Das lange Warten der großen Vier

Ski nordisch  Deutschland, Finnland, Österreich und Norwegen tun sich auf dem Weg zum nächsten Gesamtsieg schwer. Die letzten Erfolge liegen schon weine Weile zurück. Eine Hauptrolle spielte dabei mitunter der Bergisel.

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Hat sein Zeug gemacht: Sven Hannawald 2002.

Foto: Archiv/dpa

Jeweils 16 Mal haben Deutschland, Finnland und Österreich den Gesamtsieger der Vierschanzentournee gestellt, die Norweger zehn Mal. Alle vier Nationen warten ungeduldig auf den nächsten Tournee-Triumph, was auch mit der neuen Breite im Skispringen zu tun hat. "Das ist das Schöne, dass das Feld immer enger zusammenrückt. Es wird immer spannender", sagt Alexander Stöckl, der Österreicher, der die Norweger trainiert.

Zuletzt schnappten sich Polen (2020 Dawid Kubacki, 2018 und 2017 Kamil Stoch), Japan (2019 Ryoyu Kobayashi) und Slowenien (2016 Peter Prevc) den goldenen Tourneeadler. Das widerspricht nicht der grundsätzlichen Einschätzung von Alexander Stöckl, dass Erfahrung an den tollen Tagen um den sprunghaften Jahreswechsel immer wichtig sei, meistens alles andere schlage. Aber die erfahrenen Nationen, die großen Vier, warten zum Teil schon sehr, sehr lange: Österreich seit 2015, Finnland seit 2008, Norwegen seit 2007 und Deutschland seit 2002 mit Sven Hannawalds historischem Vierfachsieg. "Man läuft dem Ganzen so ein bisschen hinterher. Das macht es schwer", hat der ehemalige Skispringer Martin Schmitt vor dem Tourneestart in einer Presserunde gesagt.

Hannawalds und Schmitts Erben waren in den vergangenen Anläufen nah dran, hatten in fünf Jahren fünf verschiedene Athleten in der Gesamtwertung auf dem Treppchen. Ein flotter Rückblick wie im Flug:

2016: Severin Freund wird ein Mal Erster, zwei Mal Zweiter, ein Mal Dritter, was unter dem Strich in Bischofshofen aber nur zu Gesamtrang zwei reicht. Peter Prevc ist mit drei Tagessiegen noch besser. Was das Duell mitentschieden hat: Freund stürzt im Probedurchgang von Innsbruck, für den der damalige Bundestrainer Werner Schuster die Organisatoren wegen einer nicht ausreichenden Präparierung des Hangs mitverantwortlich macht. Freund hat Prellungen, beißt die Zähne zusammen und sagt bereits vor dem Finale in Bischofshofen: "Es ist schon jetzt eine sehr schöne Tournee für mich, auch wenn nicht alle Pläne aufgegangen sind."

2018: Wieder beeinflusst der Bergisel den Ausgang der Tournee. Richard Freitag, der bis Innsbruck als größter Konkurrent von Kamil Stoch auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung liegt, stürzt bei der Landung seines Sprungs im ersten Durchgang und muss mit einer Hüftverletzung ins Krankenhaus. Schuster schimpft, weil die Jury den Anlauf nicht verkürzt hat. Mit zwei dritten Plätzen in Innsbruck und Bischofshofen springt Andreas Wellinger in die Bresche, wird Tourneezweiter und sagt: "Dass ich in Richies Rolle springen darf, ist für ihn und fürs ganze Team." Gesamtsieger wird Stoch mit vier Erfolgen.

2019: Wieder fliegt einer allen davon: Ryoyu Kobayashi gewinnt ebenfalls alle vier Springen. Markus Eisenbichler wird Zweiter, Stephan Leyhe Dritter - es ist ihr bis dahin größter Erfolg. "Geil, geil, geil, geil, ohne Scheiß. Es ist einfach mega", sagt Eisenbichler. Zwei Deutsche auf dem Tournee-Treppchen, das hat es zuletzt 1990/91 mit Jens Weißflog (Erster) und Dieter Thoma (Dritter) gegeben.

2020: Drei zweite Plätze reichen für Karl Geiger nicht zum Tourneesieg; der erste Durchgang in Innsbruck am Bergisel mit am Ende Platz acht in der Tageswertung macht den Gesamtsieg unmöglich. "Das Ergebnis macht mich richtig glücklich. Es war die schönste Tournee, so gut war ich noch nie", sagt Geiger schließlich als Gesamtdritter - Tourneesieger ist Dawid Kubacki.

Das Warten geht weiter.

Das lange Warten der großen Vier

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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