Der erste deutsche Fußballverein mit Trikotwerbung war...?

Sport  Die Redaktion blickt auf das Sportgeschehen von vor sechs, 53 und 68 Jahren. Dabei zeigt sich, dass nicht Eintracht Braunschweig, wie oft erwähnt, als erste Mannschaft mit Reklame auflief.

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Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen schier unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte das Sportgeschehen in der 35. Kalenderwoche vor sechs, 53 und 68 Jahren?

Heinz Müller wir überraschend Straßenradweltmeister

1952: Belgien, Frankreich, Italien - das waren die Nationen, aus denen Straßenradweltmeister zu kommen pflegten. Ausnahmsweise war auch mal ein niederländischer Erfolg oder ein Schweizer Sieger gestattet. Aber ein deutscher Sieg, sieben Jahre nach Kriegsende, das stieß manchem sauer auf, wie die HSt am 27. August berichtete.

Dabei hatte der Schwenninger Heinz Müller beim WM-Rennen über 280 Kilometer in Luxemburg klug taktiert und im Schlussspurt die Favoritenriege düpiert. "Hätte ich nicht auf den letzten paar hundert Metern Sattelbruch gehabt, hätte ich gewonnen", erklärte der frustrierte viertplatzierte Italiener Fiorenzo Magni. Das "Letzeburger Journal" mutmaßte, dass auf einem "schweren Rundkurs mit starken Steigungen" das Ergebnis wohl anders ausgesehen hätte.

Doch es gab auch viel Anerkennung für den "braven Schwarzwälder". "Müller ist kein Außenseiter-Weltmeister. Wer einen so großartigen Sieg im Finish herauszuholen vermag, der ist ein prächtiger Champion", würdigte Achille Joinard den Weltmeister. Der französische Präsident des Weltradsportverbands UCI betonte die politische Dimension des Rennens. "Wenn ich als Franzose dem jungen Deutschen das Weltmeistertrikot anzog, so betrachten Sie das als ein Symbol der neuen Ära friedlicher Zusammenarbeit zwischen allen Ländern, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich."

Da schaut die Konkurrenz überrascht: Heinz Müller (2.v.l.) holt sich 1952 in Luxemburg den WM-Titel bei den Profi-Radfahrern. Foto: picture alliance /ullstein bild

Ein deutscher Profi-Straßenrad-Weltmeister blieb in den kommenden Jahrzehnten eine Rarität. Lediglich Rudi Altig durfte 1966 in das Regenbogen-Trikot schlüpfen.

Wormatia Worm, der erste deutsche Fußballverein mit Trikotwerbung

1967: Wer war der erste deutsche Fußballverein mit Trikotwerbung? Bei der Frage lächelt jeder Fan milde und antwortet: "Eintracht Braunschweig". Falsch! Es war Wormatia Worms. Für 5000 D-Mark, drei Trikotsätze und Trainingsanzüge verkaufte der Regionalligist Brust und Hose an den amerikanischen Baumaschinenhersteller Caterpillar und lief erstmals am 20. August im Spiel gegen den SV Alsenborn mit dem CAT-Schriftzug aufs Feld.

Sprintsieger, Vorreiter und Höhenflieger
Regionalligist Wormatia Worms war 1967 der erste deutsche Verein mit Trikotwerbung auf der Brust − allerdings nur für kurze Zeit. Foto: Wormatia Worms

"Werbung muss sein", zeigte die HSt am 25. August durchaus Verständnis: "Wenn schon Ski-, Rad- und Rennfahrer Reklamesprüche auf Vorder- und Rückseite zeigen, möchten auch die Fußballer nicht zurückstehen." Doch die "Wormser Zeitung" hatte bereits zwei Tage zuvor mit ihrer Frage den richtigen Riecher bewiesen: "Geht Wormatia als Wegbereiter einer neuen Ära mit amerikanischem Zuschnitt in die deutsche Fußballgeschichte ein oder schiebt der DFB der von Wormatia erstmals praktizierten lebendigen Werbung einen energischen Riegel vor?"

Letzteres geschah - und zwar umgehend. Bei einer Vorstandssitzung am 2. September beschloss der Verband ein rigoroses Verbot, die "Lex Wormatia". "Das Anbringen von Firmennamen, Firmenzeichen oder Werbeaufschriften auf der Sportkleidung widerspricht den selbstverständlichen Grundsätzen der Ordnung im deutschen Fußball", zitierte die HSt am 6. September. Das Machtwort hielt fünf Jahre. Dann kamen tatsächlich Günter Mast, Eintracht Braunschweig und der Jägermeister-Hirsch.

Höhenflüge in der Arena Eberstadt

2014: 2,44 Meter ist ein Fußballtor hoch, 2,41 Meter übersprang Mutaz Essa Barshim am 22. August. Das bedeutete Arena-Rekord in Eberstadt. "Exklusive Fluggesellschaft", titelte die HSt am 23. August, da auch der zweitplatzierte Derek Drouin und der Dritte Naoto Tabe die magischen 2,30 Meter übersprangen.

Sprintsieger, Vorreiter und Höhenflieger
Mutaz Essa Barshim freut sich mit Trainer Stanislaw Szczyrba. Foto: Archiv/Veigel

"Kraftvoll im Anlauf, leicht wie eine Feder im Absprung, technisch fein bei der Lattenüberquerung und freudvoll bei der Landung", beschrieb Stefanie Wahl die Flugshow des Katari. Doch in ihrem Kommentar vom 25. August mahnte sie bereits: "Profis mit einem kleinen Etat zu locken, wird kontinuierlich schwieriger." Tatsächlich war mit der 40. Auflage 2018 Schluss.

Hintergrund

Ehepaar duelliert sich an der Tischtennisplatte

Am 24. August 1967 berichtete die HSt von einem Tischtennis-Turnier in Neckarsulms italienischer Partnerstadt Bordighera. Inge Harst von der Spvgg Neckarsulm startete bei den Männern, schlug unter anderem den italienischen Meister und stand plötzlich im Endspiel. Dort traf sie auf ihren Ehemann: Heinz Harst. „Im Finale wurde sie vom Gatten mit 21:16, 21:18 und 21:12 besiegt, wobei sich beide nichts schenkten“, berichtete die HSt. Die Ehe hat trotzdem bis heute Bestand.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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