Das finale Duell beim Neckar-Cup lautet: Zapata Miralles gegen Galan

Tennis  Schon vor dem Endspiel des 7. Neckar-Cups steht fest: Der Turniersieger spricht Spanisch und wird am Montag erstmals in den Top 100 stehen. Eine klarer Trend bei der Ausgabe 2021 lautet: Es gibt mehr Drei-Satz-Matches.

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Bernabe Zapata Miralles. Foto: Andreas Veigel

Tennis ist ein sehr körperliches Spiel, für das es Köpfchen braucht. 8:19 Stunden stand beispielsweise Dennis Novak beim Heilbronner Neckar-Cup in vier Matches auf dem Platz. "Der Physio hier macht gute Arbeit", hat der Österreicher im Laufe der vergangenen Turnierwoche am Trappensee gesagt. Leander Wallmann gibt die Blumen zurück. Der 30-Jährige vom Physiozentrum Leintal, den der Sportinteressierte auch als ausgezeichneten Torhüter im gehobenen Amateurfußball kennt, sagt: "Wir werden dieses Jahr viel weniger zu akuten Problemen auf den Platz geholt, die Spieler haben auch grundsätzlich weniger Rückenprobleme."

Weil sie die Zeit im Lockdown genutzt haben, um ihren Körper zu stählen? "Man sieht vielen Spielern zumindest an, dass sie im Vergleich zu früher einen besseren Körper haben", so Wallmann. "Bestes Beispiel ist Dennis Novak: Der war schon immer fit - jetzt hat er einen noch fitteren Körper." Doch der ließ den Halbfinalisten von 2019 im Halbfinale 2021 im Stich.

Tennis ist Kopf- und Körpersache

Das finale Duell beim Neckar-Cup lautet: Zapata Miralles gegen Galan
Daniel Elahi Galan. Foto: Andreas Veigel

"Dennis ging es physisch nicht so gut", sagte Bernabe Zapata Miralles am Freitagnachmittag am Trappensee. Dem Spanier war es nicht unrecht, er gewann das 1:45 Stunden dauernde Match mit 6:3, 1:6, 6:3. Obwohl er sich auf dem Platz nicht so gut gefühlt habe: "Ich war nervös und hatte deshalb Schwierigkeiten, mein Spiel zu spielen." Wenn der Kopf nicht mitspielt, muss man den Körper einfach machen lassen. Bernabe Zapata Miralles steht verdientermaßen an diesem Samstag im Finale des Sandplatz-Challengers. Er trifft auf Daniel Elahi Galan aus Kolumbien, der am Freitagabend Mackenzie McDonald (USA) niederrang - natürlich in drei Sätzen (6:4, 6:7 (4:7), 7:5).

Drei-Satz-Matches sind bei der siebten Turnierauflage der Renner: Vor dem Finale gingen 43,3 Prozent der bisherigen 30 Hauptfeld-Partien in den Entscheidungssatz. 2019 waren es insgesamt 29,8 Prozent. Zufall, oder sind die Tennisprofis in Corona-Zeiten trotz Abstandsgebot leistungsmäßig dichter zusammengerückt? "Das Level ist grundsätzlich sehr ausgeglichen", sagt Galan, der 2019 in Heilbronn in der ersten Runde ausgeschieden war. "Das Mentale macht den Unterschied: daran zu glauben, dass du besser und besser wirst, dass du die Top-Jungs schlagen kannst."

Weniger Turniere, fittere Spieler

Dass im Corona-Lockdown alle Profis ihren Körper gepflegt und gestählt haben, ist selbstverständlich: 2020 war das Jahr des Trainings, nicht das Jahr des Turniers. 431 Profiturniere fanden vergangenes Jahr weltweit statt - 2019 waren es 1395. "Bei uns in Kolumbien dauerte der Lockdown vier bis fünf Monate", sagt Galan, der in der Hauptstadt Bogota lebt. "Ich habe, so gut es eben ging, zu Hause trainiert und versucht, die Zeit zu genießen. Sonst bin ich vielleicht zwei Wochen in sieben Monaten daheim."

Daniel Elahi Galan war am Freitag nach dem dritten Drei-Satz-Match im vierten Spiel geschafft. 8:48 hat er bisher auf dem vor allem am Freitagabend sehr windigen Platz gestanden. "Es war ein verrücktes Match, mit Chancen auf beiden Seiten." So wie am Abend zuvor gegen Philipp Kohlschreiber. "Ich fühle mich müde, aber jetzt kommt das Finale." Der Südamerikaner startete sofort das volle Regenerationsprogramm: Fahrradergometer, Dehnübungen, Massage. Dass mit einem Turniersieg der Durchbruch, erstmals der Sprung in die Top 100 der Weltrangliste ansteht, lässt ihn kalt: "Wenn du gut spielst, diszipliniert bist, kommt das von alleine. Ich denke nicht so viel daran." (Zu viele) Gedanken können den Körper lähmen.

Es ist nicht ihr erstes Duell

Daniel Elahi Galan und Bernabe Zapata Miralles kennen sich. Beim Challenger in Mexiko-Stadt standen sie sich im April 2018 gegenüber, Galan gewann in zwei Sätzen. "Das war etwas komplett anderes", sagt der damalige Sieger. Mexikos Hauptstadt liegt sehr hoch, in der Hauptstadt des Unterlands fliegen die Bälle selbst auf trockenen Sandplätzen viel langsamer. "Ich ziehe es grundsätzlich vor, bei Sonne und mit schnellen Bällen zu spielen", sagt Zapata Miralles, der mit einem Sieg ebenfalls die Top 100 knacken würde. Für Samstag ist eher Regen angesagt, die Bälle werden so oder so schwer werden. Und die Beine: Beide sollten sich auf ein Drei-Satz-Match einstellen.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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