladung des Partners "Würth Modyf" Kleidung und Ausrüstung, aber an einer Videostation auch Fragen zu Peking 2022 gestellt - für jede richtige Antwort gab es einen Glückskeks.

Crosser Paul Berg ("Die Location hier ist echt cool") hatte seine glückliche Ausbeute während der Pressekonferenz gerade unter seinem Stuhl deponiert, als er plötzlich innehielt.

Saisonauftakt in den unterschiedlichen Disziplinen

Mit emotionalen Bildern wurde zurück, aber auch unter dem Motto "Let the games begin - It's time to perform" nach vorne geschaut. Ja, lasst die Spiele beginnen, es ist Zeit, Leistung zu bringen: "Wir wollen mit mindestens 15 Athletinnen und Athleten am Start stehen", gab Andreas Scheid, Sportdirektor von Snowboard Germany, den Assen mit auf den Weg in den Winter.

Während die Freestyler kürzlich in Chur (Schweiz) schon mit einem Big Air in die Saison gestartet sind, steht der Auftakt der Weltcups für die Racer (11./12. Dezember in Bannoye/Russland) und die Snowboardcrosser (26. bis 28. November in Peking) noch aus. "Secret Garden" heißt der Ort, an dem es von 4. bis 20. Februar für die Snowboard-Familie um olympische Medaillen geht. Beim Test-Event im "geheimen Garten" wird Paul Berg allerdings nicht dabei sein.

Der 30-Jährige vom SC Konstanz hat sich im Frühjahr bei den deutschen Meisterschaften beide Füße gebrochen. "Ich habe drei Schrauben in meinem linken Sprungbein, es wird eine 50:50-Sache, ob ich es zu Olympia schaffe." Der Weltcup-Auftakt kommt für ihn zu früh.

Mediale Aufmerksamkeit ist vor einer olympischen Saison höher

Für Annika Morgan könnte es "am liebsten morgen in Peking losgehen", sagte die 19-jährige Freestylerin, die wie Leon Vockensperger in Chur die nationale Norm mit Platz sechs bereits geknackt hat. André Höflich, in der Halfpipe zu Hause, hielt in Schwäbisch Hall fest: "Die mediale Aufmerksamkeit ist vor einer olympischen Saison höher als normal."

Und das internationale Fahrerfeld, das gemeinsam trainiere, sei entsprechend mehr angespannt. Weil es nur alle vier Jahre diese größtmögliche Bühne gibt. "Wir werden einige neue Tricks, die bahnbrechend sind, bei den Olympischen Spielen sehen", weiß der 24-jährige Höflich, der freilich auch an einer neuen Höchstschwierigkeit feilt, die nur drei weitere Asse beherrschen. Lediglich zugeschaltet war Ramona Hofmeister. Die zweimalige Gewinnerin des Parallel-Weltcups habe sich vor einer Woche einer Rücken-Operation unterzogen. "Mein Weltcup-Start ist aber nicht in Gefahr", sagte die 25-jährige Goldhoffnung.

Nur eines der insgesamt 28 Weltcup-Events der Boarder wird in Deutschland stattfinden: das Finale der Racer am 19./20. März in Berchtesgaden. Das Heimrennen der Crosser auf dem Feldberg fällt aus verschiedenen Gründen aus. Das bedauert auch Hanns Michael Hölz, der Präsident von Snowboard Germany, sehr. Was ihn wiederum nach dem vorigen Erfolgswinter freut: "Weltweit sind wir derzeit die Nummer drei. Das ist der Wahnsinn!"

Es geht was. Was geht in Peking?

Bei Paul Berg ist nach zwei Olympia-Teilnahmen Gelassenheit angesagt. Das war auch bei den Fragen des Peking-Quiz" der Fall, als es unter anderem um den Unterschied der chinesischen Schriftzeichen für Damen- und Herrentoilette ging. Auf dem Zettel im ersten geöffneten Glückskeks stand übrigens: "Genießen Sie eine Woche Wolke sieben." Jetzt oder im Februar?


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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