Denise Krebs startet mit Crowdfunding einen letzten Olympia-Versuch

Leichtathletik  Es geht nur mit finanzieller Unterstützung nach Tokio: Die Mittel- und Langstreckenläuferin Denise Krebs hat eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um doch noch ihren großen Traum von Olympischen Spielen zu verwirklichen.

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Da ging es noch richtig rund: Denise Krebs am 9. Februar beim Hallenmeeting in Dortmund.

Foto: imago images/Beautiful Sports

Denise Krebs ist zahlenfixiert. "Schon, ja", gibt die 32-Jährige aus Heilbronn-Biberach zu. Natürlich, in der Leichtathletik dreht sich nun einmal sehr viel bis alles um Entfernungen, Zeiten, Zahlen. In diesen Tagen mehr denn je, trotz Coronavirus-Pandemie. Es geht darum, bis 21. Mai die 8000 zu knacken. Nicht 8000 Meter oder 8000 Sekunden, sondern 8000 Euro.

Die Mittel- und Langstreckenläuferin hat eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um doch noch ihren großen Traum, die Teilnahme an Olympischen Spielen, zu verwirklichen.

Tokio 2021 ist ihr dritter, nein vierter, auf jeden Fall ihr letzter Versuch. Denise Krebs sagt: "Es ist alles oder nichts."

1,58 Meter großes Energiebündel

Das 1,58 Meter große Energiebündel lacht ins Telefon, ist trotz der großen Anspannung (vor dem Auftakt am 1. Mai sei es noch Angst gewesen, dass keiner spendet) gut gelaunt. "Ich versuche, nicht stündlich auf die Seite zu schauen, sondern nur dreimal am Tag", sagt die Sportlerin, die beim Deutschen Leichtathletik-Verband keinen Kaderstatus mehr genießt, ihren Sport selbstfinanziert.

Der Spendenstand auf der Seite entscheidet: Nur wenn die 8000 geknackt werden, bekommt Krebs tatsächlich das Geld, mit dem sie die notwendigen 20 Wochen Trainingslager, Physiotherapie und Co. finanzieren würde. Reicht es nicht, bekommen alle Unterstützer ihr Geld zurück. Der Kontostand lässt hoffen: 6290 Euro waren es am Sonntagnachmittag. Doch was wäre wenn? "Dann würde eine Welt zusammenbrechen."

Zwei "Olympia-Klatschen" taten weh

Die zwei "Olympia-Klatschen", wie es Denise Krebs ausdrückt, taten weh. "2012 fehlte 1/100 Sekunde, 2016 war ich schon eingekleidet, durfte aber doch nicht mit." Aller schlechten Dinge sind drei: Wegen Corona ist es mit Tokio 2020 nichts geworden. "Zwei Mal stand ich alleine da, diesmal trifft es die ganze Welt. Da stecken vier Jahre Arbeit drin." Nach den Spielen und der anschließenden EM in Paris, die ebenfalls abgesagt ist, "hätte ich aufgehört". Jetzt hofft die studierte Journalistin, die in Leipzig arbeitet und deren Arbeitsvertrag im Sommer endet, auf Tokio 2021.

Hier geht es zur Crowdfunding-Aktion.

"Es wird sehr schwer werden für sie", sagt Peter Schramm, Trainer bei der TSG Heilbronn, und betont: "Denise ist immer noch bei uns Mitglied." Von 2007 lief die 1500 Meter- und 5000 Meter-Spezialistin dann zehn Jahre lang für den TV Wattenscheid, seit 2018 startet sie für den TSV Bayer Leverkusen. Jetzt also die Trainingsgruppe um Bundestrainer Thomas Dreißigacker in Leipzig, 160 Lauf-Kilometer, 25 Stunden Homeoffice in Sachen Marketing- Management in der Woche - und täglich hoffen: "Ich freue mich über jeden Cent Unterstützung."

Am Anfang der Zielgeraden

So oder so stehen für Denise Krebs Veränderungen an, sie ist am Anfang der Zielgeraden: "Ich würde gerne in den Journalismus gehen." Die 14. der Heim-EM 2018 in Berlin über 5000 Meter war schon für die ARD als Kommentator-Assistentin unterwegs, arbeitete für Radio Bochum und schreibt für Leichtathletik-Zeitschriften. Und ja, sie denke daran, "vielleicht auch mal Kinder zu bekommen" - Krebs ist dreifache Tante ("Alles Jungs"), hat eine ältere Schwester sowie eine Drillings-Schwester und einen Drillings-Bruder.

Zu Hause in Biberach ist sie gerne ("Weil ich dort meine Seele baumeln lassen kann"), war sie aber schon lange nicht mehr ("Nicht ein Mal den ganzen Winter"). Dafür zuletzt, bis Corona die Welt eingefroren hat, zum wiederholten Mal in Südafrika im Trainingslager. Ihre Lieblingsstrecke übrigens: "Biberach, Bad Wimpfen, Bad Rappenau, Fürfeld, Biberach - zwölf Kilometer in 48 bis 50 Minuten." Ja, Denise Krebs ist zahlenfixiert.

"Mein Trainer sagt öfters, ich soll mal ohne Uhr laufen", sagt die mehrfache deutsche Meisterin über 1500 Meter. Doch zahlenlos laufen, das fällt ihr schwer. In diesen entschleunigten Zeiten "kann ich an solchen Sachen aber gut arbeiten", sagt Denise Krebs, "ich muss ja nicht in drei Wochen fit sein". Sondern im Sommer 2021. Olympia. "Das ist mein Lebenstraum, an dem ich festhalte."

 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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