Corona ist Vertrauenssache: So läuft das mit dem Testen beim Neckar-Cup

Tennis  Wer ist die größere Gefahr bei einem Tennisturnier in diesen Zeiten: Die Profis aus aller Welt oder die Helfer aus Baden-Württembergs Hotspot?

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Hürde zwei: Die Körpertemperaturmessung am Eingang des Turniers.

Am Anfang steht der Test. 18 Personen stehen um das Corona-Testzelt auf dem Parkplatz des TC Heilbronn. Die Kleidung verrät ihre Jobs: Da stehen Ballkinder, Linienrichter, Helfer und Köche und warten entweder auf den Nasenabstrich, oder auf das Ergebnis. "Da macht man sich natürlich schon so seine Gedanken", sagt Aaron Geiger über die tägliche Warterei. Ohne negativen Schnelltest kommen sie alle beim 7. Heilbronner Neckar-Cup nicht auf das Turniergelände.

"Ich habe nicht um mich Angst", sagt der 25-Jährige aus Lehrensteinsfeld, der beim Tennis-Challenger zum sechsten Mal als Linienrichter dabei ist. "Aber ich möchte hier beim Turnier dabei sein und natürlich niemanden gefährden." Am Wochenende wurden fünf Helfer positiv getestet - Quarantäne statt Neckar-Cup.

Fünf Betroffene am Sonntag

"Es waren leider je zwei Personen aus dem Catering- und dem Platz-Team betroffen, zudem ein Ballkind", sagt Mine Cebeci. Sie veranstaltet zusammen mit ihrem Mann Metehan und Tom Bucher das Turnier, hat das Hygienekonzept ausgearbeitet und steht mit dem Gesundheitsamt in Kontakt, liefert Listen der beiden Blasen: Es gibt die etwa 120 Personen große ATP-Bubble mit Spielern, Schiedsrichtern, Ärzten und Fahrern. Und die Neckar-Cup-Family-Bubble mit den rund 100 Helfern. Innerhalb der Tennishalle, wo sich jede Blase für sich aufhalten kann und verpflegt wird, gibt es keinerlei Berührungspunkte. Die einzige richtige Schnittmenge ist der Platz. Dort ist die grundsätzlich überall geltende FFP2-Maskenpflicht für die Spieler, die vier Ballkinder und den Stuhlschiedsrichter aufgehoben - nicht aber für die drei Linienrichter.

Corona ist Vertrauenssache: So läuft das mit dem Testen beim Neckar-Cup

Hürde eins: Der Corona-Schnelltest im Zelt auf einem Parkplatz.

(Fast) alles ist von der Spielerorganisation ATP klar geregelt: Während die Übersicht der turnierrelevanten Daten und Informationen für die Spieler bei der Auflage 2019 auf ein Blatt passte, ist das sogenannte Detail Sheet bei der Pandemie-Ausgabe 2021 sechs Seiten lang, inklusive Fragen und Antworten zu Covid-19. Der Neckar-Cup wollte für mehr Sicherheit sorgen, als von der ATP und dem Gesundheitsamt vorgesehen, auch die Profis täglichen Schnelltests unterziehen. "Aber das wollte die ATP nicht", sagt Mine Cebeci. Das bei vielen Turnieren in den vergangenen Monaten weltweit erprobte Protokoll habe sich bewährt, reiche aus, sagt ATP-Supervisor Hans-Jürgen Ochs.

Zwei Blasen und weniger Kontakte

Corona ist kompliziert, Corona ist und bleibt eine Herausforderung. Weltweit. Deshalb stellt sich die Frage nicht, wer für wen gefährlicher ist: Der Tennis-Profi (der aus der weiten Welt eine Corona-Mutante mitbringen könnte) für den Helfer, oder der Helfer (der aus Baden-Württembergs langzeitigen Corona-Hotspot kommt) für den dauergetesteten Tennisprofi. "Mir wurde im Vorfeld gesagt, dass die Inzidenz hier höher sei als der Durchschnitt", sagt Philipp Kohlschreiber. "Aber wir sind hier in einer Blase. Jeder, der hier auf der Anlage ist, musste einen negativen Test mitbringen. Wir passen auf und kommen nicht mit vielen anderen in Kontakt."

Corona ist Vertrauenssache: So läuft das mit dem Testen beim Neckar-Cup

Die Linienrichterinnen und Linienrichter müssen beim Neckar-Cup noch etwas lauter rufen, wenn ein Ball im Aus landet: Sie sind selbst auf dem Platz nicht von der FFP2-Maskenpflicht befreit.

Fotos: Andreas Veigel

65 Profis aus 27 Nationen schlagen am Trappensee im Einzel beziehungsweise im Doppel auf. Ihre Eintrittskarte war ein negativer PCR-Test, der nächste steht am Mittwoch an, berichtet Mine Cebeci. "Die Tests führen unsere Turnierärzte und die neuerdings von der ATP vorgeschriebene Krankenschwester durch."

Verschiedene Dokumente sind nötig

Die meisten Profis seien vom ATP-Turnier in München angereist, hatten also die für die deutschen Behörden relevanten Einreisedaten bereits dort abgeliefert, sagt Cebeci. "Etwa 25 Profis sind von außerhalb Deutschlands angereist, drei davon aus dem zu den Risikogebieten zählenden Großbritannien. Sie sind von London aus geflogen." Zu den Reisedokumenten gehören neben dem Coronatest eine Einladung des Turniers, eine Bescheinigung der ATP und die Einreiseformulare.

Corona ist Vertrauenssache: So läuft das mit dem Testen beim Neckar-Cup

Selbst ist der Profi: Die Spieler, hier der Tscheche Jiri Vesely, dürfen sich aufgrund der Hygieneregeln ihr Handtuch nicht wie sonst von einem Ballkind bringen lassen.

Mine Cebeci ist zufrieden, wie alles läuft: "Am Montag gab es keine positiven Tests." Dennoch ist in beiden Blasen nach wie vor Vorsicht angesagt. Die Spieler mussten beispielsweise sonst für Trainingsbälle und Handtücher Pfand bezahlen. "Das haben wir abgeschafft, um die Kontakte zu minimieren." Corona ist und bleibt Vertrauenssache.

Die beste Nachricht hat übrigens Alessa Ladwig, die Chefin der 52 Ballkinder und 31 Linienrichter: "Das Ballkind, das am Wochenende einen positiven Schnelltest hatte, war im anschließenden PCR-Test negativ und ist mittlerweile beim Neckar-Cup im Einsatz."

 

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Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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