Der nächste Eintrag ins Riesen-Geschichtsbuch

Basketball  Ludwigsburg beendet die BBL-Hauptrunde erstmals als Tabellenführer - Vechta steht als Absteiger fest.

Email

Mit breitem Grinsen applaudiert Jaleen Smith seinen Kameraden. Der Point Guard ist einer der Erfolgsfaktoren der Riesen Ludwigsburg in dieser Saison. Aber bei weitem nicht der einzige.

Foto: Marc Schmerbeck

Ein bisschen Beifall musste sein. Den Applaus hatten sich die MHP Riesen Ludwigsburg durchaus verdient. Auch wenn sie am Sonntagabend für sich selbst klatschen mussten. Zuschauer sind ja derzeit keine erlaubt. Doch die Fans des Bundesligisten hatten etwas vorbereitet, ein Meisterbanner. Und so durften Spieler und Verantwortliche noch vor einem großen Plakat posieren. In großen Lettern prangte in weiß und schwarz vor gelbem Hintergrund: "Hauptrunden Meister".

Und damit hat das Ludwigsburger Team ein weiteres Stück Vereinsgeschichte geschrieben. Zum ersten Mal gehen die Riesen als Tabellenführer der Bundesliga in die Playoffs. Und daran können auch die nächsten Gegner Alba Berlin (Dienstag, 19 Uhr) und Bayern München (Sonntag, 15 Uhr) nichts mehr rütteln. Schön, wenn man ganz ohne Druck in solche Spitzenspiele gehen kann.

Drei Siege mehr als Berlin

Nach dem 89:73-Sieg gegen die Baskets Bonn haben die Ludwigsburger drei Siege mehr auf dem Konto als Berlin. Doch bevor es so weit war, bevor sie sich Beifall klatschen konnten, mussten die Riesen nochmal in die Hände spucken. Gegen Bamberg hatten sie ihre erste Chance, Platz eins zu sichern, am Freitag noch vergeben. Am Sonntag wollten sie den zweiten Matchball unbedingt nutzen. Der frisch gebackene Papa Jaleen Smith war dafür ebenso wieder ins Team gerückt wie Tremmell Darden, der wegen einer Gehirnerschütterung pausiert hatte. Zunächst war allerdings Bonn etwas besser, gewann das erste Viertel mit 24:22.

Ab dem zweiten Viertel erhöhte Ludwigsburg den Druck, war nun aggressiver in der Verteidigung und übernahm Stück für Stück die Kontrolle. Bis zur Pause erspielten die Riesen eine 46:38-Führung. In der 25. Minute war der Vorsprung auf 56:44 angewachsen. Ludwigsburg ließ nicht nach und die Gegenwehr der Bonner erlahmte langsam. 71:54 hieß es nach drei Vierteln. Damit war der Schlussabschnitt bis zum 89:73-Sieg nur noch Formsache. "Ich bin sehr stolz, dass wir uns heute den ersten Hauptrunden-Platz gesichert haben. Es war wieder eine Mannschaftsleistung", sagte Trainer John Patrick.

Sehr gute Teamchemie

Das ist es auch, was die Ludwigsburger in dieser Saison auszeichnet. "Wir haben eine sehr gute Teamchemie in der Mannschaft", sagt Patrick. Dazu kommt eine stimmige Hierarchie, mit Führungsspielern, die die richtigen Entscheidungen treffen und Akzente setzen. "Es hilft auch, dass wir keinen internationalen Wettbewerb gespielt haben. Dadurch waren wir die meiste Zeit frisch", sagte der Coach.

Damit aber nicht genug. Auch die Tiefe des Kaders, die Ausgeglichenheit ist ein wichtiger Faktor. So musste Andrew Warren oft als überzähliger Ausländer pausieren. Zuletzt spielte er sich in den Vordergrund, steuerte gegen Bonn 22 Punkte bei, hatte damit großen Anteil daran, dass die Ludwigsburger zu Hause weiter ungeschlagen sind und am 32. Spieltag ihren 29. Saisonsieg holten.

Richtige Einstimmung

Die Bilanz und das Auftreten im Verlauf der Runde gibt Selbstvertrauen. "Es ist das erste Mal in der Geschichte des Vereins, das er auf dem ersten Platz nach der Hauptrunde steht", sagte Warren. "Aber das ist erst der Anfang, wir wollen in den Playoffs so weit wie möglich kommen." Doch bis dahin dauert es noch ein wenig. Und die Spiele gegen Berlin (2.) und München (3.) sind da die richtige Einstimmung.

Neben dem ersten Platz ist nun auch der letzte sicher vergeben. Und zwar an Rasta Vechta. Der Vorletzte Gießen darf noch hoffen und könnte den MBC und Würzburg noch einholen.

In den Playoffrängen geht es in den letzten beiden Spielen in erster Linie um die Platzierungen. Etwas bangen muss noch Brose Bamberg (8.), die gegen den direkten Konkurrenten Braunschweig verloren und damit nur zwei Siege mehr auf dem Konto haben - allerdings noch ein Spiel mehr ausstehen. Verbessern können sich die Bamberger aber nicht mehr und werden so mit großer Wahrscheinlichkeit der Ludwigsburger Playoff-Gegner sein.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

Kommentar hinzufügen