Ein Australier für Neckarsulms Schwimmer

Schwimmen  Der erfahrene Matthew Magee wird Chefcoach am Beckenrand der Neckarsulmer Sport-Union. Sein Vorgänger Hannes Vitense bleibt in Neckarsulm wohnhaft, er fokussiert sich aber stärker auf seine Rolle als Bundestrainer.

Email

Matthew Magee

Foto: privat

Sie kennen sich. Und sie schätzen sich. Hannes Vitense und Matthew Magee haben sich bei der Weltmeisterschaft 2011 kennengelernt. Ihre Athleten sind jeweils Vierte geworden. Knapp an den Medaillen vorbei, da fühlt man sich schnell als Brüder im Geiste. "Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis", sagt Hannes Vitense über seinen Nachfolger als Chef-Schwimmtrainer der Neckarsulmer Sport-Union.

Er selbst ist seit Februar 2019 Bundestrainer. Eine Position, die enorm Zeit und Engagement erfordert. Nun übergibt er am Standort Neckarsulm die Verantwortung an den neuen, international erfahrenen Headcoach. "Matt ist ein Trainer mit Ambitionen", sagt Hannes Vitense, "er kommt, um den Stützpunkt weiterzuentwickeln."

In kurzer Zeit viel aufgebaut

Er selbst geht nicht. "Ich fühle mich wohl hier", sagt der 38-Jährige, der sich mit seinem Magdeburger Bundestrainer-Kollegen Bernd Berkhahn auf Olympia 2021 in Tokio fokussiert. Daher wird er mit seiner Familie weiterhin in Neckarsulm wohnen, sich auf die Olympischen Spiele 2021 in Tokio konzentrieren. "Wir versuchen, die Athleten darauf auszurichten", sagt Hannes Vitense. Gedankenspiele, ob Olympia ausgetragen werden kann oder nicht - Spekulationen kosten viel Energie.

Der Trainer trägt da lieber das Gefühl in sich, mit Christian Hirschmann, der auch Vorstandsmitglied der Neckarsulmer Sport-Union ist, in kurzer Zeit viel mit aufgebaut und erreicht zu haben. Hirschmann sagt: "Hannes hat einen engen Bezug zu den Bundeskaderathleten in Neckarsulm, er unterstützt sie auch in seiner zentralen Rolle als Bundestrainer."

Matthew Magee, der in der Szene Matt gerufen wird, ist der Wunschkandidat der Neckarsulmer. Nicht nur, weil seine Athleten bereits zwölf internationale Medaillen gewonnen haben, er in England wie in Amerika erfolgreich gearbeitet hat und 2013 in Australien zum Trainer des Jahres gekürt worden ist. Vielmehr soll er das Neckarsulmer Schwimm-Projekt, das zugleich Landesstützpunkt ist, hochmotiviert auf das nächste Level bringen.

Hirschmann als Assistenztrainer

Magees Verantwortungsbereich werden die Saisonplanung und Durchführung der Vereins- und Eliteschwimmer der NSU sein. Christian Hirschmann wird als Assistenztrainer agieren und sagt: "Matt wird auch mit den Trainern der jüngeren Teams in Kontakt sein und so eine komplette Übersicht der gesamten Vereinsstruktur haben."

Ein Australier für Neckarsulms Schwimmer

Am Fuße des Neckarsulmer Scheuerbergs trainiert die Neckarsulmer Leistungsgruppe wieder. Bald wird dort Matthew Magee am Beckenrand stehen.

Foto: Alexander Bertok

In etwa zwei Wochen soll der 44-Jährige aus Perth im Unterland ankommen. Mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern. In diesen besonderen Zeiten ist das ein besonderes Abenteuer. Christian Hirschmann ist bereits fleißig am Möbel kaufen, um den Neuankömmlingen aus Down Under die Eingewöhnungsphase so leicht und kommod wie möglich zu machen. Über den neuen Trainer sagt er: "Er ist ein cooler Typ und relaxed, was typisch für Australier ist."

Magee ist für die NSU-Schwimmer kein Unbekannter

Auch die Athletinnen und Athleten haben Matthew Magee schon kennengelernt. Einige sogar live, als der Schwimm-Fachmann im Oktober kurz im Trainingslager in der Türkei vorbeischaute. Die Anderen via Videocall. Ein bisschen reden, erzählen, was er bisher so gemacht hat, wie er denkt. Philosophien austauschen. "Was Neues ausprobieren und das Internationale finde ich reizvoll", sagt Henning Mühlleitner. Der Unterländer Sportler des Jahres 2018, der bereits vor seinem Wechsel nach Neckarsulm mit Hannes Vitense am Stützpunkt in Saarbrücken gearbeitet hat, meint zudem: "Vielleicht ist auch die australische Mentalität gut für mich, nicht alles so verbissen zu sehen."

Australien und Schwimmen sind zwei Vokabeln, die bestens harmonieren. Das wissen auch die Sportler. "Ich nehme erstmal alles und alle Herausforderungen an", sagt Mühlleitner. "Erst wenn ich merke, es wäre zu viel oder nicht das Richtige für mich, dann könnte ich immer noch auf ihn zugehen. Aber im ersten Schritt muss man das akzeptieren, was er konzipiert hat. Wenn es etwas Neues ist, sollte man das ausprobieren. Warum nicht?"

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

Kommentar hinzufügen