Ein Tor zu wenig für den Bundesliga-Traum der JSG Neckar Kocher

Handball  Die U19 der JSG Neckar Kocher verliert ein dramatisches Finale um den Platz in der Jugend-Bundesliga gegen FrischAuf Göppingen mit 27:28. Seinen Stolz aber verliert das Team trotz des bitteren Endes nicht.

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Schwer zu halten: Rebecca Schäfer strahlte mit neun Treffern die größte Torgefahr aus. Ihr finaler Wurf fand allerdings nicht sein Ziel.

Fotos: Ralf Seidel

Es flossen keine Tränen. Niemand kauerte geknickt am Boden der Neckarsulmer Ballei. Die A-Juniorinnen der JSG Neckar Kocher blieben aufrecht. Über 60 dramatische Minuten gegen FrischAuf Göppingen. Und auch danach.

Das glückselige "Bundesliga-Bundesliga - hey, hey" der Gäste war am Sonntag längst verhallt, da war die U 19 von Cheftrainerin Nadine Wiume noch ein letztes Mal für alle zu hören. "Wir sind ein Team", brüllten die geschlagenen Neckar-Kocher-Mädchen trotz des bitteren 27:28 (13:16) in geschlossener Umarmung. Es war wenig, sehr wenig, was ihnen in der finalen Qualifikationsrunde zur Jugendbundesliga (JBHL) gefehlt hatte. Was sie trotz allem nicht verloren, war ihr Stolz.

Am Ende hat Göppingen einfach das Quäntchen Glück mehr

"Eigentlich hat uns bis auf das eine Tor nichts gefehlt. Wir haben uns gut wieder rangekämpft und ich bin eigentlich voll zufrieden. Wir waren am Ende einfach kaputt und Göppingen hatte dann das Quäntchen Glück mehr", sagte Rebecca Schäfer. Die JSG-Leaderin hätte zur finalen Heldin werden können. Mit neun Toren und einer überragenden zweiten Hälfte hatte sie ihrem Team überhaupt erst das große Drama für die Schlussminute eröffnet. Etwa 30 Sekunden waren noch auf der Uhr, Neckar Kocher mit 27:28 im Hintertreffen und ein letztes Mal im Angriff.

Schäfer übernahm trotz eines Pfostenknallers im vorausgehenden Angriff erneut die Verantwortung und den allerletzten Abschlussversuch. Doch sie verfehlte das Tor: "Ich bin trotzdem froh, dass ich mir den Wurf genommen habe - auch, wenn ich natürlich ein Schuldgefühl spüre. Aber ich bin der Meinung, wir haben das Ding als Mannschaft gerockt. Und wir haben auch als Mannschaft verloren - so sehen das alle von uns."

Allein im ersten Durchgang treffen die Gastgeberinnen fünfmal nur Aluminium

Und alle hatten sich zuvor ebenfalls zahlreiche Fehlwürfe geleistet, waren oftmals ärgerlich knapp gescheitert. Allein fünfmal war der Ball bereits im ersten Durchgang an das Gehäuse der guten Göppingerinnen geklatscht. So und durch eine unnötige Zeitstrafe wurde aus einem ausgeglichenen 4:4 (10. Minute) ein klarer 5:10-Rückstand (18.). "Wir haben aber megastark gekämpft und gezeigt, was wir können", sagte JSG-Keeperin Marlene Fuchs. Auch ihren zahlreichen Paraden war es zu verdanken, dass Göppingen den Sack zu keinem Zeitpunkt komplett zu bekam und es zur Pause nur 13:16 stand. Der gefährlichen Kreisläuferin und Abwehrsäule Lea Grießer kam ebenfalls ein entscheidender Anteil daran zu.

Aus der Kabine kam das Neckar-Kocher-Team dann mit ganz viel Druck. Und einer Rebecca Schäfer in Topform. "Das macht ihr gut so", schrie JSG-Trainerin Wiume stolz aufs Feld, als ihre Mannschaft auf 15:16 verkürzt hatte.

Die JSG musste ins Risiko gehen

Aber auch Göppingen machte es alles andere als schlecht. Besonders Kreisläuferin Nora Erhardt und Rückraum-Shooterin Nicola Merz waren für das Heimteam nur schwer zu halten. So waren die jungen FrischAuf-Frauen nach 47 Minuten wieder auf 20:24 enteilt. Die JSG musste ins Risiko gehen. Und sie tat es mit Erfolg.

"Partnerball mit Libero", nannte JSG-Co-Trainer Branko Dobricic die extrem offensive Verteidigung, in die er die Mannschaft in Überzahl dirigierte. Ein taktische Kniff, der zum 24:25-Anschluss (53.) führte. Immer wieder war Neckar Kocher dran am Ausgleich. Gelingen sollte er aber bis zum Schluss nicht. "Ich bin trotzdem stolz auf die Mädels. Sie haben gekämpft bis zur letzten Sekunde", sagte Nadine Wiume. Sie selbst kämpfte nach dem verpassten Happy End sichtlich mit der Fassung. Ihr Team aber blieb aufrecht.

JSG Neckar Kocher: Fuchs, Sousek, Wagner; Petz (1), Aurenz (3), Remmler (4), Deutschle, Schäfer (9), Gollda, Köse, Thrun, Götzinger (2), Luksch (3/3), Grießer (5).
Siebenmeter: JSG 6/3, FAG 9/6.
Zeitstr.: 8/10.
Rot: Remmler (42.)/Blessing (48.).

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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