Die Bad Skids aus Massenbach bringen die Mauer noch zum Einsturz

Ultimate Frisbee  Der deutsche Serienmeister aus Massenbach gewinnt Re-Start-Turnier auf eigenem Platz mit letztem Spielzug gegen Wall City. Die Bad Skids werden zum neunten Mal in Folge deutscher Meister im Ultimate Frisbee.

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Am Gegner vorbei: Lennart Vollmer von den Bad Skids (links) spielt einen Pass. Am Ende der zwei Tage waren die Massenbacher wieder das beste Team und holten sich den nächsten Titel.

Foto: Ralf Seidel

Als die Uhr im Finale runtergelaufen war, da sah es am Sonntag auf dem Sportplatz in Massenbach so aus, als wäre die Zeit der Bad Skids abgelaufen. Der Seriesieger, der FC Bayern München des Ultimate Frisbee: Er stand bei der deutschen Re-Start-Meisterschaft mit dem Rücken zur Wand. War schon so gut wie geschlagen, die Serie schien nach acht Titeln in Folge fast beendet.

Doch auch beim Stande von 11:12 im Finale gegen Wall City wollten sie sich nicht aufgeben. "Wir holen das Ding noch - pass auf", sagte Tobias Herre. Schwer zu glauben, zumal es nur noch maximal zwei Angriffe geben würde, wegen der abgelaufenen Zeit von 90 Minuten bei 13 Punkten sicher Schluss sein würde. Und die Gäste aus der Mauerstadt waren im letzten Versuch im Angriff - im Frisbee sowas wie das Pflichtprogramm. Sichere Beute.

Das Unverhoffte passiert

Doch dann passierte das Unverhoffte: Ihren Angriff durchgebracht zum 12:12-Gleichstand, setzten die Bad Skids ihren Gegner massiv unter Druck, zwangen die Berliner zum entscheidenden Fehler. Ein Pass nahe der Endzone der Bad Skids landete im Nichts, die Scheibe wechselte - und das ließ sich der Serienmeister nicht mehr nehmen. Mit letzter Kraft drehte die Mannschaft von Kapitän Nico Müller die fast verlorene Partie noch und ist nun deutscher Re-Start-Meister.

Purer Wille bringt den Sieg im Finale

"Am Ende war es purer Wille, der uns das Spiel gerettet hat. Ich bin unheimlich stolz", sagte Müller direkt nach Spielende. Offiziell durfte das Turnier nicht als deutsche Meisterschaft gelten, zumal es im Gegensatz zu Jahren vor Corona diesmal keine Vorausscheidung gegeben hatte, in der auch Auf- und Absteiger ausgespielt werden. "Wir haben es aber gespielt, als wäre das eine deutsche Meisterschaft. Es ist egal, wie es heißt", sagte der Kapitän.

Ohnehin war am Wochenende in Massenbach und Massenbachhausen dasselbe Feld zugegen, wie 2019 bei der letzten ausgetragenen Meisterschaft.

Beste acht Teams aus Deutschland spielen in Massenbach

In zwei Gruppen kämpften die besten acht Teams aus Deutschland am Samstag um den Einzug in das Halbfinale, ehe am Sonntag dann die Platzierungsspiele stiegen. Beim ersten Turnier seit inzwischen zwei Jahren war den Spielern zumindest anfangs hier und da noch die lange Pause anzumerken.

"Von der ersten zur zweiten Runde war aber schon eine deutliche Verbesserung zu sehen", meinte Jörg Benner. Der Geschäftsführer des Deutschen Frisbeesport-Verbands hatte keinen Zweifel, dass es noch besser werden würde. "Spätestens im Finale sehen wir dann top Ultimate."

Benner sollte recht behalten. Bis zum Endspiel aber würde es ein weiter Weg werden. Und die Bad Skids mussten einen anderen nehmen, als sie es gewohnt sind. Nach kleineren Startschwierigkeiten im ersten Duell am Samstagmorgen setzten sich die Bad Skids - die aus Spielern aus Massenbach, Bönnigheim, Massenbachhausen, Gemmrigheim und Bad Rappenau bestehen - erst gegen Osnabrück und dann auch gegen Heidelberg durch. Das dritte Spiel aber ging in die Hose: 8:15, eine böse Abreibung hatte der Favorit im letzten Gruppenspiel gegen den späteren Finalgegner Berlin kassiert.

Berlin war stark, aber nicht stark genug

Ausgerechnet Berlin. Wall City. "Es gibt bei den Turnieren einen Running Gag", berichtete Tobias Herre. "Jedes Jahr heißt es wieder: Dieses Mal ist Berlin stark. Und jedes Mal sind sie dann in der Vorrunde rausgeflogen." Nicht diesmal. Dieses Jahr schafften es die Berliner bis ins Finale, machten auf dem Weg die Bad Skids platt - auch das war in all den Jahren zuvor, fest einem ganzen Jahrzehnt lang, niemandem gelungen. "Diesmal war Berlin wirklich stark", sagte Nico Müller.

Der Kapitän der Bad Skids räumte auch ein, dass sein Team seit vielen Jahren nicht mehr so viel Gegenwehr hatte wie beim Restart 21. "Wir haben die Finals in den letzten Jahren meistens souverän gewonnen", sagte Müller. Mit einem Gegner auf Augenhöhe wissen sie beim Serienmeister, dass "wir zulegen müssen". Im Oktober gibt es ein Wiedersehen der deutschen Topteams, dann wird ein Platz für die Club-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr ausgespielt. Und noch soll die Zeit der Bad Skids nicht abgelaufen sein.

Das Internet als perfekte Plattform

Für die Randsportart Ultimate Frisbee ist das Internet bei der Übertragung das "Medium der Wahl", wie Jörg Benner, Geschäftsführer des Deutschen Frisbeesport-Verbands am Wochenende sagte. Mit eigens angeschafftem Equipment übertrug der Verband alle Spiele in Massenbach per Livestream im Internet - mit Benner als Kommentator. "Über Bewegtbilder lässt sich der Sport am besten transportieren. Das ist eine gute Möglichkeit, uns zu präsentieren", sagte Benner.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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