Ein Verein für nicht-heterosexuelle und queere Menschen

Sport  Abseitz in Stuttgart ist ein Verein für die LGBTQ-Community. Nicht-heterosexuelle und queere Menschen fühlen sich in dem Sportverein wohl. Auch Heilbronner suchen dieses Angebot.

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Mitglieder von Abseitz beim Rainbow Run in Paris 2018. Den Mitgliedern, von denen auch einige aus der Region stammen, sind vor allem Ausflüge zu Großsportereignissen eine große Freude und ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens.

Die Zeiten hätten sich zwar geändert, trotzdem möchte Hans Hargenstedt an dieser Stelle nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden. Seit beinahe 15 Jahren ist der Heilbronner Mitglied beim Stuttgarter Sportverein Abseitz für Schwule, Lesben, bi-, trans- und intersexuelle Menschen sowie ihre Freunde, Bekannten und Unterstützer.

"Ein Bekannter aus meinem schwulen Wanderclub brachte mich auf Abseitz", erinnert sich Hargenstedt. "Ich selbst bin nicht der Sportlichste." Um in Bewegung zu bleiben, hat der mittlerweile 61-Jährige sich daher der Fitness-Gruppe von Abseitz angeschlossen. Das Training ist sehr vielseitig, es enthält Aerobic- oder Pilates-Übungen zur Stärkung von Koordination und Gleichgewichtssinn.

Hargenstedt ist nicht so sehr Freund kompetitiver Sportarten oder des Mannschaftssports. Daher sieht er sich bei Abseitz gut aufgehoben. Der Verein bietet überwiegend Freizeitsport an, bringt aber auch immer mehr Leistungsträger hervor. Hans Hargenstedt geht es um die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. "Bei Abseitz kann ich offen reden. Das geht in anderen Vereinen meist nicht, oder man traut es sich nicht." Besonders als junger Mensch fehle einem die Courage, sich hinzustellen und zu sagen: "Hallo, ich bin schwul."

Heute sei die Gesellschaft liberaler geworden. "Schwule dürfen jetzt auch heiraten." Die Vereine haben sich verändert. "Früher waren sie zum Teil sehr homophob. Bestimmt gab es auch viele Schwule dort, aber ich denke, die haben sich nicht getraut, sich zu outen."

Hargenstedt beschreibt sich als politischen Menschen. Der Heilbronner unterstützt auch Transgender-Personen, das sind Menschen, die sich nicht mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, im Kampf um Gleichberechtigung. "Für die Betroffenen ist das sehr wichtig. Sie haben dasselbe Recht darauf, anerkannt zu werden wie ich", sagt Hargenstedt und beschreibt damit den Zusammenhalt im Verein.

Beim Großereignis für homosexuelle Athleten

Teil dieses Zusammenhaltes sind auch Ausflüge. "Vor zwei Jahren sind wir alle zu den Gay Games nach Paris gefahren", erzählt Hargenstedt. Das ist ein an die Olympischen Spiele angelehntes Großereignis für homosexuelle Athleten. In Paris nahmen im Sommer 2018 mehr als 10.000 Sportler in rund 40 Sportarten teil. Einer von ihnen war Michael Schassberger. Für Abseitz schwimmend, holte er Platz zwei über 100 Meter Freistil in der Altersklasse der 45-Jährigen. Bei den deutschen Masters-Meisterschaften wurde er 2019 über 50 Meter Schmetterling Dritter – ebenfalls in der Altersklasse 45.

Für Gleichgesinnte

Michael Schassberger beim schwul-lesbischen Xmas-Turnier in Frankfurt am Main. Gewöhnlich tritt Schassberger bei den Masters in der Altersklasse der 45-Jährigen an.

Fotos: privat

Aus seiner Erfahrung sagt Schassberger: "Wettkampfsport bedeutet auch einen großen Teil an Mackergehabe." In den Anfangsjahren von Abseitz etwa habe es ein paar Begegnungen mit Wasserballern gegeben. "Da haben wir schon auch Sprüche kassiert." Beim Treffen mit Schwimmern habe die Abseitz-Schwimmabteilung dann gesagt, dass solche Kommentare nicht angebracht seien. Auch dank der Leistungen hätten sich diese gelegt: "In der Regel war ich schneller als der Rest. Da kamen dann keine dummen Sprüche mehr."

Schassberger geht davon aus, dass nicht heterosexuelle oder queere Sportler in einem Hetero-Verein "mehr Rückgrat zeigen müssen, um zu sagen, nein ich bin so, ich bleibe so". Eine Anstrengung, die bei Abseitz wegfällt. Bei einigen Wettkämpfen gibt es die Klasse "others". Der Wettkampf ist dann mit Menschen, die sich einem non-binären Geschlecht zuordnen und weder als männlich oder weiblich betrachten, besetzt. "Auch Hetero-Sportlerinnen und Sportler trainieren mit", meint Schassberger, der sich als bisexuell bezeichnet und seine Partnerin in der Schwimmabteilung kennenlernte.

"Als Abseitz sind wir auch auf queeren Demos präsent, sagen, ihr dürft und sollt bei uns mitmachen so wie ihr seid." Schassberger wünscht sich auch von Traditionsclubs bei solchen Ereignissen Präsenz: "Das würde eine große Akzeptanz in diesen Vereinen hervorrufen." Auch dort würde gezeigt, alle seien willkommen, ohne dass sie eine Diskriminierung befürchten müssten.

 

Abseitz

1993 gründeten 15 Volleyball spielende Studenten Abseitz. Mittlerweile hat der Verein 19 Abteilungen und 810 Mitglieder. Auf den Freizeitsport ausgelegt, stellt Abseitz aber auch Teams für den Ligenwettbewerb. Eine Jugendabteilung gibt es nicht. Lesbische Frauen, schwule Männer, bisexuelle Männer und Frauen sowie transsexuelle Menschen, Transgender, Intersexuelle oder queere Menschen, die beim Coming Out oder allgemein Beratung suchen, können sich an Pro Familia Heilbronn wenden. Auch der Verein Uferlos in Karlsruhe ist ein Verein für nicht-binäre, nicht heterosexuelle Menschen.


Daub

André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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