Crailsheim will die Gegner systematisch nerven

Basketball  Die Basketballer der Merlins Crailsheim überraschten in dieser Saison. Im Finalturnier gibt es nun die große Chance auf eine Teilnahme am internationalen Wettbewerb. Das wäre eine Premiere. Auch die Ludwigsburger Riesen sind dabei.

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Bilden diese Saison ein erfolgreiches Trainer-Team bei den Merlins Crailsheim: Chefcoach Tuomas Iisalo und sein Assistent und Bruder Joonas Iisalo. Ab Samstag kämpft die Mannschaft aus Hohenlohe im BBL-Abschluss-Turnier.

Foto: Marc Schmerbeck

Die Verantwortlichen standen zu Tuomas Iisalo. Auch in schlechten Zeiten. Seit 2016 ist der Finne Cheftrainer der Hakro Merlins Crailsheim. Als er zum Saisonende hin die sportliche Verantwortung beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger übernommen hatte, schaffte er es nicht mehr, den Klassenerhalt zu realisieren. Dafür führte er die Crailsheimer 2017/18 zurück in die Erstklassigkeit - als Zweite der ProA.

Als es in der BBL dann in der vergangenen Saison eine Niederlagen-Serie hagelte, hielten die Merlins an Iisalo fest. Das Vertrauen zahlte sich aus - mit dem Last-Minute-Klassenerhalt.

Einzug ins Viertelfinale ist realistisch

Diese Saison sind die Crailsheimer das Überraschungsteam der Liga, weil Iisalo zusammen mit seinem Bruder Joonas, der ihm seit dieser Saison als Co-Trainer beisteht, sein Spielsystem umstellte und der Umbruch in der Mannschaft glückte. Nun könnten sie im Zehner-Abschluss-Turnier durchaus weiter für Furore sorgen. Der Einzug ins Viertelfinale ist möglich und realistisch. Damit hätten sie dann voraussichtlich auch einen Platz im internationalen Geschäft erobert. Dazu sind die ersten acht Teams berechtigt, also die Mannschaften, die in Nicht-Corona-Saisons in die Playoffs kommen. Dies wäre ein weiterer Meilenstein in der Merlins-Geschichte.

Die Crailsheimer eröffnen das Turnier um die deutsche Meisterschaft und die internationalen Plätze am 6. Juni um 16.30 Uhr gegen die BG Göttingen. Am Montag, 8. Juni, treffen sie um 16.30 Uhr auf den FC Bayern München. Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils fünf Teams.

Die Gründe für den Höhenflug sind vielschichtig. Ein Teil dazu trug aber das System bei. In einem Interview auf dem Livestream-Portal Airtango gab Iisalo einen kleinen Einblick in seine Überlegungen.

Der Trainer gewährt Einblick in seine Gedankenwelt

Er setzt in der Offensive in erster Linie auf eine schnelle Ballrotation, um offene Würfe zu kreieren. "Wir arbeiten jeden Tag daran, die richtigen Abläufe und Lösungen für verschiedene Spielsituationen zu finden", sagt Iisalo. "Die guten Spieler haben schon eine Idee, was sie mit dem Ball machen wollen, bevor sie ihn fangen." Das fordert er auch von seinen Akteuren. So sollen im Idealfall die Dreier-Schützen oder auch die beiden hervorragenden Mitteldistanz-Werfer Javontae Hawkins und DeWayne Russell in Position gebracht werden. "Unser Personal erlaubt es, dass wir mehr von außen spielen", sagte Iisalo.

Viel Zeit sollen sich seine Spieler für eine Entscheidung nicht lassen. Damit steigt zwar das Risiko für einen Ballverlust, dieses wird aber in Kauf genommen. "Gerade bei kreativen Spielern kann es immer passieren, dass ihnen ein Turnover passiert. Aber wenn die Offensive den Ball verliert, muss ihn die Defensive eben wieder zurückerobern", sagt Iisalo. Dies ist ebenfalls ein wichtiger Punkt in seinem System. Auch bei Fehlwürfen ist alles ganz genau geregelt. Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat, wer auf einen Rebound geht und wer absichert. "Wir versuchen, da eine gute Balance zu finden", sagt Iisalo. Er setzt dabei auf ein System, das dem Gegenpressing im Fußball ähnelt. Also nach einem Ballverlust wird der Gegner früh unter Druck gesetzt, richtig gehend genervt und im Aufbauspiel behindert.

"Die Form, die wir spielen, kommt aus der australischen Basketball-Schule", erklärt Iisalo. "Es ist für mich ein gutes Konzept. Wir haben überlegt, wie wir aggressiver und intensiver als in der vergangenen Saison spielen und den Ballbesitz maximieren können. Es ist ein einfaches aber kein leichtes System." Und es passt perfekt zu den Crailsheimer Spielertypen, die eher athletisch, wendig und schnell sind. "Die Spieler müssen aber vor allem gedankenschnell agieren", sagt Iisalo. "Wir versuchen, den offenen Wurf zu bekommen und zu nehmen - dabei ist es egal, ob noch 22 oder zwei Sekunden auf der Wurfuhr stehen." Dem voraus gehen meist genaue, schnelle, teils überraschende oder freche Passstafetten.


Kommen und Gehen

Doch vor dem Abschlussturnier haben sich personelle Veränderungen ergeben. Jan Span, der als Spielmacher mit DeWayne Russell hervorragend harmonierte, steht ebenso nicht mehr zur Verfügung wie Aaron Jones und Quincy Ford. Dafür stießen mit David Brembly und Marvin Ogunsipe zwei neue Spieler zu den Hohenlohern. In der kurzen Vorbereitung auf das Turnier ohne Testspielmöglichkeiten, war nun Iisalo erneut gefragt. Für ihn gilt es, die beiden bis Samstag ins Team zu integrieren und ihnen das System näher zu bringen. Das ist allerdings eine Schwierigkeit, vor der nahezu alle Teams stehen.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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