Diese Inklusions-WG in Neckarsulm soll erst der Anfang sein

Neckarsulm  Nicht nur im Sport hat das Thema Inklusion in Neckarsulm einen hohen Stellenwert: Vor wenigen Monaten gründeten Sportler eine Inklusions-WG, weitere Wohngemeinschaften sollen folgen. Nur sind sie gar nicht so leicht zu realisieren.

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Franziska Weidner (von links), Albert Schnakenberg, Thorsten Lux, Marcel Odenwälder sowie Heike Acker und Vermieter Robin Reichert im Wohnzimmer.

Foto: Katrin Draskovits

Seit fast einem Monat leben Thorsten Lux, Marcel Odenwälder und Albert Schnakenberg nun gemeinsam in ihrer WG. Soweit nichts Besonderes, wäre es nicht Teil eines neuen Projekts der Behindertensportgemeinschaft (BSG) Neckarsulm und der Neckarsulmer Sport-Union: Inklusives Wohnen. Was die Mitbewohner vereint, ist die Liebe zum Sport.

In der Wohngemeinschaft der Jungs, die idyllisch im Stadtteil Neuberg mit Blick auf die Weinberge liegt, ist gerade relativ viel Trubel. Vermieter Robin Reichert ist da und hat Lampenverkleidungen dabei. "Sind es die, die ihr wolltet?", fragt er die drei Jungs. Währenddessen stehen Heike Acker, die seit Jahren in der BSG aktiv ist, und Franziska Weidner, Inklusionsbeauftragte der BSG, im oberen Teil der Wohnung, wo sich Wohnzimmer, Küche und Esszimmer befinden.

Die schwierige Suche nach einer Wohnung

Im Juni 2020 wurde Franziska Weidner, Profischwimmerin der Neckarsulmer Sport-Union, Inklusionsbeauftragte der BSG Neckarsulm. "Vergangenes Jahr hatten wir eine Unified-Staffel als Teil der württembergischen Meisterschaften", erklärt Weidner. "Das war so mitreißend, da war so eine gute Stimmung, da habe ich beschlossen, dass ich mich gerne engagieren würde." Und Weidner wollte das Thema Inklusion wirklich angehen. "Wir hatten die Vision, dass Sportler mit Behinderung mit Sportlern ohne Behinderung zusammen wohnen - der Sport ist quasi die Grundlage", so Weidner. Das Ziel, dass Sportler der NSU mit Sportlern der BSG zusammen leben, wurde in dieser Pilot-WG noch nicht ganz erreicht, denn Thorsten Lux war bereits in der BSG aktiv. Aber es ist ein erster Schritt.

Lange mussten die Ehrenamtlichen nach einer passenden Wohnung suchen. "Das war ein schwerer Weg", sagt Heike Acker. Schließlich fanden sie einen Vermieter, der dem Konzept einer Inklusions-WG nicht ablehnend gegenüber stand: Robin Reichert. "Heike hat Kontakt zu mir aufgenommen und mir erklärt, was sie vorhat", erzählt er. "Sie hat mich mit ihrer Begeisterung total mitgerissen, und ich dachte mir, warum nicht?" Reichert hat die Wohnung erst Anfang des Jahres gekauft und renoviert. "Da stecken viel Herzblut und Arbeit in der Wohnung, das passt doch gut zu dem Herzblut, das Heike in die Inklusion steckt."

Inzwischen wohnen die drei Jungs seit einigen Wochen in ihrer neuen WG. Noch fehlt der letzte Schliff an einigen Stellen, doch die drei haben sich schon ganz gut eingelebt und sind froh über die Wohnung. "Irgendwann will man doch selbstständig wohnen", sagt Albert Schnakenberg. Für alle drei Bewohner ist es die erste eigene Wohnung. Thorsten Lux und Albert Schnakenberg haben einen Job, Marcel Odenwälder geht derzeit noch zur Schule. Ihre Gemeinsamkeit: Die Liebe zum Fußball. Sie alle spielen aktiv in der BSG. Probleme im Zusammenleben gibt es nicht, die Jungs kochen gerne zusammen oder schauen gemeinsam Fußball. "Und wir haben Putzdienste, die funktionieren gut", erklärt Thorsten Lux.

Dass das Konzept funktioniert, liegt zum einen daran, dass die drei sich schon länger kennen, zum anderen aber auch an dem unermüdlichen Einsatz einer Schar freiwilliger Helferinnen der BSG, auf die die Sportler sich verlassen können. "Einer von uns kommt abends und hilft etwa beim Kochen", sagt Franziska Weidner. Aktuell besteht das Team aus sechs Frauen.

Es gibt schon Interesse an weiteren Wohngemeinschaften

Obwohl noch in den Kinderschuhen, hat sich das Projekt bereits rumgesprochen. "Wir hätten schon weitere Interessenten", erklärt Heike Acker, "wir könnten direkt eine zweite WG gründen." Wäre da nicht das Problem mit den Vermietern. "Der Wohnungsmarkt ist ja eh schon schwierig", versucht Weidner sich an einer Erklärung, "und das Projekt trifft nicht immer auf Begeisterung." Umso dankbarer sind sie Robin Reichert. "Das lebt von Menschen, die ein Herz dafür haben und von der Bereitschaft der Vermieter, uns eine Chance zu geben", meint Heike Acker und hofft, dass noch mehr Menschen sich engagieren, um Inklusion zu realisieren.


Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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