Das Riesen-Abenteuer geht weiter

Basketball  Der Basketball-Bundsligist MHP Riesen Ludwigsburg triumphiert über den FC Bayern München und zieht beim BBL-Final-Turnier in München ins Halbfinale ein. Am Sonntag um 15 Uhr geht es schon wieder mit dem Halbfinal-Hinspiel weiter.

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Ludwigsburg und München boten im Viertelfinale des BBL-Abschluss-Turniers einen harten Kampf mit dem besseren Ende für die Riesen um Thomas Wimbush (rechts). Für Bayern und Mathias Lessort ist das Turnier zu Ende.

Foto:.imago-images/BBL-Foto

Die Freude war John Patrick gestern Abend deutlich anzusehen. Warum hätte er sie auch verstecken sollen? Nur wenige Minute zuvor wurde aus dem Geheimfavoriten des Abschluss-Turniers der Basketball-Bundesliga, den Riesen Ludwigsburg, ein ernsthafter Titelkandidat. Zwar verlor Patricks Mannschaft das Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern München in dessen Heimspielstätte Audi Dome mit 73:74, doch in der Addition beider Spiele setzte sich Ludwigsburg durch den 87:83-Hinspielsieg durch und zog als erstes Team ins Halbfinale ein.

Der amtierende deutsche Meister ist raus

Der amtierende deutsche Meister ist damit raus aus dem Rennen um die deutsche Meisterschaft - und zwar so früh wie seit dem Aufstieg in die BBL 2011/2012 nicht mehr. FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß rannte schimpfend aus der Halle.

Sichtlich enttäuscht saß Trainer Oliver Kostic bei der Video-Pressekonferenz: "Das ist Sport. Es war ein richtiges Playoff-Spiel. Aber wenn man seine Chancen nicht macht, verliert man." Wenig später durfte ein lächelnder John Patrick sagen: "Ich bin sehr stolz. Wir haben mit viel Intensität gespielt und haben nie aufgegeben."

Seine Mannschaft präsentiert sich in den bisherigen zwei Wochen in München als echtes Team. Seine Ersatzspieler und Teambetreuer gelten als die lauteste Bank im Turnier - auch das ein Erfolgsfaktor. "Wir wollten hier sein", sagt Patrick bezogen auf den Turniermodus, bei dem die Spieler höchstens für einen kurzen Spaziergang das Hotel in München verlassen dürfen. "Unsere Jungs haben Spaß hier. Bei uns hat keiner gemeckert im Hotel. Ich glaube, das ist wichtig. Wir wollen das Turnier gewinnen, wenn wir die Chance haben."

Halbfinale am Sonntag um 15 Uhr gegen Ulm

Am Sonntag um 15 Uhr steht nun bereits das erste Halbfinale an. Der Gegner Ratiopharm Ulm ist ungeschlagen durch die Gruppenphase marschiert und gilt seit der Gruppenphase neben Alba Berlin als Titelkandidat.

Patrick strahlte schon vor dem Spiel großes Selbstbewusstsein aus. "Wir wissen, dass wir besser sind als die Bayern", sagte er vor dem Anpfiff. Diese Worte schienen seine Spieler aber nur fünf Minuten lang zu glauben. nach gutem Beginn verloren sie den Rhythmus und fanden ihn die gesamte erste Halbzeit nicht mehr. Die Wurfquoten der Ludwigsburger, vor allem bei den Dreiern, waren ungewohnt schwach. Es fehlte die Geduld, zu viel wollten sie erzwingen. Und so ging es mit einem 18:23 in die erste Pause.

Riesen haben erstmal keinen Rhythmus

Im zweiten Viertel wurde es nicht besser. Bayern konnte dies aber nur bedingt nutzen. beim 31:21 war der deutsche Meister mal auf zehn Punkte davon gezogen. Mehr wurde es nicht. Mit 36:46 aus Sicht der Riesen ging es in die Halbzeit.

"Wir müssen den Ball besser laufen lassen", sagte Jaleen Smith, zusammen mit Marcos Knight der auffälligste Ludwigsburger, im Halbzeit-Interview in das Mikrofon von Magentasport. "Aber wir kämpfen. Wir müssen noch etwas härter werden und besser zusammenspielen."

Das klappte zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht. Beim 41:54 deutete alles auf München als Halbfinalisten. Doch dann gaben die Gastgeber die Kontrolle aus der Hand. Knapp sechs Minten lang erzielten sie nur zwei Punkte, der Rhythmus war weg. Dafür hatte Ludwigsburg nun das nötige Selbstvertrauen. Smith sorgte mit der Pausensirene für den 52:56-Zwischenstand vor dem letzten Viertel. In der Addition beider Spiele war dies der Ausgleich.

Der 19-jährige Radii Caisin, der mehr als 15 Minuten auf dem Feld stand, sowie Smith sorgten mit Dreipunktewürfen für die Ludwigsburger 58:56-Führung. München versuchte krampfhaft, zurück ins Spiel zu kommen. Doch es gelang nicht richtig. Und trotzdem blieb die Partie bis zur letzten Sekunde spannend, wenn auch nicht hochklassig.

Sehr viel Spannung in der Crunchtime

Eine Minute vor dem Ende führten die Riesen mit 71:70. 16 Sekunden vor dem Ende führte Bayern mit 74:71. Sie benötigten noch einen Punkt für die Verlängerung. Mathias Lessort ließ einen Freiwurf liegen, allerdings blieben die Münchner in Ballbesitz. Sie suchten nun ihre Chance, doch Ludwigsburg verteidigte geschickt, Petteri Koponen leistete sich bei noch vier Sekunden auf der Uhr einen Fehlpass. Nach dem anschließenden Foul verwandelte Knight die Freiwürfe zum 73:74. Der letzte Wurf von Vladimir Lucic landete auf dem Ring und sorgte für viel Ludwigsburger Freude - nicht nur bei John Patrick.

So geht das Abenteuer, von dem er nach dem Hinspiel gesprochen hatte, noch mindestens zwei Spiele weiter. "The Sky is the Limit", sagte Smith voller Euphorie. "Der Himmel ist die Grenze. Wir haben viele hungrige Spieler und wollen gewinnen. Wir können etwas ganz Spezielles erreichen."

Starker Riesen-Nachwuchs

Der Ludwigsburger Hans Brase, die positive Überraschung des Hinspiels, musste im Rückspiel verletzt zuschauen. Dafür schenkte Trainer John Patrick Youngster Radii Caisin das Vertrauen. Der 19-Jährige stand mehr als 15 Minuten auf dem Feld. "Es war ein hartes Spiel", sagte er. "Wir haben das Spiel zwar verloren, aber wir haben es gedreht. Ich bin froh, dass ich spielen durfte." Neben Caisin, kamen mit Jacob Patrick und Lukas Herzog weitere Nachwuchskräfte zum Einsatz. 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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