Die Riesen Ludwigsburg und das Ende einer besonderen Saison

Basketball  Die Basketballer haben trotz des Ausscheidens im Playoff-Halbfinale Großes geleistet - wir werfen nochmal einen Blick zurück auf diese historische Saison.

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Trainer John Patrick ist seit Jahren das sportliche Herzstück der Riesen Ludwigsburg. Auch in dieser Saison bewies er ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Spieler.

Foto: Marc Schmerbeck

Eine geschichtsträchtige Saison ist für die Ludwigsburger Basketballer zu Ende gegangen. Sicher hatten die Verantwortlichen nach der starken Hauptrunde (30 Siege in 34 Spielen) mit mehr als nur dem Halbfinaleinzug geliebäugelt. Aber der Traum vom ersten Titelgewinn in der BBL platzte.

Eine historische Saison geht zu Ende

Doch unter dem Strich steht eine historische Saison - mit der längsten Siegesserie, den meisten Siegen, dem frühesten Playoff-Einzug, dem Hauptrundensieg - die vom großen Titelkandidaten FC Bayern München beendet wurde. Dieser steht nun in der Finalserie Alba Berlin gegenüber. Die Spieler der Riesen haben jetzt erstmal Urlaub. Wer nach dem Sommer wieder in Ludwigsburg aufschlagen wird, bleibt abzuwarten. Wie üblich im Basketball ist aber ein Umbruch zu erwarten. Der MVP, der wertvollste Spieler der Saison, Jaleen Smith dürfte wohl nicht zu halten sein.

Aber, was waren die Gründe für den Erfolg? Eine kurze Bilanz einer außergewöhnlichen Saison im Überblick.

Gründe für den Erfolg

Solide Planung: Wegen den Unwägbarkeiten durch die Corona-Pandemie verzichteten die Riesen Ludwigsburg als deutscher Vizemeister bewusst auf die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Man wollte sich weder dem Reisestress noch dem finanziellen Risiko aussetzen. Am Ende sicher die richtige Entscheidung. Mannschaft und Trainer konnten sich auf die BBL konzentrieren. Coach John Patrick achtete bei der Auswahl seiner Spieler verstärkt auf den Charakter und weniger auf die Positionen. Auch das zahlte sich aus. Immer wieder war während der Saison von verschiedenen Seiten zu hören: "Die Teamchemie stimmt" oder "Jeder gönnt dem anderen etwas." Das war auf dem Parkett dann auch deutlich auszumachen. Patrick schaffte es auch, seinen Spielern einen unbändigen Siegeswillen einzuimpfen.

Der Trainer: John Patrick wurde als BBL-Coach des Jahres ausgezeichnet. Sicherlich zurecht. Er formte aus einer Mannschaft, die zu Beginn einige Fragezeichen aufwarf, zu einem echten Team, zu einem Spitzenteam. Patrick gibt seinen Teams viel Energie, ist ein Motivator aber auch ein Entwickler. So machte er aus dem Zweitliga-Spieler Smith (kam vor zwei Jahren aus Heidelberg) einen Guard der Extraklasse. Patrick schenkte ihm nach dem Weggang von Marcos Knight (MVP der vergangenen Saison) das Vertrauen. Smith dankte es ihm mit Leistung. Sicherlich lässt Patrick nicht unbedingt den schönsten Teambasketball spielen, legt viel Wert auf die Defense, doch schaffte er es, einen guten Mix aus aggressiver Verteidigung und effektiver Offensive zu kreieren.

Ein Plus der Ludwigsburger: Sie nehmen oft mehr Würfe als der Gegner und zwingen den Kontrahenten zu Ballverlusten. Patrick weckte gar Begehrlichkeiten beim Deutschen Basketball Bund. So war er als Bundestrainer, als möglicher Nachfolger von Hendrik Rödl im Gespräch. "Ich bleibe in Ludwigsburg", sagte er am Freitagabend bei Magentasport. "Aber ich bin großer Fan der Nationalmannschaft und wünsche ihr viel Glück für die Olympia-Qualifikation."

Das Personal: Neben Smith gab es weitere Spieler, die sich in den Vordergrund drängten. Von Jordan Hulls war das zu erwarten. Auch Yorman Polas Bartolo spielt seit Jahren auf gutem BBL-Niveau und wurde in dieser Saison zum dritten Mals als bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet. Neben den Routiniers, zu denen auch der 39-Jährige Tremmell Darden zählt, bekamen die Youngster Raum zur Entwicklung. Allen voran Lukas Herzog, der unlängst mit Teamkamerad Aeneas Jung zum U20-Lehrgang des DBB eingeladen wurde. Aber auch die beiden Trainersöhne Jacob und Johannes etablierten sich im Team, wurden zum festen Bestandteil.

Die Nachverpflichtungen: Als sich der starke Center Elias Harris zu Beginn des Jahres verabschiedete, wurde gerätselt, wie die Ludwigsburger dies kompensieren sollten. Dann zauberte Patrick mit Jamel McLean einen ehemaligen BBL-MVP aus dem Hut. Dieser hatte zwar beinahe ein Jahr lang kein Basketball gespielt, brachte aber solide bis sehr gute Leistungen. Zeigte sich vor allem in den Playoffs in starker Form. Auf einmal stand dann auch der unbekannte Jonah Radebaugh im Kader. Ein defensivstarker Kämpfer mit Biss - aus Schweden verpflichtet. Zu Beginn fehlte ihm noch die Bindung, er bekam nur wenig Spielzeit. Doch Radebaugh nutzte dann seine Chancen und gehörte in den Playoffs zu den auffälligsten Ludwigsburgern. Nicht zu vergessen in dieser Aufzählung der Nachverpflichtungen: Oscar da Silva, der nach dem Ende seiner Collegezeit Spielpraxis in der BBL sammeln wollte und auf einen Platz in der NBA hofft. In der Serie gegen Bayern war er dann allerdings angeschlagen.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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