Ein gelungener Zwischenstopp für Slawa Spomer

Boxen  Box-Profi Slawa Spomer dominiert seinen französischen Kontrahenten El Massoudi und bleibt auch im 13. Kampf unbesiegt. Nun ist die Frage: Wie geht es weiter für den Superweltergewichtler?

Email

So sah es meistens aus am Freitagnachmittag in Bruchsal: Der Franzose Fouad El Massoudi (re.) attackiert, Slawa Spomer kontert, setzt die klaren Treffer und gewinnt einstimmig nach Punkten.

Foto: Marion Stein

Der kleine Levar war ein bisschen enttäuscht. "Guck mal", rief er dem Papa zu, doch der schaute gar nicht. Für diese Ignoranz hatte der knapp Dreijährige kein Verständnis, aber Papa Slawa Spomer bestritt im Ring nun mal gerade seinen 13. Profikampf gegen den französischen Eisenschädel Fouad El Massoudi. Wirklich nicht der beste Zeitpunkt, um die neusten Kunststücke des Sprösslings zu bewundern.

"Er war das erste Mal live bei einem Kampf dabei. Das hat mich tierisch gefreut und ich bin stolz, dass er dabei war", sagte Spomer nach seinem klaren Punktsieg. Zu keinem Zeitpunkt ließ der 28-Jährige Zweifel aufkommen, dass die 13 ihm Glück bringen würde.

Trainer Lunka ist sehr zufrieden mit seinem Schützling

"Slawa hat diesen harten Brocken boxerisch und psychisch kontrolliert. Ich bin sehr zufrieden mit ihm", lobte Trainer Zoltan Lunka. Tatsächlich demonstrierte sein Schützling von der ersten Sekunde seine Überlegenheit. Den endlos anrennenden Franzosen hielt er gut auf Distanz, schlug die schnelleren und präziseren Hände und hatte jederzeit die volle Kontrolle im Ring. Zumindest demonstrierte er das nach außen. "Es gab schon Momente, in denen die Luft ein bisschen knapp wurde und ich nicht weiter nach vorne marschieren konnte", gab Spomer zu.

Das Tempo war tatsächlich über die gesamten 24 Minuten Kampfzeit sehr hoch. Beide Boxer kämpften technisch sauber mit offenem Visier. Phasenweise lieferten sie sich einen regelrechten Schlagabtausch. Wären Zuschauer in Bruchsal zugelassen gewesen, die Halle hätte getobt. "Ich mag solche Kämpfe, in denen ich auch mal was nehmen muss. Das ist mir lieber, als wenn ich dem Gegner durch den Ring hinterherjagen muss", sagte Spomer.

Der Franzose glänzte mit Nehmerqualitäten

Das traf auf den 33-jährigen Franzosen in seinem 31. Profikampf wahrlich nicht zu. Ungerührt schluckte der Mann aus Lyon jeden Schlag, ob zum Kopf oder zum Körper, suchte immer seine Chance für einen Lucky Punch. "Der hat mich echt geflasht. Ich dachte, ich kriege ihn durch die ganzen Körpertreffer spätestens ab der sechsten Runde mürbe. Aber der hat scheinbar alles problemlos weggesteckt", zollte Spomer seinem bisher stärksten Gegner Respekt.

Allenfalls nach mehreren Volltreffern in der vierten Runde schien El Massoudi mal ein wenig zu wackeln. Doch er fing sich und startete in den letzten beiden Runden sogar eine Schlussoffensive. Darauf war Spomer aber vorbereitet. "Wenn du gegen ihn eine Schwäche zeigst, dann überrollt er dich." Daher teilte sich der Wahl-Künzelsauer die Kräfte gut ein. "In solchen Kämpfen lässt sich lernen, wann man investieren muss und wann man rausnehmen sollte. Ich muss über meine Grenzen gehen, um mich weiter zu verbessern." El Massoudi soll schließlich nur ein "sehr guter Zwischenstopp" auf dem Weg zu höheren Ehren sein.

Kämpft Spomer im Mai um einen Titel?

Wie Spomers weiterer Karriereweg im Jahr 2021 aussehen soll, ist noch offen. "Wir haben ein gutes, unterschriftsreifes Angebot für Ende Mai. Das werden wir in den nächsten zwei Wochen besprechen", kündigte Promoter Thomas Holefeld an. "Slawa will so schnell wie möglich einen Gürtel", machte Coach Lunka deutlich. Spomer selbst freute sich erst einmal auf eine kleine Pause. Vor allem die heiß geschlagenen Fäuste sehnten sich nach Eiswasser. Und der kleine Levar war auch schnell wieder mit dem Papa versöhnt, als der ihn auf den Arm nahm.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen