Drei EM-Medaillen sorgen für Heinsheimer Freudenschreie

Gewichtheben  Der Bulgare Stilyan Grozdev hebt für den Zweitligisten Heinsheim und ist nun Europameister.

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Stilyan Grozdev ist eine Stütze im Zweitliga-Team der Heinsheimer Heber und seit Ostersonntag auch Europameister im Zweikampf und im Reißen.

Foto: Klaus Krüger

Typisch! Als Stilyan Grozdev vom Siegerpodest steigt, in den Hintergrund tritt, um artig auf seine nächste Medaille zu warten, bricht in Heinsheim Gelächter aus. Der Bulgare hat seinen Beutel auf dem Podium liegen lassen. Typisch Stilyan, finden Natalie und Ralf Fein wie Martina Dosquet. Nicht bei allen Dingen im Leben ist der 20-Jährige derart fokussiert und konzentriert wie an der Hantelstange.

Doch: Keine Frage, dass die Familie am Ostersonntag gespannt die Auftritte ihres Gewichtheber-Stars bei der Europameisterschaft vor dem Fernseher live verfolgt haben.

Zweimal Gold, einmal Silber

Seit zwei Saisons hebt Stilyan Grozdev für ihren TSV Heinsheim in der 2. Bundesliga, nun ist er Europameister bis 61 Kilo geworden. Im Zweikampf dank 296 Kilo und im Reißen mit 136 Kilo. Dazu kommt nach 160 Kilo Silber im Stoßen - hinter Jon Luke Mau. Der Deutsche aus Schwedt bringt es in der Teildisziplin auf die persönliche Bestleistung von 162 Kilo.

In Heinsheim aber ist der Jubel groß. "Das ist ganz, ganz stark, wir haben uns wahnsinnig gefreut", sagt Martina Dosquet, Abteilungsleiterin der Heinsheimer Heber, voller Respekt und schickt dem 20-Jährigen noch schnell eine Whatsapp nach Moskau. Das Dankeschön kommt prompt retour. Schließlich wohnt der Mann aus Russe an der Donau bei Ralf Fein und Martina Dosquet, wenn er für den TSV an die Hantel geht, genießt dort das Rundum-Sorglos-Paket und wird - ein normaler Saisonverlauf vorausgesetzt - von Herbst an auch wieder das Heinsheimer Trikot tragen. "Am liebsten hätten wir ein Public Viewing gemacht", sagt Martina Dosquet, "aber das geht im Moment ja leider nicht."

Widerwilliger Gang nach Hamburg als Bub

Heben ist ihre Leidenschaft. Ein Band, das sie mit Stilyan Grozdev verbindet. Als dessen Eltern vor einigen Jahren nach Hamburg ziehen, geht der Bub nur widerwillig mit. Sein sportlicher Traum ist stärker, daher kehrt er alleine nach Bulgarien zurück, um bei seinem Heimtrainer wie den Großeltern zu leben - und sich zu einem Weltklasseathleten zu entwickeln. Die Chancen, dass Stilyan Grozdev nun erstmals bei Olympischen Spielen dabei sein wird, stehen gut. Auch, weil keine Quotenplätze mehr vergeben werden, sondern persönliche Startrechte. Und für Tokio zählt der Zweikampf. Dort ist Jon Luke Mau nur Sechster geworden, nachdem er im Reißen gleich zwei Mal gepatzt hat. Also wird der 22-Jährige nicht nach Asien fliegen.

Für Stilyan Grozdev, den bescheiden-ruhigen Athleten, der bei Zweitliga-Wettkämpfen selbstverständlich mit auf- und abbaut, aber beginnt nun die Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. Natalie und Ralf Fein sowie Martina Dosquet wird er berichten, auch wenn Corona samt der damit einhergehenden Quarantänebestimmungen keinen Besuch im Unterland oder gar einen Start in der kurzen Zwischensaison zulassen.

Iliyan Tzankov als Verbindungsmann

Smartphones helfen in diesen Zeiten. "Er spricht etwas Deutsch", sagt Martina Dosquet - und für fehlende Vokabeln gibt es noch Hände, Füße oder Iliyan Tzankov, den bulgarischen Heber, der seit einem Jahrzehnt in Heinsheim wohnt und einst die erste Verbindung zu Grozdev geknüpft hat. Weil er Martina Dosquet bei einer internationalen Meisterschaft trotz seiner Jugend schon damals immens beeindruckt hat.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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