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Düstere Spekulationen über den Fortgang der Ringer-Saison

Sorgt vierte Corona-Welle für einen Abbruch der Ringer-Bundesliga? Im Spitzenkampf der Gruppe West besiegt Tabellenführer Red Devils Heilbronn mit den starken Aleksandar Golovin und Frank Stäbler den SV Alemannia Nackenheim mit 30:8 überraschend klar.

Alexander Bertok
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Düstere Spekulationen über den Fortgang der Ringer-Saison

Es war deutlicher als erwartet worden und vor weniger Zuschauern als befürchtet. Der Spitzenreiter der Bundesliga Gruppe West, die Red Devils Heilbronn, hatte am Samstagabend mit dem ersatzgeschwächt angetretenen Tabellenzweiten SV Alemannia Nackenheim leichtes Spiel. Die Roten Teufel siegten in der Neckargartacher Römerhalle vor der Minuskulisse von nur etwas mehr als 100 Zuschauern locker mit 30:8.

Die Freude über den Sieg wurde jedoch durch düstere Aussichten getrübt. Die Red Devils pausieren nächstes Wochenende. Ob in 14 Tagen, dann in Witten, nochmals gerungen wird? Die Pandemie macht Corona-bedingt nicht nur den Vereinskassierern ob der niedrigen Besucherzahlen riesige Sorgen, sondern zwingt wegen der deutlich steigenden Infektionszahlen vielleicht auch die Ringer-Bundesliga in die Knie. "Ich wünsche es mir nicht, aber vielleicht war das unser letzter Kampf", meinte Jens Petzold, Ex-Abteilungsleiter der Heilbronner Ringer, über einen möglichen Saisonabbruch: "Mainz hat auf halber Strecke erfahrten, dass ihr Kampf abgesagt ist, da Gastgeber Düren acht Corona-Fälle hat." Devils-Cheftrainer Patric Nuding hat das düstere Abbruchs-Szenario ebenfalls vor Augen, auch bei ihm hielt sich die Freude über den klaren Sieg gegen Nackenheim in Grenzen. "Wir können nichts dafür, wenn der Gegner nicht in Bestbesetzung kommt. Schade, dass es so wenige Kämpfe auf hohem Niveau gab."

Gelungene Golovin-Premiere

Düstere Spekulationen über den Fortgang der Ringer-Saison
Dario Schmidhuber (links, blaues Trikot), ein Meimsheimer in Nackenheimer Diensten, ist gegen Yunus Emre Basar ohne Chance gewesen. Frank Stäbler (rechts, rotes Trikot) zeigt spektakuläre Aktionen und siegt technisch überlegen. Fotos: Jennifer Bertok  Foto: Bertok, Alexander

Groß war dagegen die Freude über die Premiere von Neuzugang Aleksandar Golovin. "Er war einer der Besten, wenn nicht der Beste", lobte Nuding den russischen Vizemeister, der im Kampf des Abends in der Klasse bis 98 Kilo den Olympia-Dritten von Tokio, Denis Kudla, mit 14:4 besiegte.

"Golovin war diese Woche im Iran, ist dort Militär-Weltmeister geworden, flog am Freitag nach Moskau und von dort nach Frankfurt, wo ich ihn am Samstagmorgen am Flughafen abgeholt habe. Er hatte zwei Tage Reisestress, kaum geschlafen, zeigte aber, warum wir ihn geholt haben."

Dario Schmidhuber, der einst in der Landesliga das Trikot des TSV Meimsheim trug und nun im fünften Jahr für Nackenheim ringt, war beim 0:12 gegen Yunus Emre Basar chancenlos, genoss seinen Auftritt in der Heimat aber dennoch. "Ich kenne viele aus Heilbronn und freue mich immer hier zu sein, bin schon einen Tag früher gekommen und habe meine Familie besucht", erzählte der Wiesbadener.

Die deutliche Abfuhr im Mannschaftsvergleich kommentierte er mit einem Achselzucken. "Wir konnten leider nicht mit unserem besten Aufgebot anreisen", bedauerte Schmidhuber und meinte zu seiner Niederlage: "Basar hat mir klar die Grenzen aufgezeigt."

