Deutscher Debütantinnen-Ball ohne Kalmbach

Handball  Nur die künftige Neckarsulmerin Johanna Stockschläder durfte sich am Wochenende beim 32:27 gegen Portugal auf Linksaußen in Szene setzen. Am Dienstag steht das Rückspiel in Hamm an.

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Fingerzeig: Neckarsulm darf sich in der nächsten Bundesliga-Saison auf Johanna Stockschläder freuen. Bundestrainer Henk Gröner bereitet der künftige NSU-Zugang schon jetzt mit acht Treffern gegen Portugal Vergnügen.

Foto: Imago Images/GlobalImagens

Das erste Spiel für Deutschland und direkt die erfolgreichste Werferin. Ein Debüt für den Deutschen Handballbund (DHB), wie es sich wohl jede Spielerin wünscht. Linksaußen war beim etwas zu wackeligen 32:27 (17:10)-Auswärtssieg in Portugal eine Schlüsselposition. Acht Tore steuerte Johanna Stockschläder während ihrer Premiere zum Erfolg im Hinspiel der Weltmeisterschafts-Playoffs bei. Und ließ mit ihrem starken Aufritt als Alleinunterhalterin keinen Raum für die ersten Länderspiel-Minuten von Selina Kalmbach, ihrer künftigen Vereinskollegin bei der Neckarsulmer Sport-Union.

"Ich habe mich tierisch gefreut, endlich den Adler auf der Brust zu tragen, und es hat Spaß gemacht", sagte Stockschläder. Erst einen Tag vor dem Abflug war die 26-Jährige zum Team gestoßen. Statt der Vorbereitung in Frankfurt hatte sie die Zeit vorab in Quarantäne verbracht. Genau wie ihre gesamte Dortmunder Mannschaft. Auch die Topspielerinnen aus Bietigheim fehlten Bundestrainer Henk Groener wegen Corona-Fällen und anschließender Team-Isolation. Nur Johanna Stockschläder nahm er trotz der widrigen Umstände mit.

Groener: Die erste Halbzeit war einigermaßen in Ordnung

Eine wichtige Entscheidung für den Pflicht-Erfolg, der sich für den Bundestrainer nicht rundum erfolgreich anfühlte: "Erfolg ist nach einem solchen Spiel ein etwas zu großes Wort. Die erste Halbzeit war einigermaßen in Ordnung, da haben wir 17:10 geführt. Wir haben mit 32:27 gewonnen, das sind plus fünf Tore für die Quali. Ich denke, das können wir am Dienstag noch besser machen, und darüber werden wir noch sprechen."

Ob dann im Rückspiel in Hamm auch Selina Kalmbach ein Thema ist? Die Frau aus Abstatt macht sich keinen Druck, was ihr Debüt betrifft. Ist froh, überhaupt Teil des deutschen A-Teams zu sein. Enttäuschung? Die war bei der 23-Jährigen zumindest während des Hinspiels nicht zu sehen. Wann immer die Kamera am Samstagabend auf die deutsche Bank schwenkte, war Kalmbach laut klatschend, die Hände zu Fäusten ballend und jubelnd im Bild.

Der erste von acht Treffern Stockschläders war das 1:0

Auf dem Feld setzte sich von Anfang an Johanna Stockschläder in Szene. Ihr gehörte direkt das 1:0 nach einem Gegenstoß. Beim deutschen 6:4 nach zwölf Minuten erzielte sie bereits ihren dritten Treffer. Neckarsulm darf sich augenscheinlich auf eine schlagkräftige Verstärkung in der nächsten Saison für Linksaußen freuen.

Auch die andere DHB-Außenbahn war mit Marlene Zapf bestens besetzt. Mit einem Dreierpack sorgte die Metzingerin für das standesgemäße 11:6 (22. Minute). Später sollte Zapf noch ihr 200. Länderspieltor glücken. Eine Marke, von der das Gros des aktuellen Teams noch sehr weit entfernt ist.

Etliche Leistungsträgerinnen fehlen

Das Fehlen von etlichen Leistungsträgerinnen und satte sechs Debütantinnen im Kader machten sich aber auch immer wieder bemerkbar. "Wir hatten die Abwehr im Griff, haben aber zu wenig aus dem Tempospiel gemacht. Zudem haben wir uns von der Hektik der Portugiesinnen anstecken lassen", monierte Groener. Dennoch ging es mit einem manierlichen 17:10-Vorsprung in die Pause.

Die zweite Hälfte begann Portugal mit vollem Risiko und sieben Feldspielerinnen. Ein Manöver, das nicht funktionierte. Denn Deutschland setze sich mit einfachen Gegenstoßtreffern dankend auf 21:11 ab. Zwar war die Vorentscheidung damit gefallen, die kämpferischen Portugiesinnen durften mit einem Vier-Tore-Lauf aber unnötigerweise wieder zum 15:21 aufschließen. Am neuerlichen DHB-Zwischenspurt zum 27:19 eine Viertelstunde vor der Schlusssirene hatte dann wieder die deutsche Nummer 95, Johanna Stockschläder, maßgeblichen Anteil.

Klares Steigerungspotenzial für das Rückspiel

Statt das Spiel in der Endphase noch deutlicher zu gestalten, wurden die Aktionen von Henk Groeners Team immer holpriger. Rumpelnd wackelte Deutschland zum 28:24 (54.) und brachte letztlich ein 32:27 in Ziel. "Wir waren zu hektisch, haben zu viele leichte Bälle weggeschmissen und dann nicht mehr den richtigen Zugriff bekommen. Da haben wir auf jeden Fall etwas, was wir im Rückspiel besser machen müssen", sagte Kapitänin Emily Bölk nach dem ersten deutschen Debütantinnen-Ball. Vielleicht kommt Selina Kalmbach ja dann am Dienstag zum Zug.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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