Die Schwächen des Sommers sind Stärken des Winters

Reitsport  Die Ilsfelder Dressurreiterin Ann-Kathrin Lindner hat hart für ihren triumphalen Jahresabschluss gearbeitet, doch besser sein ist für die 24-Jährige noch nicht gut genug.

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Ann-Kathrin Lindner und Sunfire haben in Kronberg den Piaff-Förderpreis gewonnen und einen perfekten Jahresabschluss geliefert.

Foto: imago images/Stefan Lafrentz

Das werden fröhliche Weihnachten: "Ich bin selten so glücklich und zufrieden aus einer Prüfung geritten, es hat einfach richtig Spaß gemacht", sagte Ann-Kathrin Lindner am Sonntag auf dem Heimweg von Taunus ins Unterland am Telefon. Der vierte Advent hatte besondere Strahlkraft für die Ilsfelderin.

Mit Sunfire stellte sie sich im Finale des Piaff-Förderpreises erstmals in einem langen Grand Prix. "Ich bin richtig stolz auf ihn, bin richtig, richtig, richtig zufrieden", sagte die 24-Jährige vom RV Heilbronn nach dem souveränen Sieg mit 75,50 Prozent. Alles richtig gemacht.

Schneller in der Abfolge

"Tatsächlich ist schon Angst da, sich zu verreiten", einen Fehler im Ablauf zu machen, sagte Ann-Kathrin Lindner zur etwa sieben Minuten langen sportlichen Herausforderung. Alles sei ähnlich und doch anders, alles viel, viel schneller von der Abfolge: "Sonst ist während der Prüfung Zeit zum Durchschnaufen." Dafür ist jetzt die Zeit gekommen: nach der finalen Prüfung eines außergewöhnlich erfolgreichen Jahres mit Einzel-Gold bei den U 25-Europameisterschaften und nun der Glanzleistung auf dem Schafhof in Kronberg. "Ich bin richtig froh, dass wir jetzt erst einmal Pause haben und alles verarbeiten können." Wie immer gibt es natürlich Hausaufgaben. So wie nach der grandiosen EM im August in Ungarn.

Seit der EM gesteigert

Da war Ann-Kathrin Lindner von U 25-Bundestrainer Sebastian Heinze unter anderem Arbeit am Galopp ans Herz gelegt worden. "Das ist von der EM bis jetzt so viel besser geworden, das haben auch die Richter gesagt", freut sich die Kaderreiterin über die Rückmeldungen. Die Schwächen des Sommers sind Stärken des Winters geworden. Mit Fritz, wie sie Sunfire liebevoll nennt, habe sie viel Kraftaufbau gemacht. "Alles geht jetzt bei ihm viel leichter. Alles sieht vom ganzen Körper noch einmal besser aus." Besser ist mit Blick auf die Zukunft aber immer noch nicht gut genug.

"Um vielleicht einmal an die Senioren anschließen zu können, muss alles noch leichter und selbstverständlicher werden", weiß Ann-Kathrin Lindner, die 2021 noch einmal die U 25-EM reiten möchte. Um später einen Championatsplatz zu ergattern, muss sie sich mit Größen wie Isabell Werth, Dorothee Schneider, Jessica von Bredow-Werndl und Helen Langehanenberg messen beziehungsweise sich gegen sie durchsetzen.

Nach dem erfolgreichen Wochenende mit den beiden Siegen am Samstag in der Einlaufprüfung und Sonntag stehen erst einmal die Feiertage an. Und der Umzug mit 13 Pferden vom Stall des RV Heilbronn auf die Anlage von Jürgen Kurz nach Leingarten - die ausgebildete Physiotherapeutin macht sich mit ihrem Bruder, dem Springreiter Pascal Lindner und dessen Freundin, selbstständig. "Bis der Umzug vollzogen ist und wir uns eingelebt haben, werden ein paar Monate rumgehen", sagt Ann-Kathrin Lindner. Es ist der perfekte Zeitpunkt für den Umzug, bis Ende Februar/Anfang März herrscht erst einmal kein Turnierdruck. Am zweiten Weihnachtsfeiertag geht es los. Das werden fröhliche Weihnachten.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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