Düstere Spekulationen über den Fortgang der Ringer-Saison
Aleksandar Golovin (rotes Trikot) feiert seine Premiere im Team der Red Devils und besiegt den deutschen Olympia-Dritten Denis Kudla überraschend klar mit 14:4 Punkten. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Mit jedem Mattenduell kommt Frank Stäbler seinem Karriereende einen Schritt näher. Da ist jeder Kampf ein besonderer. "Gerade steht die Welt Kopf und wer weiß schon, ob es nächste Woche mit dem Ringen noch weitergeht", sagte ein nachdenklicher Stäbler nach seinem Erfolg mit technischer Überlegenheit (16:0) gegen Ruslan Kudrynets. "Das kann mir heute keiner garantieren. Daher bin ich mit der Einstellung in den Kampf gegangen, vielleicht ist der letzte in meinem Leben. Ich habe alles rausgehauen. "

Einen Rücktritt vom geplanten Rücktritt wird es nicht geben. "Sonst müsste ich nächstes Jahr wieder richtig anfangen zu trainieren und das ist nicht der Plan", sagte Stäbler. "Ich bin gerade in der Phase gesund abzutrainieren und dennoch das Level für die Bundesliga zu halten." Sollte es vor dem nächsten Mannschafts-Vergleich tatsächlich zum Corona bedingten Saison-Aus kommen, kann Stäbler zumindest sagen: "Ich bin mit einer spektakulären Leistung gegen einen internationalen Topmann abgetreten und die Zuschauer haben alle gejubelt."

Auch für Stäbler bleibt zu hoffen, das die Bundesliga weiter geht. Einer wie er hat zu seinem Abschied ein größere Fan-Bühne verdient, als die wenigen Zuschauer, die ihm am Samstag Beifall klatschten.

 

Nur zwei Kämpfe gehen über die volle Distanz

Die ersten vier Punkte gingen an Nackenheim, da Heilbronn die Klasse bis 57 Kilo nicht besetzt hatte. Eduard Popp glich nach 1:22 Minute per Schultersieg aus. Erstmals Bundesliga-Luft schnupperte der 16-jährige Lucas Wolf, der sich gut verkaufte, aber vorzeitig unterlag. Es folgte der Gala-Auftritt von Aleksandar Golovin. Im Duell zweier Weltklasseathleten nutze der Red Devil seinen 10-Kilo-Gewichtsvorteil und ließ dem Olympia-Dritten Denis Kudla bis zum 14:0 keine Chance. In den letzten zwei Minuten machte sich der zweitägige Reisestress des Neuzugangs bemerkbar. Die Kraft ließ nach, es reichte dennoch zum 14:4-Erfolg. Abdolmohammad Papi siegte bis 66 Kilo kampflos. Taimuraz Friev (1:16) und Cengizhan Erdogan (4:08) siegten vorzeitig, Yunus Emre Basar (gegen den Meimsheimer Dario Schmidhuber) klar nach Punkten. Frank Stäbler gewann spektakulär, unter anderem dank drei Vierer-Wertungen vorzeitig - auch Schultersieger Daniel Sartkov, der den 30:8-Gesamterfolg perfekt machte.

57 kg GR: kein Vertreter - Jan Vielmuth 0:4; 61 kg FS: Lucas Wolf - Mam Hai Milan Vu 0:4 (TÜ 0:15); 66 kg GR: Abdolmohammad Papi - kein Vertreter 4:0; 71 kg FS: Cengizhan Erdogan - Ahmet Hakan Cakici 4:0 (TÜ 16:0); 75A kg GR: Frank Stäbler - Ruslan Kudrynets 4:0 (TÜ 16:0); 75B kg FS: Daniel Sartakov - Lucas Günther 4:0 (SS); 80 kg GR: Yunus Emre Basar - Dario Schmidhuber 3:0 (PS 12:0); 86 kg FS: Taimuraz Friev - Bekir Demir 4:0 (TÜ 16:0); 98 kg GR: Aleksander Golovin - Denis Kudla 3:0 (PS 14:4); 130 kg FS: Eduard Popp - Tamerlan Paschajew 4:0 (SS). 

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