Neubeginn nach heftigen Rückschlägen: Kastriot Sopas gelungenes Profidebüt

Boxen  Nach dem schmerzhaft zerplatzten Olympia-Traum feiert Boxer Kastriot Sopa ein gelungenes Profidebüt. Sein Gegner aber hält nicht lange durch.

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Nach der ersten Runde wollte sich der völlig überforderte Bakhtiyar Isgandarzada lieber keine zweite zumuten. So dauerte das Profidebüt von Kastriot Sopa lediglich drei Minuten. "Viel kann ich zu dem Kampf nicht sagen. Da keine Gegenwehr kam, habe ich sofort Druck gemacht, ihn mit zwei Leberhaken zwei Mal in die Knie gezwungen", sagt der 28-jährige Stuttgarter über seinen ersten Kampf am Samstag in Hamburg nach mehr als einjähriger Ringpause.

Den eigentlichen Sieg hatte Sopa schon vor dem ersten Gong errungen. Allein mit der Rückkehr in den Ring. Hinter dem mehrfachen deutschen Meister, der als Amateur für den SV Heilbronn am Leinbach geboxt hat, liegen schwierige Jahre mit bitteren Enttäuschungen und schlimmen Verletzungen.

Schicksalsschläge warfen ihn immer wieder zurück

Als er mit 15 Jahren mit dem Boxen begann und großes Talent offenbarte, wuchs schnell der Traum von einer Olympia-Teilnahme. Kontinuierlich boxte sich Sopa nach oben - doch Schicksalsschläge warfen ihn immer wieder zurück.

Im Halbfinale um die deutsche U 21-Meisterschaft 2010 brach er sich im Halbfinale die Mittelhand. Das Finale gewann er trotzdem. Es folgte ein Jahr Verletzungspause. Ein Daumenbruch forderte anschließend eine halbjährige Rekonvaleszenz. Fortwährende Hüftprobleme erschwerten seine Vorbereitung auf die Qualifikationsturniere für Olympia 2016 in Rio. Im Februar 2016 erlitt er einen Pneumothorax, ein Lungenflügel kollabierte: "Da wäre ich fast hopsgegangen", sagt Sopa.

Ein Antikörpertest bestätigte die Erkrankung Monate später

Ein Neubeginn nach heftigen Rückschlägen

Auf dem Weg nach Tokio bremste ihn das Coronavirus aus - in mehrfacher Hinsicht. Vermutlich bei einem Sparringslehrgang im Februar 2020 in Kasachstan infizierte sich Sopa mit dem Virus und erkrankte an Covid-19. Zu Beginn der Pandemie ließ sich das Virus aber noch nicht nachweisen. Erst Monate später bestätigte ein Antikörpertest in Heidelberg, dass er die Krankheit durchgemacht hatte. Wann genau, blieb offen. "Ich war wochenlang platt. Bei geringsten Anstrengungen ist mein Puls in die Höhe geschossen", sagt Sopa.

Sein Olympia-Traum platzte endgültig durch die Verschiebung der Spiele. "Ich habe immer gesagt, 2020 ist Schluss. Dabei bin ich geblieben." Im Sommer erklärte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, verließ nach acht Jahren den Olympiastützpunkt Heidelberg. "Ich habe dem Nationalteam viel zu verdanken, es gab auch gute Zeiten." Der fünfte Platz bei der EM 2013 etwa, oder die Bronzemedaille bei den Europaspielen 2015 in Baku.

Auf den eigentlich versöhnlichen Abschied folgte ein unschönes Nachspiel. Angesprochen auf die vielen Corona-Fälle im Nationalteam während eines Trainingslagers im September in Tirol, sagte Sopa Ende Oktober auf Anfrage des "Spiegel": "Der Verband stellt den Erfolg über die Gesundheit seiner Athleten."

Der Deutsche Boxsport-Verband wehrt sich heftig

Ein Neubeginn nach heftigen Rückschlägen

Eine Kritik, die auf seinen Erfahrungen beruhte, nicht explizit auf die Durchführung des Trainingslagers gemünzt war, an dem er gar nicht mehr teilgenommen hatte. Trotz eindeutiger Krankheitssymptome habe er im Februar 2020 in Kasachstan weiter Sparringsrunden bestehen müssen. Ähnlich sei es 2016 gewesen. Dass seine Lunge kollabierte, führt Sopa auf eine verschleppte Lungenentzündung zurück. Der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) wehrte sich heftig gegen die Vorwürfe seines Ex-Athleten: "Ich bedauere es sehr, wenn Sportler keine Selbstkritik üben und die Fehler nur bei anderen suchen", entgegnete DBV-Sportdirektor Michael Müller. Versäumnisse von Verbandsseite wurden in keinerlei Hinsicht eingeräumt.

Seine Meinung hat Sopa nicht geändert, doch das Kapitel Amateursport endgültig zugeschlagen. Statt zurück, schaut er lieber nach vorne: "Träume können platzen, also wage einen neuen Traum." Der erste Schritt ist gemacht. Vielleicht ist ihm das Schicksal dieses Mal mehr gewogen.

SVH-Kumpels

Slawa Spomer und Kastriot Sopa trainierten nicht nur viele Jahre gemeinsam am Olympia-Stützpunkt in Heidelberg, sondern boxten auch für den SV Heilbronn am Leinbach. Beide haben Cheftrainer Alexander Seel viel zu verdanken. "Ich kenne Slawa seit Jugendtagen und ziehe mir natürlich alle seine Kämpfe rein. Ich wünsche ihm weiter viel Glück und hoffe, dass ich ihm noch oft zu Siegen gratulieren darf", sagt Sopa.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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